Wo brauchst du uns, Herr?

Die Arbeit der “Dienerinnen Marias, Helferinnen der Kranken” auf Kuba

Die Dienerinnen Marias kümmern sich hauptsächlich um Arme und Kranke. Foto: Creutzmann

Die Dienerinnen Marias kümmern sich hauptsächlich um Arme und Kranke. Foto: Creutzmann

Sie arbeiten die ganze Nacht, von acht Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Dann kommen sie nach Hause, beten, und um sieben bitten sie Gott und Maria in der Heiligen Messe für “ihre” Schützlinge.

Unzählige Menschen haben sie schon im Sterben begleitet, die “Dienerinnen Marias, Helferinnen der Kranken”. Es ist eine Schwestern-Kongregation mit besonderem Charisma: Alte und Kranke aufsuchen, ihnen selbstlos zur Verfügung stehen und dienen.

Sie unterrichten außerdem Kinder in der Lehre der katholischen Kirche. Aber vor allem gehen sie zu den Kranken nach Hause, in die Viertel der Armen und Elenden, in die Slums.

Auf Kuba brauchen sie dafür nicht lange zu suchen. Einer der Armen, Francisco Espinosa in der Stadt Matanzas, hat seine Geschichte schnell erzählt – “für die, die es interessieren könnte”. Seine Frau hat Parkinson im fortgeschrittenen Stadium, unfähig allein zu essen oder die Notdurft zu verrichten. Eine der zwei Töchter ist mongoloid, die zweite wegen einer anderen Behinderung bettlägrig. Er dankt den Schwestern aus tiefstem Herzen für ihre Unterstützung. Ohne ihre Hilfe wüsste er nicht mehr ein noch aus.

“Wo können wir helfen?”

Ähnlich ist es mit den Alten und Leprakranken. Sie können nicht mehr schreiben. Aber ihr dankbarer Blick, wenn die Schwestern kommen, sagt alles. Für manche ist es der einzige Besuch. Sie halten die helfende Hand fest – als ob in ihnen das Leben läge. Auch die Kinder klammern sich an die Schwestern, sobald sie im Viertel auftauchen.

Es ist die selbstlose Liebe der Dienerinnen Marias, die Kindern und Alten diese kurzen Momente des Glücks beschert. Die vier Schwestern in Matanzas fragen nicht: Was brauche ich, was brauchen wir? Zwischen sechs und sieben Uhr stellen sie vor dem Tabernakel andere Fragen: Wo brauchst Du uns, Herr? Wo können wir helfen? Wo warten Menschen auf Deine Liebe?

Schwester Gloria bei einem Krankenbesuch.

Schwester Gloria bei einem Krankenbesuch. Foto: Creutzmann.

In den beiden kubanischen Städten Camagüey und Holguin stellen andere Schwestern der selben Kongregation die selben Fragen. Sie sind insgesamt 35 auf Kuba. Sie verlassen sich ganz auf die Vorsehung – und damit auf uns. Denn die Bitte um Existenzhilfe von Schwester Oberin Antonia liegt auf unseren Schreibtischen.

“Ich war krank, und ihr habt mich besucht”

Schwester Antonia erzählt uns von den Vier in Matanzas. Die älteste ist 73. Sie hat Diabetes und kümmert sich um das Haus, die bescheidenen Mahlzeiten für die vier Schwestern und Not Leidende, die an die Tür klopfen und Medikamente oder Brot erbetteln. Die anderen pflegen Kranke in deren Häusern, messen Blutdruck, geben Spritzen und reinigen Lepra-Wunden.

Nur am Samstag schlafen sie nachts zuhause. Sonst ruhen sie nachmittags ein paar Stunden und  beten um viertel nach sieben abends. Um acht sind sie wieder auf dem Weg zu jenen, von denen es im Evangelium heißt: Ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben (vgl. Mt 25, 35f.).

19.Jan 2009 12:38 · aktualisiert: 19.Jan 2009 14:52
KIN / S. Stein