Gefängnis und Straflager – aber keine Klage

Der katholische chinesische Priester Petrus Han starb im Alter von 87 Jahren

Petrus Han, Gast bei unserem Kongress "Treffpunkt Weltkirche" 2006 in Augsburg.

Petrus Han, Gast bei unserem Kongress

Der bekannte chinesische Priester Petrus Han ist tot. Er begeisterte 2006 die Teilnehmenden am 2. Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” in Augsburg mit seinem beeindruckenden Zeugnis.

Der Priester berichtete darin über die Verfolgungszeit und seine eigenen Erlebnisse im Straflager während der Kulturrevolution. Dafür gab es sogar stehende Ovationen und minutenlangen Applaus.

Zu seiner Beerdigung kamen zahlreiche Priester – ein Zeichen seiner Bedeutung für die Katholiken in China.

Ein Nachruf von Sr. Gudula Thimm SMIC.

Zwanzig Jahre Gefängnis und Arbeitslager lagen hinter ihm, als der chinesische Priester Petrus 1984 in seine Heimat zurückkehrte. Mit vierzehn Jahren ging er ins Seminar und wurde 1946 zum Priester geweiht.

Drei Jahre Gemeindearbeit waren ihm vergönnt, bis 1949 die Kommunisten die Regierung übernahmen. Auf Anraten der kirchlichen Oberen verließen zahlreiche junge Priester das Land, um über Hongkong ins Ausland zu gelangen, um dort weiter zu studieren.

Priester und Augenarzt

Auch der Priester Petrus Han kam nach Hongkong. Hier hörte er die Stimme kirchlicher Oberer: “Die Schafe sind noch da, wie können die Hirten gehen?” Das traf ihn ins Herz, und er kehrte nach China zurück. Als Priester hatte er kein Einkommen. Auf Anraten der Bischöfe erlernten die Priester einen Zweitberuf. Petrus wurde Augenarzt und arbeitete in zwei Krankenhäusern. Nebenher war als Priester in den Gemeinden tätig.

Viele Priester erweisen Petrus Han die letzte Ehre.

Der aufgebahrte Sarg von Petrus Han.

Zunächst war man überzeugt, dass die Kommunisten die Christen dulden würden. Es gab aber unterschiedliche politische Bewegungen, die bald in das Leben der Christen und Priester eingriffen.

Die Priester mussten alles, was angeordnet wurde, mitmachen. Petrus Han fiel durch seinen christlichen Eifer und seine Standfestigkeit auf. Immer wieder musste er sich gewaltsamen Verhören unterziehen. Schließlich wurde er 1965 verhaftet. Man machte ihm nun seine Rückkehr nach Hongkong zum Vorwurf. Er sollte sich als Spion bekennen und aussagen, wer ihn dort ausgebildet und beauftragt habe und was jetzt seine Aufgabe in China sei.

In der Gefängniszelle konnte er nur hocken

Ohne eine offizielle Verurteilung war er acht Jahre im Gefängnis. Er saß in einer ganz kleinen Zelle, in der man nur hockend sitzen und nicht stehen konnte. Der Rosenkranz war sein ständiger Begleiter. Selbst wenn er verspottet wurde, ließ ihn das unbeeindruckt, er betete weiter. Seine Familie wusste nicht, ob er noch lebte.

Die Mutter, eine tief religiöse, energische und tapfere Frau machte sich mehrmals mit anderen Müttern auf den Weg nach Peking, um dort die Freilassung ihres Sohnes zu erreichen beziehungsweise eine richtige Anklageschrift zu erreichen. Dieser Mutter und einem in Belgien lebenden chinesischen Priester ist es zu verdanken, dass er schließlich 1984 frei gelassen wurde.

Viele Priester erweisen ihrem Mitbruder Petrus Han die letzte Ehre.

Viele Priester erweisen ihrem Mitbruder Petrus Han die letzte Ehre.

