6. Pater-Werenfried-Jahresgedenken in Köln

“Schub zu mehr Glauben”

Über 450 Besucher bei der Veranstaltung im Maternushaus

Erzbischof Raphael Cheenath, Erzbischof im ostindischen Bistum Cuttack-Bhbaneswar.

Raphael Cheenath, Erzbischof im ostindischen Bistum Cuttack-Bhbaneswar.

Trotz zunehmender Bedrohung von Hindu-Nationalisten fühlen sich viele Inder vom christlichen Glauben angezogen. Erzbischof Raphael Cheenath aus dem Bistum Cuttack-Bhubaneswar im ostindischen Bundesstaat Orissa berichtete, dass Kastenlose auch noch ihre letzten Almosen verlieren, wenn sie in Indien zum Christentum übertreten.

Zudem würden sie zu Freiwild gewaltsamer Hindu-Fanatiker. “Die höchsten Kasten fürchten um ihre Position, wenn Angehörige unterer Kasten oder Kastenlose eine christliche Bildung erhalten.” Eine Reihe von Kastenlosen hätten es aufgrund einer soliden Ausbildung schon zu Mitgliedern des Parlaments gebracht.

Die Qualität katholischer Bildungseinrichtungen sei in Indien so geschätzt, dass selbst Hindu-Politiker ihre Kinder dort hinschickten. Die Präsenz der Kirche ist auch in den Feldern der Krankenpflege und Sozialarbeit sehr stark.

“Wir sind einer Hass-Kampagne ausgesetzt”

“Deshalb wird der Behauptung von Hindu-Nationalisten geglaubt, die Christen würden in fünf Jahren das ganze Land übernehmen”, berichtet der Bischof weiter. In seinem Bistum kam es Weihnachten 2007 sowie im vorigen August zu Massenausschreitungen gegen christliche Inder. “Wir sind einer regelrechten Hass-Kampagne ausgesetzt”, beklagt Cheenath, “in der die Christen als Gefahr für das ganze Land hingestellt werden, die mit dem muslimischen Nachbarland Pakistan kollaborierten.”

Podiumsgespräch zur Lage der Christen in Indien: Marie-Ange Siebrecht, Indien-Referentin bei KIRCHE IN NOT, Michael Ragg, Pressesprecher und Moderator des Nachmittags, und Erzbischof Raphael Cheenath (v.l.).

Podiumsgespräch zur Lage der Christen in Indien: Marie-Ange Siebrecht, Indien-Referentin bei KIRCHE IN NOT, Michael Ragg, Pressesprecher und Moderator des Nachmittags, und Erzbischof Raphael Cheenath (v.l.).

Welche Auswirkungen die jüngsten Angriffe hatten, bei denen fanatisierte Hindus rund 200 Christen töteten, konnte unsere Referentin für Indien, Marie-Ange Siebrecht, bei ihrer Reise zu den Schauplätzen kürzlich mit eigenen Augen sehen. “Die christlichen Dörfer dort existieren nicht mehr. Die gesamte Infrastruktur der Kirche ist zerstört, wie Klöster, Pfarrhäuser und Kirchen.”

Humanitäre Hilfe reicht nicht aus

Die Regierung helfe nicht, ziehe sich mit dem Hinweis auf die säkulare Staats-Verfassung zurück. Die humanitäre Hilfe für die verängstigten Flüchtlinge reiche zudem nicht aus. “Eine ganze Familie muss mit nur einer Decke auskommen.” Gerade angesichts der Not sei ihr die Glaubensstärke dieser Menschen aufgefallen. “All das hat ihnen noch einen Schub zu mehr Glauben gegeben”, berichtete sie.

Jean-Claude Perisset, Vatikanbotschafter in Deutschland.

Jean-Claude Perisset, Vatikanbotschafter in Deutschland.

In einer spontanen Wortmeldung bestätigte der aus Berlin angereiste Päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, die Ausstrahlung dieser Glaubenskraft. Auf die Frage, warum in Deutschland gerade indische Priester eine besonders willkommene Unterstützung der Seelsorge darstellten, antwortete Perisset: “Es ist ihre Freude am Glauben.”

Das Pater-Werenfried-Jahresgedenken, das alljährlich an den am 31. Januar 2003 verstorbenen Gründer des Hilfswerkes erinnert, fiel in diesem Jahr mit dem Jubiläum der Erhebung von KIRCHE IN NOT zur “Gesamtkirchlichen Vereinigung päpstlichen Rechts” vor 25 Jahren zusammen.

