Provinzwahlen im Irak

“Es muss sich noch eine Menge ändern”

Trotz Benachteiligung von Christen bleibt Bischof Sako optimistisch

Louis Sako, Erzbischof von Kirkus / Irak.

Louis Sako, Erzbischof von Kirkuk / Irak.

Erzbischof Louis Sako aus dem nordirakischen Kirkuk hat die Provinzwahlen im Land vom 31. Januar als einen “Schritt nach vorn” für die benachteiligten Christen bezeichnet. Allerdings werde es schwer, ihre Stimme in der Regierung und in der weiteren politischen Debatte hörbar zu machen.

Die Beteiligung an der Wahl zeige, dass die Bürger des Irak endlich “volle Verantwortung” für die Entwicklung ihres Landes übernähmen. Im Unterschied zu 2005 nahmen diesmal auch die Sunniten daran teil. Erzbischof Sako bezeichnete die Abstimmung als “größte Herausforderung des neuen Irak-Staats nach Saddam”. Die ersten Ergebnisse werden in diesen Tagen bekannt gegeben.“

Erzbischof Sako bedauerte, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen christlichen Politikern deren Position geschwächt hätten. Die Christen liefen Gefahr, mit drei statt der erhofften 15 Sitze weitgehend ignoriert zu werden. Doch er zeigte sich hoffnungsvoll: “Diese Wahlen sind positiv. Das ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Nichts ist perfekt – wir Christen mögen nur wenige Sitze haben. Es ist nur der Anfang. Es muss sich noch eine Menge ändern.”

Christen stehen Sitze in den Provinzräten zu

Im November hatte das irakische Parlament entschieden, den religiösen Minderheiten sechs Sitze in den Provinzräten zuzugestehen, darunter drei für die Christen in den größten Städten Bagdad, Basra und Mossul. Die Entscheidung fiel nach Protesten christlicher Führer unter dem Eindruck der Attacken in Mossul, bei denen mehr als Dutzend Christen starben und fast 10 000 fliehen mussten, bevor sie ein paar Wochen später zurückkehren konnten.

Autobomben-Anschlag auf die Kathedrale zum Heiligsten Herzen in Kirkuk im Januar 2008.

Autobomben-Anschlag auf die Kathedrale zum Heiligsten Herzen in Kirkuk im Januar 2008.

Erzbischof Sako hat versucht, das politische Gewicht der Christen in Kirkuk durch die Einrichtung eines dreißigköpfigen “Rats der Christen” zu stärken. Diesen Plan unterstützte auch der irakische Präsident Jalal Talabani.

In einem Telefonat mit unserem Hilfswerk berichtete der Erzbischof, dass die Wahlen im Großen und Ganzen störungsfrei verlaufen und ein wichtiger Meilenstein auf dem Wege zu einem demokratischen System gewesen seien. Priorität für die neuen Provinzregierungen sollten nicht nur Sicherheitsfragen haben, sondern auch der soziale Zusammenhalt und die Entwicklung des Gesundheitswesens und der Bildung.

Region von Kirkuk ist reich an Öl

In Erzbischof Sakos eigener Provinz Kirkuk im Norden Iraks wird voraussichtlich erst im späteren Verlauf des Jahres gewählt. Die Abstimmung ist höchst kontrovers, denn die ölreiche Region wird von Kurden und Arabern beansprucht. Ein Referendum steht noch aus, ob Kirkuk der direkten Herrschaft Bagdads oder der Regionalregierung von Kurdistan unterstehen soll.

Obwohl vorläufige Ergebnisse der Provinzwahlen in Kürze erwartet werden, wird mit den Endergebnissen nicht vor Ende Februar gerechnet. Nach UN-Quellen nahmen an den Wahlen vom 31. Januar mehr als die Hälfte der 15 Millionen Wahlberechtigten des Landes teil.

So können Sie die Christen im Irak unterstützen:

9.Feb 2009 14:02 · aktualisiert: 23.Mrz 2015 10:04
KIN / S. Stein