Bischof in Indien reduziert Feierlichkeiten wegen wachsender Spannungen
Bischof Gerald Mathias aus der nordindischen Diözese Lucknow hat einen Großteil der Feierlichkeiten rund um das Weihnachtsfest aus Sicherheitsgründen abgesagt. Davon berichtete Generalvikar Ignatius D’Souza gegenüber Vertretern von KIRCHE IN NOT, die zurzeit auf einer Projektreise in Nordindien unterwegs sind.
Von den Streichung ist unter anderem auch die Aufführung des jährlichen Weihnachts-Tanzspiels auf den Stufen der katholischen Kathedrale betroffen, zu der üblicherweise über 50 000 Menschen in der Stadt Lucknow erwartet worden sind.
Bischof Mathias zog auch andere Aktivitäten zurück, so die Einladung zur Aufführung von Weihnachtsliedern und einem Essen für die oberste Ministerin des Bundesstaates Uttar Pradesh, Mayawati Naina Kumari, den Gouverneur von Lucknow sowie führende Justizbeamte. Auch ein spezieller Weihnachtstag, bei dem über 15 Priester zusammenkommen sollten, und Feierlichkeiten für Kleriker aus der ganzen Diözese fünf Tage danach wurden abgesagt.
Generalvikar Ignatius D’Souza sagte, dass die Menschen enttäuscht seien. Die Entscheidung sei aber unvermeidlich gewesen. “Wir sind wegen der fundamentalistischen Aktivitäten besorgt. Die Strategie der Extremisten ist sehr langfristig. Sie sehen unsere bistumsweiten Weihnachtsfeiern als eine Gelegenheit, um aktiv zu werden. Obwohl wir gute Sicherheitsvorkehrungen für die Feierlichkeiten organisiert und eine hervorragende Beziehung zu der örtlichen Polizei haben, können wir nicht vorsichtig genug sein. Man kann nicht in die Gedanken derjenigen schauen, die Unruhe stiften möchten.”
D’Souza erklärte, dass die Wochen und Monate vor wichtigen Wahlen schon immer eine Zeit der wachsenden Sicherheitsprobleme waren, mit dem Risiko für aggressive Akte extremistischer Parteien, die darauf aus seien, die Abstimmung durch ehrliche oder unehrliche Mittel zu beeinflussen. “Jedes Mal, wenn landesweite Wahlen anstehen, gibt es Menschen, die Spannungen entzünden wollen”, so der Generalvikar. Im Mai finden Wahlen in Indien statt.
Im ganzen Land ist die katholische Kirche in Alarmbereitschaft. Hintergrund sind die wiederholten Angriffe, bei denen bisher 500 Menschen im Bundesstaat Orissa gestorben sind. In Karnatiaka im Südwesten Indiens kam es zu eher unvorhergesehenen Unruhen und Zerstörungen von Kirchen, weil es sich um eine vorrangig katholische Region handelt.
Die Katholische Bischofskonferenz von Indien hatte kürzlich eine Mitteilung herausgegeben, in der die Bistümer gebeten wurden, ihre Weihnachtsfeierlichkeiten zu verringern; die letzte Entscheidung läge jedoch bei jedem Bischof selbst.
Generalvikar D’Souza betonte, dass die Absagen ein Zeichen der Solidarität mit den Christen in Orissa seien. Außerdem denke man in den nächsten Tagen an den ersten Jahrestag der Gräueltaten in Kandhamal, bei denen Kirchen geplündert und ganze Dorfgemeinschaften aus ihren Häusern verjagt wurden.

Bei den Unruhen im Herbst wurden zahlreiche Kirchen in Brand gesetzt, vor allem im Bundesstaat Orissa.
Bischof Mathias wurde bei seiner Entscheidung, weniger Feierlichkeiten zu veranstalten, von muslimischen Führern aus der Stadt ermutigt, die ihrerseits die Feierlichkeiten für das Fest des Fastenbrechens reduzieren wollen.
Für die Schauspieler des Weihnachtstanzspiels, unter ihnen Seminaristen, Novizinnen und Novizen, ist die Absage hart, denn die Proben waren bereits fast abgeschlossen. In dem jährlichen Tanzspiel kommen ausgewählte Texte aus der Bibel vor, vor allem die Geburt Jesu - das Ganze mit lokalen Bezügen.
Da das Spiel immer am Weihnachtstag stattgefunden hat, waren vor allem auch nicht-christliche Zuschauer an den zwei Darbietungen vor der St.-Josef-Kathedrale im Herzen von Lucknow interessiert. Mehrheitlich leben in der Stadt Hindus, 20 Prozent der Einwohner sind Muslime. Unter den drei Millionen Einwohnern gibt es nur 4000 Katholiken.
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