Als er nach acht Jahren Gefängnis todkrank wurde, benachrichtigte man erstmals seine Familie, sie sollte sich nun um seine Genesung kümmern. Wieder war es die Mutter, die für ihren Sohn kochte und täglich zum Gefängnis kam. Als er sich erholt hatte, kam er in ein Arbeitslager und musste im Kohlenbergwerk schuften. Dort waren die Menschen täglich den Gefahren von Explosionen und Unglücken ausgesetzt.

Eines Tages erkannte ihn ein Lagerinsasse als ehemaligen Augenarzt. Die Gefängnisleitung übertrug ihm dann die Sorge für die Kranken, für die er Tag und Nacht zuständig war. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Haftbedingungen erleichtert. Als er 1984 entlassen wurde hieß es, er sei unschuldig gewesen. Das war alles.

Viele Besucher am Krankenbett

Nach seiner Entlassung wollte sein jung gebliebenes Herz die “verlorenen zwanzig Jahre nachholen”. Die Veränderungen seit dem II. Vatikanum waren für ihn wegweisend. Er war der erste in seiner Diözese, der die Messe in der Muttersprache feierte, als sich noch viele Priester weigerten.

Er war erfüllt mit einer erstaunlichen Energie. So lernte er auch noch den Umgang mit dem Computer. Mit dem Motorrad besuchte er die Christen in den entferntesten Dörfern, wohin kaum ein Priester kam. Als er kurz vor seinem Tod im Krankenhaus lag, staunten die Ärzte und Patienten nicht wenig, aus welchen Entfernungen die Menschen kamen, um ihren Priester zu besuchen. Seine 2-Zimmer-Wohnung wurde zur Kapelle, in der die Menschen Trost und Hilfe fanden.

Blick in die vollbesetzte Kathedrale in Peking.

Blick in die vollbesetzte Kathedrale in Peking.

Erst nach fast 20 Jahren war er fähig, mit seiner Familie über das Erlebte zu sprechen. Keine Klage, kein Vorwurf. Das neue Leben sah er als Chance. 2004 besuchte er Deutschland. Er hatte die Sehnsucht, dorthin zu gehen, wo die Mutterkirche für China war: Europa, von wo aus die Missionare gezogen waren.

Unvergesslich bleibt die erste Begegnung: Ein Priester in Turnschuhen, nur mit einem Rucksack als Gepäck, eine Mütze auf dem Kopf; liebenswürdig, menschenfreundlich, bescheiden. Er freute sich über jeden Kirchturm, den er vom Zug aus entdeckte. Er besuchte auch Lourdes und packte seinen ganzen Rucksack voll mit Lourdeswasser.

Zeuge lebendigen Glaubens

Zwei Jahre später kam er auf Einladung von KIRCHE IN NOT noch einmal nach Deutschland und gab auf dem Kongress sein Lebenszeugnis. Der beeindruckendste Beitrag des ganzen Kongresses.

Ein Zeuge lebendigen Glaubens für die Kirche Chinas ist zu Gott heimgegangen. Er wird bei Gott die Fülle göttlichen Lebens genießen dürfen. Petrus Han verstarb am 4. Januar.

Fotos: Thimm (2), KIN (4)

Gebet für die leidende Kirche in China

Unsere Liebe Frau von China.

Unsere Liebe Frau von China.

Gott, Du Lenker der Welt und Du Licht der Völker, nimm Du Dich des ganzen chinesischen Volkes in den Tagen seines Leidens an. Stärke Deine Kirche in China, die am Leiden Deines geliebten Sohnes teil nimmt. Lass Jesus ihr und dem ganzen chinesischen Volk Licht und Auferstehung sein!

Himmlischer Vater, lass aus den Leiden Deiner Kirche die Saat aufgehen, die heranreift zum Tag Deiner Herrlichkeit! Lass alle dann teilhaben der Herrlichkeit, die in Dir, himmlischer Vater, in Deinem Sohn und im Heiligen Geist in Ewigkeit ist. Amen!

Maria, Kaiserin Chinas, bitte für Dein chinesisches Volk!

Dieses Bild finden Sie in unserem Faltkalender für das Jahr 2009, den Sie bei uns unentgeltlich bestellen können.

2.Feb 2009 13:01 · aktualisiert: 5.Nov 2013 16:04
KIN / S. Stein