Katholiken in einem muslimischen Land

Kosovo: Eine Kirche für Mutter Teresa

Zum hundertsten Geburtstag der seligen Ordensfrau soll sie fertiggestellt sein

Dode Gjergji, Bischof von Prizren.

Dode Gjergji, Bischof von Prizren und dem gesamten Kosovo.

Jugendliche drängen sich auf der Straße. Auf der Fahrt von Prizren nach Pristina sieht man sie in fast jedem Ort. Der Kosovo ist jung: mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes ist jünger als 25 Jahre. Damit hat der junge Staat ein enormes Potenzial – und steht zugleich vor gewaltigen Herausforderungen.

Die Infrastruktur ist auch zehn Jahre nach dem Krieg unzureichend; fast jeder zweite Einwohner ist ohne Arbeit; Verwaltung und Bildungswesen sind im Aufbau. Zudem ist der Konflikt zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit nicht gelöst. “Und doch sind wir zuversichtlich”, sagt Dode Gjergji, Bischof von Prizren und dem gesamten Kosovo.

Ein Symbol des Aufbruchs und der Hoffnung

Der katholische Geistliche zeigt auf eine Großbaustelle im Herzen Pristinas und fügt hinzu: “Hier entsteht die Mutter-Teresa-Konkathedrale. Sie ist für viele ein Symbol des Aufbruchs und der Hoffnung – und das für Christen und Muslime.” Es sei kein Widerspruch, dass der Kosovo zu 95 Prozent muslimisch sei und im Herzen der Hauptstadt eine katholische Kirche gebaut werde.

Die Moschee in Pristina. 95 Prozent der Kosovaren sind Muslime.

Die Moschee in Pristina. 95 Prozent der Kosovaren sind Muslime.

Bereits Ibrahim Rugova, der erste Präsident des Kosovo, habe die Katholiken ermuntert, in der Hauptstadt ein repräsentatives Gotteshaus zu errichten, erklärt der Bischof. Der Politiker wurde 2001 nach einer von den Vereinten Nationen ausgerichteten Wahl zum Präsidenten ernannt; er starb im Januar 2006.

Fundament und Untergeschoss stehen schon

Der von den Kosovaren als “Vater der Nation” verehrte Rugova, ein Muslim, setzte sich dafür ein, dass den Christen in zentraler Lage ein Grundstück zur Verfügung gestellt wurde. Für Rugova war das offenbar mehr als eine Geste, den Wiederaufbau gemeinsam meistern zu wollen. “Für ihn gehörte zur Hauptstadt einfach eine Kathedrale”, so Gjergji.

Inzwischen ist der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Fundament und Untergeschoss stehen. Auf rund 6200 Quadratmetern entsteht unter der Kirche ein Sozial- und Begegnungszentrum.

Bischof Dode Gjergji zeigt stolz auf die Kirche, die im Herzen Pristinas gebaut wird.

Bischof Dode Gjergji zeigt stolz auf die Kirche, die im Herzen Pristinas gebaut wird.

Beim Gang über die Baustelle zeigt der Bischof stolz die Räume, deren Ausmaße sich bereits erahnen lassen: “Hier ist künftig für alle Platz, ob Christ oder Muslim, ob katholisch oder orthodox.” Schon jetzt stehe die katholische Kirche für die Bedürftigen ein, etwa mit täglichen Armenspeisungen in der bisher einzigen katholischen Pfarrei in Pristina, durch die Arbeit der Caritas oder die Berufsschule “Quendra Sociale Edukative Don Bosko” der Salesianer, die jungen Kosovaren eine Ausbildung bietet.

Im kommenden Jahr soll die Kirche fertig sein

Das Sozial- und Begegnungszentrum nimmt Konturen an. Es steht unweit der Universität von Pristina. Darüber wird ein Gotteshaus von stattlicher Größe errichtet. Zwei schlanke Türme sollen dem Gebäude ein unverwechselbares Aussehen geben. Der von Bischof Gjergjis Vorgänger, Marko Sopi, begonnene Bau soll bis 2010 stehen.

Dann fügt der Bischof entschlossen hinzu: “Ich baue seit 18 Jahren. Und was wir in Albanien geschafft haben, das schaffen wir auch hier.” Als Bischof der albanischen Diözese Sapa hatte Dode Gjergji nicht nur dieses Bistum aufgebaut, sondern auch die Kathedrale in Vau Dejes. Zudem errichtete er das erste kontemplative Kloster von Karmelitinnen in Albanien.

Religionsunterricht in einer Schule in Pristina.

Religionsunterricht in einer Schule in Pristina.

In Pristina steht der emsige Gottesmann vor einer größeren Aufgabe: Die Kirche, die den Namen von Mutter Teresa tragen wird, soll zum hundertsten Geburtstag der seligen Ordensfrau und Friedensnobelpreisträgerin am 27. August 2010 zumindest im Rohbau stehen.

Kosovo ist kleiner als Schleswig-Holstein

Für die Katholiken im Kosovo ist das Projekt eine echte Herausforderung. Im Land, das nicht einmal so groß ist wie Schleswig-Holstein, leben nur 65 000 Gläubige. Hinzu kommen die katholischen Kosovo-Albaner im Ausland; allein in Deutschland sind es rund 10 000. Auf ihre Spenden hofft Bischof Gjergji. Mehr als 1,3 Millionen Euro sollen sie beisteuern, rund ein Viertel der Gesamtkosten.

Mutter-Teresa-Statue in Pristina.

Mutter-Teresa-Statue in Pristina.

Auch KIRCHE IN NOT unterstützt den Kirchenbau. In Albanien haben wir bereits den Klosterbau und den Kathedralbau gefördert. Für die Mutter-Teresa-Konkathedrale sind erste Mittel geflossen. Doch weitere Hilfen sind notwendig.

Viel Arbeit wartet folglich auf Bischof Gjergji – als Bauherr wie als Seelsorger: “Die Menschen hier haben schlimme Zeiten hinter sich. Jetzt fragen sie nach Gott.” Das ist bei Muslimen so wie bei Christen.

“Zu uns kommen viele, vor allem junge Kosovaren, auch Muslime. Ihnen wollen wir Rede und Antwort stehen. Das ist unser ganz konkreter Dienst an der Versöhnung.”

Fotos: Reinhard Backes

2.Mrz 2009 19:36 · aktualisiert: 3.Mrz 2009 09:01
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