Wiederaufflammen eines langjährigen Konflikts

Bischof aus Sri Lanka: “Stoppt die Bombardierung!”

Viele Menschen fliehen vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Tamilen

Thomas Savundaranayagam, Bischof in Jaffa / Sri Lanka.

Thomas Savundaranayagam, Bischof in Jaffa / Sri Lanka.

Bischof Thomas Savundaranayagam aus Jaffna im Norden Sri Lankas hat an den Präsidenten des Inselstaates appelliert, die seit Ende des vergangenen Jahres wieder aufgeflammte Bombardierung des Nordteils der Insel zu beenden.

In einem Gespräch mit unserem Hilfswerk beklagte er, dass der Beschuss und der Bombardierung aus der Luft durch Regierungstruppen viele Menschen getötet und verwundet worden seien. Trotz seines schriftlichen Appells an den Präsidenten Mahinda Rajapakse sei nichts geschehen, da die Regierungstruppen den Norden des Landes von tamilischen Rebellen unbedingt befreien möchte.

Im Dezember vergangenen Jahres teilte die Regierung mit, die Region um die Stadt Kilinochchi erobert zu haben, die den so genannten tamilischen Befreiungstigern als Rückzugsgebiet und Hauptstadt gilt. Die Tamilen fordern seit vielen Jahren einen eigenen Staat im Norden der Insel. Der Konflikt zwischen den Regierungstruppen und den tamilischen Rebellen dauert mittlerweile seit 26 Jahren an. Bisher sind bei Kämpfen 70 000 Menschen ums Leben gekommen.

Verbotene Reise ins Kampfgebiet

Das Wiederaufflammen der Kämpfe fiel in die gleiche Zeit, als Bischof Savundaranayagam eine geheime Erkundungsfahrt zu den im Kriegsgebiet eingeschlossenen Menschen unternahm. Obwohl es ihm offiziell verboten war, den besonders von den Kämpfen betroffenen Vanni-Bezirk zu betreten, reiste er von Jaffna an der Nordspitze Sri Lankas in das Gebiet, um sich über die Lage und die Not der Menschen zu informieren. Bei dieser Reise verteilte er Hilfsgüter, die unser Hilfswerk für seine Arbeit bereitgestellt hatte.

Wie der Bischof uns im Gespräch weiter mitteilte, sind viele Menschen auf der Flucht. Viele seien aus ihren Dörfern geflohen, die in den Konflikt zwischen der Armee und den “Befreiungstigern” geraten wären. Darunter seien auch Priester und Nonnen, die nun mit den Flüchtlingen in ihren Häusern lebten. Der Klerus versuche verzweifelt den Menschen zu helfen.

Zerstörte Kirche von Aitiyamalai, nachdem Regierungstruppen das Dorf überfallen und geplündert hatten.

Zerstörte Kirche von Aitiyamalai, nachdem Regierungstruppen das Dorf überfallen und geplündert hatten.

Diese Eindrücke seien der Auslöser für seinen Appell an den Präsidenten gewesen, erläuterte der Bischof Savundaranayagam. Er bat die Regierung, die Zivilisten von weiteren militärischen Aktionen zu verschonen und keine Kirchen und Tempel anzugreifen, in die sich Menschen zu ihrem Schutz geflüchtet hätten. “Kirchen und Tempel sind traditionell Plätze der Zuflucht bei Gefahr. Deshalb flehe ich die Regierung an, damit aufzuhören, Mörsergranaten auf Stätten des Gebets abzufeuern und Luftangriffe auf zivile Ziele zu beenden”, schrieb er wörtlich.

Er unterstrich, dass es Pflicht der Regierung sei, einen offenen und sicheren Korridor für Menschen zu öffnen, die vor dem Beschuss fliehen wollen. Doch auch die Rebellen richteten diesen nicht ein.

Medizinische Versorgung in Behelfseinrichtungen

Vor allem beklagt der Bischof die zivilen Todesopfer durch die Bombardement. “Es ist schwer, Zivilisten und tamilische Befreiungstiger aus 6000 Metern Höhe voneinander zu unterscheiden”, sagte er.

Bischof Savundaranayagam erläuterte, dass die Regierung zwar durch das Rote Kreuz die Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe versorge. Aber er fügte hinzu, dass viele Krankenhäuser verlegt wurden und medizinische Hilfe oft nur in behelfsmäßigen Einrichtungen geleistet werde.

20.Jan 2009 11:15 · aktualisiert: 20.Jan 2009 11:17
KIN / S. Stein