Die Vorsitzende von KIRCHE IN NOT Deutschland und langjährige Mitarbeiterin Pater Werenfried van Straatens, Antonia Willemsen, zeigte auf, wie sehr die jeweiligen Päpste seit der Entstehung des Werks im Jahr 1947 dessen weltweites Engagement beeinflussten. Gerade Papst Paul VI., den manche Historiker gerne auf seine Ostpolitik reduzieren, ermunterte den Gründer in seiner Arbeit für die verfolgten Christen hinter dem Eisernen Vorhang:

Antonia Willemsen, Vorsitzende von KIRCHE IN NOT und langjährige Mitarbeiterin von Pater Werenfried.

Antonia Willemsen, Vorsitzende von KIRCHE IN NOT und langjährige Mitarbeiterin von Pater Werenfried.

Eines Tages habe Pater Werenfried einen “ziemlich scharfen Brief” vom Gestalter der vatikanischen Entspannungspolitik Kardinal Agostino Casaroli mit der Aufforderung erhalten, “sich in Bezug auf die Beschreibung der Situation der Kirche in Osteuropa zu mäßigen”.

Pater Werenfried ging daraufhin zum Papst, der ihm geduldig zugehört habe und ihm dann sagte: “Als Papst muss ich alles tun, was in meiner Macht liegt, den verfolgten Christen in Zentral- und Osteuropa etwas Sauerstoff zuzuführen. Dazu brauche ich die Ostpolitik von Kardinal Casaroli genau so viel wie Ihre Aktion für die Verfolgten. Machen Sie weiter!”

Pater Werenfried, der seine Hilfe auf Anregung Papst Johannes XXIII. auf Lateinamerika ausgedehnt hatte, leistete mit seinem Werk ab 1991 auch der Russisch-Orthodoxen Kirche auf Bitten Papst Johannes Paul II. Beistand. In diesem Engagement ermunterte nach dem Tod von Pater Werenfried Papst Benedikt XVI. Antonia Willemsen weiterzuwirken.

Gottesdienst im Kölner Dom: Bischof Petro Kryk, Apostolischer Exarch für die katholischen Ukrainer in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, und Erzbischof Raphael Cheenath (v.l.).

Gottesdienst im Kölner Dom: Bischof Petro Kryk, Apostolischer Exarch für die katholischen Ukrainer in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, und Erzbischof Raphael Cheenath (v.l.).

In einer humorvoll-mitreißenden Predigt hatte zuvor Kardinal Joachim Meisner bei einem Gottesdienst im Kölner Dom hingewiesen, wie sehr sich der Gründer-Pater bei der Zusage an neue Herausforderungen stets auf Gott verließ: “Pater Werenfried vermittelte immer das Bewusstsein und die Überzeugung, dass er das, was er da verspricht, auch einlöst.”

Er habe zwar selbst nicht vorhersehen können, dass ihm das Versprochene gelinge. Er sei aber voller Hoffnung gewesen, “dass Gott die nicht ins Leere greifen lässt, die sich mit ihren Händen nach seinen Reichtümern zugunsten der anderen ausstrecken.”

Paul Williams, Professor für Indische und Tibetische Philosophie in Bristol / England.

Paul Williams, Professor für Indische und Tibetische Philosophie in Bristol / England.

Ausgerechnet ein weltbekannter Professor für Buddhismus zeigte den Zuhörern, wie sehr jeder Christ aus der Hoffnung leben kann. Professor Paul Williams ist vor einigen Jahren bereits zum katholischen Glauben konvertiert, nachdem er jahrzehntelang der östlichen Weltreligion angehört hatte.

Wegen seines Fachwissens auf dem Gebiet der indischen und tibetischen Philosophie kommen immer noch Studenten aus Asien zu ihm ins englische Bristol, obwohl er inzwischen kritisch meint: “Reinkarnation, falls sie wahr ist, ist schrecklich und hoffnunglos.”

Im Gespräch mit unserem Pressesprecher, Michael Ragg, machte er deutlich, dass der buddhistische Glaube atheistisch sei. Buddhisten kennen auch nicht das Konzept eines bleibenden und grundsätzlich wertvollen Individuums, was enorme Konsequenzen für den Glauben an die Reinkarnation hat. “Wiedergeburt heißt nicht, man sei dann die gleiche wie die verstorbene Person. Das heißt, dass ich und alle, die ich liebe, mit dem Tod aufhören zu existieren”, erklärte der Philosophieprofessor.

Im Westen werde vieles in den Buddhismus hineininterpretiert, das sich bei näherem Studium als Trugschluss herausstelle. All das Ermutigende, dass hierzulande mit dem Buddhismus in Verbindung gebracht werde, sei im Christentum allemal enthalten.

Text: Michaela Koller
Fotos: Maria Lozano

Publikum im gut gefüllten Maternushaus.

Publikum im gut gefüllten Maternushaus.

26.Jan 2009 15:14 · aktualisiert: 2.Jun 2009 13:10
KIN / S. Stein