Christenverfolgungen heute – (k)ein Medienthema

Im Irak droht Auslöschung des Christentums

Tagung an der Katholischen Akademie in Trier

Unser aktuelles Buch: Religionsfreiheit weltweit - Bericht 2008.

Unser aktuelles Buch: Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008.

Auf die Situation verfolgter Christen weltweit haben wir am vergangenen Sonntag bei einer Tagung in der Katholischen Akademie in Trier aufmerksam gemacht. Anlässlich des “Welttages für soziale Kommunikationsmittel” diskutierten Experten und Betroffene zum Thema “Christenverfolgungen heute – (K)ein Medienthema?”. Die Teilnehmenden forderten dabei einhellig ein stärkeres öffentliches Interesse für das Thema Christenverfolgung.

“200 Millionen Christen weltweit leben in Bedrängnis oder werden sogar verfolgt, das ist fast jeder zehnte Christ. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens ermordet werden, sind Christen”, sagte der Trierer Weihbsichof Stephan Ackermann, der die Tagung mit einem Gottesdienste eröffnete. Daher sei Christenverfolgung kein Thema des antiken Roms, sondern ein hoch aktuelles Thema.

Vor allem Diktaturen hätten die Christen im Visier. Denn in keiner anderen Religion würden die Würde und die Verantwortung des Einzelnen, auch in seiner Freiheit, so stark betont wie im christlichen Glauben. Viele Regimes würden daher in der christlichen Botschaft eine Bedrohung sehen.

Das Podium bei der Tagung in der Katholischen Akademie: Berthold Pelster, Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT und Redakteur des Buches "Religionsfreiheit weltweit - Bericht 2008", Andreas Lang, Moderator der Veranstaltung, Katharina Zey-Wortmann, Katholische Akademie Trier, Klaus Wundlechner, Klaus Wundlechner, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland (v.l.).

Das Podium bei der Tagung in der Katholischen Akademie: Berthold Pelster, Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT und Redakteur des Buches “Religionfreiheit weltweit – Bericht 2008″, Andreas Lang, Moderator der Veranstaltung, Katharina Zey-Wortmann, Katholische Akademie Trier, Klaus Wundlechner, ehemaliger Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland (v.l.).

“Die Christen im Irak zählen zu den ältesten Gemeinden überhaupt, sie haben eine fast 2000 Jahre alte Tradition. Mit ihnen verliert das Land seine Geschichte und Identität”, sagte Siebrecht. Nach dem Sturz Saddam Husseins sei ein Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten um die Vorherrschaft entbrannt; dabei seien die Christen zwischen alle Stühle geraten.

Vor dem Einmarsch der Amerikaner hätten 1,5 Millionen Christen im Irak gelebt, heute seien es noch 500 000. “Im Irak droht sogar die komplette Auslöschung des Christentums”, ergänzte unser Mitarbeiter Berthold Pelster. Er stellte bei der Veranstaltung unser Buch “Religionsfreiheit weltweit – Bericht 2008” vor.

Gottesdienst in der Hauskapelle der Katholischen Akademie in Trier. Zelebrant: Weihbischof Dr. Stephan Ackermann.

Gottesdienst in der Hauskapelle der Katholischen Akademie in Trier. Zelebrant: Weihbischof Dr. Stephan Ackermann.

Ebenfalls dramatisch sei die Situation der rund 25 Millionen Christen in Teilen Indiens, vor allem im östlichen Staat Orissa, berichtete Pelster. Im August seien dort mehr als 100 Christen getötet worden. Es gebe eine radikale Bewegung, die das Ziel habe, aus Indien einen reinen Hindu-Staat zu machen. Auch in China, Nordkorea und Saudi-Arabien würden Christen verfolgt oder an der Ausübung ihrer Religion gehindert, erläuterte Pelster.

Nashwan Polis, ein Christ aus dem Irak, berichtete über seine Flucht nach Deutschland.

Nashwan Polis berichtete über seine Flucht nach Deutschland.

Wie dramatisch die Lage für Christen im Irak ist, machten fünf Flüchtlinge deutlich. Nashwan Polis musste aus seiner Heimatstadt Bagdad fliehen, nachdem seine Mutter brutal erschossen worden war: “Innerhalb einer Woche mussten wir unser Haus verlassen.” Seine Familie sei komplett zerstört, sein Vater und sein Bruder seien nach Syrien geflohen, er selbst kam über die Türkei nach Deutschland.

Auch Satjon Y. aus dem nordirakischen Mossul schilderte das Schicksal seiner Familie: Sein Bruder und sein Schwager wurden getötet, zur Befreiung seiner Cousins habe er 600.000 Dollar aufbringen müssen.

Einig waren sich die Flüchtlinge, dass die Amerikaner die Lage im Irak nicht im Griff hätten. Auch die Regierung und die Polizei unternähmen nichts, um die Christen zu schützen. Zum Islam überzutreten, um so vielleicht ihr Leben zu retten, sei für sie aber nie in Frage gekommen; denn “wir sind stolz darauf, Christen zu sein.”

Die Tagung veranstalten wir gemeinsam mit der Katholischen Akademie Trier, der Diözesanstelle Weltkirche des Bistums Trier sowie sdem Deutschen Journalistenverband.

27.Jan 2009 12:34 · aktualisiert: 28.Mrz 2015 07:32
KIN / S. Stein