Nach den Unruhen im Bundesstaat Orissa

Indien: Frieden ist der einzige Weg

Christen und Hindus hoffen auf baldige Versöhnung

Raphael Cheenath, Erzbischof von Kataka-Bhubaneswar in Ostindien.

Raphael Cheenath, Erzbischof von Kataka-Bhubaneswar in Ostindien.

Seit wenigen Tagen ist eine Friedensmission im ost-indischen Bundesstaat Orissa unterwegs, die nach den Unruhen zwischen Hindus und Christen in den vergangenen Wochen für eine Aussöhnung unter der Bevölkerung sorgen soll. Dies teilte Erzbischof Raphael Cheenath von Kataka-Bhubaneswar unserem Hilfswerk mit. Die Friedensgruppe bestehe aus 150 Personen, darunter Lehrer und Würdenträger aus Orissa und der Hauptstadt Neu-Delhi. Erzbischof Cheenath befürwortet ausdrücklich diese Mission.

Nach Informationen unseres Hilfswerks fürchten sich immer noch zehntausende Christen aus dem indischen Bundesstaat in ihre Wohnorte zurückzukehren. Dabei ist es bereits mehr als drei Monate her, dass Extremisten plünderten, etwa fünfhundert Menschen töteten, viertausend Häuser und mehr als einhundert Kirchen und Kapellen im Distrikt Kandhamal zerstörten.

Kirchliche Oberhäupter zeigten sich gegenüber KIRCHE IN NOT besorgt über das langfristige Überleben der Christen in der Verwaltungseinheit Kandhamal. Weit verbreitet sind Berichte über andauernde Morddrohungen gegenüber Christen durch hinduistische Extremisten. Sie erlauben ihren christlichen Landsleuten nur dann die Rückkehr, wenn sie sich von ihrem Glauben abkehren.

Brennende Straßenbarrikade während der Unruhen in Orissa.

Brennende Straßenbarrikade während der Unruhen in Orissa.

Umso wichtiger sei es, so Erzbischof Cheenath, dass diese Friedensmission nun umgesetzt werde: “Wichtig ist vor allem, dass die Initiative nicht von uns kam, sondern von anderen, einschließlich anderen religiösen Gruppen.” Diese Friedensmission geht von Haus zu Haus und möchte in Gesprächen das in der Öffentlichkeit falsche Meinungsbild über Christen und ihre vorgeworfenen Bekehrungsaktionen klären. In dieser Gruppe befinden sich sowohl Christen als auch Hindus.

Erzbischof Cheenath erläuterte, dass der Plan zu dieser Friedensmission deswegen entstanden sei, weil über die Hälfte aller Hindus in der Region Kandhamal zutiefst bedauere, was in ihrem Distrikt in den vergangenen Monaten geschehen sei. “Sie wollen durch ihr Engagement wieder Normalität in ihr Gebiet bringen”, freut sich der Erzbischof.

Berichte aus erster Hand bestätigen, dass in Kandhamal die Beziehungen zwischen Hindus und Christen zusammengebrochen seien, nachdem der extremistische Politiker Swami Laxmanananda Saraswati, dessen Tod im August die letzte Gewaltflut verursacht hatte, eine Hasskampagne gegen Katholiken und Protestanten anzettelte. Die Gewalttaten seien keineswegs eine spontane Reaktion auf seine Ermordnung gewesen. Vielmehr handelte es sich dabei um eine geplante Aktion, bei der Extremisten Hindus einer Gehirnwäsche unterzogen hatten, um sie zur Gewalt gegen ihre christlichen Nachbarn zu ermutigen.

Ein zerstörtes Haus im Distrikt Kandhamal. Insgesamt wurden über 4000 Wohnhäuser und rund 100 Kirchen und Kapellen zerstört.

Ein zerstörtes Haus im Distrikt Kandhamal. Insgesamt wurden über 4000 Wohnhäuser und rund einhundert Kirchen und Kapellen bei den Unruhen der letzten Wochen zerstört.

Bisher sind nur sehr wenige Christen in ihre zerstörten Häuser zurückgekehrt. Sie mussten auf Druck von Regierungsleuten die Flüchtlingslager verlassen, sowohl im Distrikt Kandhamal und anderswo, einschließlich in der Bistumsstadt Bhubaneswar und der Stadt Kataka.

Der Erzbischof wünscht sich, dass die Christen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Aber er fordert auch die Regierung zum Handeln auf. Die Polizei müsse in der Region bleiben, weil die Christen beschützt werden müssten.

Bericht aus Indien von John Pontifex
KIRCHE IN NOT Großbritannien
Übersetzung: Wolfgang J. Rotzsche

 

5.Dez 2008 17:13 · aktualisiert: 24.Mrz 2014 17:21
KIN / S. Stein