Ihre Treue gibt den Menschen Mut

Die Benediktinerinnen in Zarevbrod / Bulgarien

Zwei Benediktinerinnen der Kommunität in Zarevbrod.

Zwei Benediktinerinnen der Kommunität in Zarevbrod.

Es geht um den Einbau einer neuen Heizung – ein banaler Vorgang. Aber für die Geschichte der Missions-Benediktinerinnen in Zarevbrod in Bulgarien hat diese Heizung symbolischen Wert. Sie markiert das Ende einer langen Leidenszeit.

Als die Kommunisten im September 1944 die Macht in Bulgarien übernahmen, wurde das Kloster der Benediktinerinnen mit dem dazugehörigen Kindergarten, Waisenhaus und der Schule geschlossen. Die deutschen Schwestern der Kommunität wurden inhaftiert und später ausgewiesen.

1952 wurde das ehemalige Kloster in ein psychiatrisches Krankenhaus umfunktioniert. Die verbliebenen Schwestern wurden zum Dienst in der Klinik verpflichtet und zum Wohnen auf dem kalten Dachboden ihres eigenen Hauses verwiesen. Ihr Bischof und drei weitere Priester wurden erschossen, andere Priester kamen in Todeslager. Die Schwestern harrten in ihrem Haus aus.

Kommunität mit zehn Ordensschwestern

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kehrte die Kirche aus ihren Katakomben zurück. Aber es dauerte noch einige “Dachbodenjahre”, bis der Staat einen Teil des Eigentums zurückgab.

Bis heute wird der größte Teil der Gebäude weiter von der Klinik benutzt. Die Schwestern leben in einem Flügel des großen Gebäudes. Bisher sind sie noch an das Heizungssystem der Klinik angeschlossen. Doch sie werden jetzt eine eigene Heizungsanlage bekommen.

“Wir haben vor niemandem Angst”

Es leben noch vier Schwestern aus der kommunistischen Zeit, insgesamt sind sie jetzt wieder zehn Frauen. Sie vollbringen keine Wunderwerke, aber ihre Präsenz und ihre Treue gibt den Menschen Mut. “Wir haben vor niemandem Angst”, sagt Oberin Beate Schröter, die mehr als zwanzig Jahre in Tansania und Brasilien in der Mission tätig war.

Für die Menschen da sein und menschliche Wärme weitergeben - so verstehen die Schwestern ihren Auftrag.

Für die Menschen da sein und menschliche Wärme weitergeben – so verstehen die Schwestern ihren Auftrag.

Die Menschen in der kleinen Stadt in Nordbulgarien sind den Schwestern sehr dankbar. Die Benediktinerinnen organisieren Einkehrtage und die Katechese, kümmern sich um alte und kranke Menschen, um alleinstehende Mütter und vor allem um die Jugend. Seit fünf Jahren bieten sie Sommerlager für Kinder an, auch für Straßenkinder.

Oberin Beate Schröter bei der Büroarbeit.

Oberin Beate Schröter bei der Büroarbeit.

“Es ist eine Freude zu sehen, wie gut und heilsam Liebe, Zuwendung und ein geordneter Tagesablauf auf die Kinder wirken”, stellt Mutter Beate fest. Anlässlich des Weltjugendtags luden sie die Jugendlichen ein, die Botschaften des Papstes live um drei Uhr nachts auf einer Leinwand im Haus neben der Klinik mitzuerleben.

Es sind die kleinen Verrücktheiten der Liebe, die die Schwestern von Zarevbrod zur Quelle menschlicher Wärme machen. Mutter Beate meint schlicht: “So verstehen wir unseren Auftrag: Instrument sein in der Hand Gottes, und da sein für die Anliegen der Menschen”. Auch das ist Mission.

18.Feb 2009 12:44 · aktualisiert: 17.Apr 2015 09:16
KIN / S. Stein