Ein Ort der Versöhnung im Kosovo

In der Stadt Pristina entsteht zurzeit eine neue Kathedrale

Dode Gjergji, Bischof der Katholiken im Kosovo.

Dode Gjergji, Bischof der Katholiken im Kosovo.

Es ist normal im Kosovo, dass Muslime Weihnachten mitfeiern. Noch, und auch nicht überall. Aber in der Universitätsstadt Pristina ist es eben keine Seltenheit. Dort lässt sich auch der Bischof häufig sehen.

Man sieht ihn auch an anderen Orten häufig. Sein Arbeitspensum scheint keine Ende zu kennen. Seit 2007 ist Dode Gjergji Bischof der Katholiken im Kosovo. Sie sind nur wenige: 95 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch, vier Prozent sind serbisch-orthodox; die Katholiken zählen gerade mal 70 000 Seelen im neuen Bistum Prizren.

Aber sie sind es, die Frieden stiften, die den Dialog organisieren und die unversöhnlichen Nachbarn wieder an einen Tisch bringen. Ihre Präsenz ist für alle eine Herausforderung, sich dem Frieden und der Versöhnung zu stellen. Deshalb ist ihre Präsenz unverzichtbar für eine bessere Zukunft des kleinen, gerade mal ein Jahr alten Staates.

Diese Präsenz muss sichtbar sein. Deshalb hat der Vorgänger von Bischof Gjergji begonnen, eine Kathedrale zu bauen. Ihre Untergeschosse sollen auch als kulturelles Zentrum, als Stätte der Begegnung dienen. Sie bauen nicht nur für sich. Das Gotteshaus ist der heiligen Mutter Teresa geweiht. Sie hatte einmal gesagt: “Der Mensch lebt nicht so sehr von der Liebe, die er empfängt, als vielmehr von der, die er schenkt”.

Blick auf die Baustelle der neuen Kathedrale in Prizren. Sie soll im kommenden Jahr eingeweiht werden.

Blick auf die Baustelle der neuen Kathedrale in Pristina. Sie soll im kommenden Jahr eingeweiht werden.

So wollen sie ihre Kathedrale sehen: Ein Ort der Liebe für alle; ein Ort, an dem man lernt, Liebe zu schenken; ein Ort des Gebets, der Bekehrung, der Berufung. Bischof Gjergji will vor allem junge Leute ansprechen. Die 20 000 Studenten in Prizren sollen an diesem Ort der Liebe Gottes geistige Heimat erfahren können, ganz gleich, ob sie katholisch sind oder nicht.

Im kommenden Jahr soll die Kathedrale fertiggestellt werden. Schon jetzt wachsen dem Bischof und seinen 23 Pfarreien die Kosten über den Kopf. Er hat die Gläubigen und seine 36 Priester aktiviert sowie seine Landsleute im Ausland mobilisiert. Kontemplative Schwestern beten für das Projekt. Er hat sich vertrauensvoll an uns gewandt. Fünf Millionen Euro kostet der Gesamtbau. Wir haben ihm eine Beteiligung von 400.000 Euro in zwei Raten zugesagt.

Als Dode Gjergji noch Bischof der Diözese Sape in Albanien war, holte er die Karmelitinnen und ließ ihr Kloster in Nenshat wieder aufbauen.

Als Dode Gjergji noch Bischof der Diözese Sapa in Albanien war, holte er die Karmelitinnen und ließ ihr Kloster in Nenshat wieder aufbauen.

Das scheint viel und ist doch wenig für den Frieden in einem Gebiet, in dem das Christentum Europas immer um seine Existenz kämpfen musste. Hier entstand der Mythos von der Schlacht auf dem Amselfeld (1389). Heute wird mit anderen Mitteln gefochten. Überall schießen Moscheen wie Pilze aus der Erde, finanziert mit viel Geld aus arabischen Ländern. Ihnen angeschlossen sind Koranschulen.

Noch sind die Muslime für ein friedliches Zusammenleben zu gewinnen. Sie haben die historische Erfahrung, dass dieser Frieden, nach dem auch sie sich sehnen, mit den Christen, insbesondere den Katholiken, möglich ist. Aber dafür muss die Präsenz der Christen sichtbar sein.

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Medien-Tipp:

Dokumentation: Albanien – Die Karmelitinnen von Nenshat

Im nordalbanischen Nenshat wurde das erste Karmelkloster von Karmelitinnen aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina gegründet. Mit einem Dokumentarfilm machen wir Sie auf dieses Frauenkloster aufmerksam. Der damalige Bischof von Sapa, Dode Gjergji, wünschte sich die Ansiedlung einer Ordensgemeinschaft.

Den Menschen soll nach Jahrzehnten des Atheismus in Albanien gezeigt werden, wie der Glaube an Gott gelebt werden könne. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde die katholische Kirche in Albanien mehrheitlich als Sozialverein wahrgenommen.

So sieht das neue Kloster der Karmelitinnen in den albanischen Bergen aus.

So sieht das neue Kloster der Karmelitinnen in den albanischen Bergen aus.

Schwerpunkt der Dokumentation ist die Einweihung des Karmels in Nenshat, bei der auch eine junge albanische Frau in die Gemeinschaft aufgenommen wird.  Obgleich die Karmelitinnen in Klausur zurückgezogen leben, fühlen sie sich nach eigenen Angaben nicht von der Außenwelt isoliert.

Schwester Miriam, die Oberin des Klosters, berichtet in dem Film, dass die umliegende Bevölkerung häufig die Ordensfrauen kontaktiere, um sich etwa Anleitung zum Gebet zu holen oder über den Glauben zu sprechen. Die Verbreitung des Glaubens sei auch Bestandteil des täglichen Gebets im Karmel: „Das ist unsere Art der Evangelisation.”

Unser Hilfswerk hat den Aufbau des Karmelitinnen-Klosters finanziell unterstützt.

Die 15-minütige Dokumentation „Albanien – Die Karmelitinnen von Nenshat ” können Sie als DVD direkt bei uns unentgeltlich anfordern.

Telefon: 0 89 / 64 24 88 8-0

Fax: 0 89 / 64 24 88 88-50

E-Mail: info@kirche-in-not.de

13.Jan 2009 12:54 · aktualisiert: 13.Aug 2009 13:55
KIN / S. Stein