Auseinandersetzungen in Sri Lanka

Gebetswachen und Hungerstreik

KIRCHE IN NOT stellt 27.000 Euro für Zivilbevölkerung zur Verfügung

Thomas Savundaranayagam, Bischof von Jaffna / Sri Lanka.

Thomas Savundaranayagam, Bischof von Jaffna / Sri Lanka.

Der Bischof der nord-srilankischen Diözese Jaffna, der aus Solidarität mit den leidenden Menschen in einen Hungerstreik getreten war, hat nach sechs Tagen sein Fasten beendet, nachdem sein Appell zur Beendigung des Beschusses dem Präsidenten des Landes übergeben worden war.

Vor wenigen Tagen traf der Apostolische Nuntius Mario Zenari den Präsidenten Mahinda Rajapakse in der Hauptstadt Colombo. Bei dieser Gelegenheit überreichte er ihm ein von Bischof Savundaranayagam verfasstes Dokument.

Darin rief er zu einer Beendigung der Gewalt auf und forderte eine sofortige Hilfe für Tausende verzweifelter Menschen im Norden Sri Lankas. In der Vergangenheit hatte der Bischof bereits persönlich dem Präsidenten geschrieben, doch es sei nichts geschehen, sagte der Bischof in einem Gespräch mit unserem Hilfswerk.

Keine genauen Zahlen über Opfer

Bei dem Treffen zwischen dem Nuntius und dem Präsidenten ging es um die wachsende Sorge über die humanitäre Krise, besonders in der Vanni-Region im Norden Sri Lankas. Dort bekämpfen sich derzeit Regierungstruppen und tamilische Rebellen, die seit vielen Jahren einen eigenen Staat fordern.

Da in das Gebet keine Journalisten einreisen dürfen, sind genaue Zahlen über Opfer schwierig. Nach Angaben von Radio Vatikan hat die Regierungsoffensive bislang 400 Zivilisten das Leben gekostet, 1500 seien verletzt worden.

Eine zerstörte Kirche in Aitiyamalai. Während der Kämpfe mit tamilischen Rebellen zwangen Regierungstruppen die Bewohner der Gegend - gleich ob Katholiken, Moslems oder Hindus - zum Verlassen ihrer Heimat. Anschließend plünderten sie ihre Häuser und zerstörten Kirchen.

Eine zerstörte Kirche in Aitiyamalai. Während der Kämpfe mit tamilischen Rebellen zwangen Regierungstruppen die Bewohner der Gegend - gleich ob Katholiken, Moslems oder Hindus - zum Verlassen ihrer Heimat. Anschließend plünderten sie ihre Häuser und zerstörten Kirchen.

Weiteres Thema des Gesprächs zwischen Nuntius Mario Zenari und Präsident  Rajapakse waren Berichte über eine Reihe von Angriffen, von denen auch ein Krankenhaus im Dorf Puthukkudiyiruppu betroffen war. Mehr als ein Dutzend Menschen starben bei diesen Angriffen.

Das Dorf ist Teil eines 24 Quadratkilometer großen Gebiets mitten im Kampfgebiet, das die Regierung zu einer “sicheren Zone” für mehr als 400 000 Inlandflüchtlinge erklärt hat. Doch so sicher ist dieses Gebiet scheinbar nicht: Dort seien innerhalb des letzten Monats bis zu 500 Menschen durch Mörser- und Artelleriebeschuss verwundet worden, berichtete der Bischof.

Weiter sagte er: “Wir haben oft mit der Regierung Verbindung aufgenommen und sie gebeten, den Krieg zu beenden. Wir haben sie gebeten, keine Waffen im Bereich der ‘sicheren Zone’ einzusetzen, wegen der vielen Menschen, die sich dort aufhalten.”

Hungerstreik und Gebetswachen

Aus Zorn über Todesfälle und Verletzungen in dieser Zone und über das offenkundige Versagen der Regierung, das menschliche Leid zu mildern, schloss sich der Bischof einem Hungerstreik von Christen und Hindus an. “Bis jetzt hat niemand auf uns gehört. So entschlossen wir uns, zu beten und zu fasten in der Hoffnung, dass dies die Herzen der Verantwortlichen erweichen würde.”

In den vergangenen Tagen fanden in der Kathedrale von Jaffna und in Kirchen in der Umgebung Gebetswachen statt. Viele Hilfesuchende waren unter den mehr als 600 Menschen, die den Bischof bei der Gebetswache begleiteten. Nach sechs Tagen des Fastens und der Gebetswachen glaubt er, dass Präsident Rajapaksa zuletzt doch auf ihn gehört hat und nun endlich handeln will.

Er mache sich besondere Sorgen um die Sicherheit von 20 Priestern und 25 Nonnen innerhalb der “sicheren Zone” – eine Sorge, die der Präsident Rajapaksa teile, so der Bischof.

Thomas Savundaranayagam freute sich in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT, dass der Präsident bei dem Treffen in Colombo die Sorgen und die Sicherheit der Zivilbevölkerung zur Kenntnis genommen habe. Doch das alleine reicht ihm nicht: “Wir erwarten jetzt, dass die Regierung von ihrer bisherigen Linie abweicht. Es gibt einen enormen internationalen Druck auf die Regierung, den Konflikt durch friedliche Verhandlungen zu lösen.”

In Velankanni im Süden Sri Lankas unterstützen wir den Bau einer Kirche. Das Foto entstand bei der Grundsteinlegung.

In Velankanni im Süden Sri Lankas unterstützen wir den Bau einer Kirche. Das Foto entstand bei der Grundsteinlegung.

Inzwischen hat das britische Büro von KIRCHE IN NOT eine weitere Hilfssendung von knapp 20.000 britischen Pfund (26.773 Euro) verschickt. Sie soll von Bischof Savundaranayagam verteilt werden. Das Geld werde den Menschen überall in der Jaffna-Provinz helfen, denen es an Grundnahrungsmitteln und Unterkunft fehle, versicherte er.

Der Bischof dankte unserem Hilfswerk und betonte: “Natürlich ist eine solche Hilfe nur ein Wassertropfen im Ozean. Aber sie kommt zum richtigen Augenblick. Die Menschen, die davon profitiert haben, sind sehr dankbar.”

6.Feb 2009 13:23 · aktualisiert: 6.Feb 2009 13:33
KIN / S. Stein