Weltgebetstag der Frauen

Edle Traditionen und christliche Prinzipien

Papua-Neuguinea ist das diesjährige Partnerland der Aktion

Frauen aus Papua-Neuguinea in traditioneller Kleidung mit der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Frauen in traditioneller Kleidung mit der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Am ersten Freitag im März wird der Weltgebetstag der Frauen begangen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Aktion steht Papua-Neuguinea. Aus dem überwiegend christlich geprägten Land in Ostasien erhalten wir immer wieder Hilfegesuche. Unter anderem haben wir dort im vergangenen Jahr Seminaristen und Ordensfrauen unterstützt.

Die christlichen Kirchen betreiben in Papua-Neuguinea Einrichtungen für Bildung und in der Gesundheitsfürsorge. Auch wenn sie grundsätzlich staatliche und finanzielle Unterstützung erhalten, so sind sie doch auf Spenden angewiesen.

Hin und wieder muss eine Schule oder eine Klinik vorübergehend schließen, wenn die öffentlichen Gelder nicht mehr ausreichen. Aufgrund der finanziell angespannten Lage der Regierung kommt das leider wiederholt vor.

Steyler Missionare seit über 100 Jahren vor Ort

Laut Francesco Sarego, Bischof von Goroka, werden 70 Prozent sämtlicher Bildungsangebote von christlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Aber auch im Medienbereich sind die Kirchen aktiv.

Die Steyler Missionare betreiben in der Stadt Madang eine eigene Hochschule, die Göttliches-Wort-Universität. Seit 1896 ist der Orden in Papua-Neuguinea tätig, sie waren damals die ersten katholischen Missionare im Land.

Traditioneller Tanz in Papua-Neuguinea.

Traditioneller Tanz in Papua-Neuguinea.

Von 1989 bis 1999 herrschte in der Region um Bougainville im Osten des Landes ein bürgerkriegsähnlicher Konflikt, bei dem 15 000 Menschen ums Leben kamen. Auslöser war die Unzufriedenheit der Menschen der Region über die Regierung. Die Erträge einer großen Gold- und Kupfermine wurden für das gesamte Land Papua-Neuguinea ausgegeben. Die Menschen um Bougainville fühlten sich benachteiligt und wollten einen größeren Anteil daran haben.

Indigene Frau aus Papua-Neuguinea.

Indigene Frau aus Papua-Neuguinea.

Außerdem war die Verteilung der Erträge ungerecht: einige wurden sehr reich, der andere Teil der Bevölkerung beanspruchte mehr, weil sie sich als rechtmäßiger Eigentümer des Grunds und Bodens verstanden, auf dem die Mine stand. Erst 2002 kam es zu einem Friedensabkommen.

Kirchliche Einrichtungen und Gebäude sowie die Infrastruktur haben unter dieser Auseinandersetzung besonders gelitten. Gleichzeitig ist allerdings die Anzahl der Priesteramtskandidaten gestiegen.

In einer ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Ostküste hat das Bistum Bougainville einen Platz für die Ausbildung junger Priester gefunden. Leider wurde die Straße, die dorthin führte, bei dem langjährigen Konflikt zerstört. Daher kann das Seminar zurzeit nur mit dem Boot erreicht werden.

Erzbischof Karl Hesse bei unserem Kongress "Treffpunkt Weltkirche" in Augsburg 2006.

Erzbischof Karl Hesse war Gast bei unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2006.

Vor 43 Jahren kam Karl Hesse, Mitglied des Ordens der Missionare vom heiligsten Herzen Jesu, nach Papua-Neuguinea. Der gebürtige Sauerländer war auch Gast bei unserem Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2006 in Augsburg.

Heute ist er Erzbischof in Rabaul auf der Insel Neubritannien. In einem Interview mit KIRCHE IN NOT sagte er, dass die Verfassung des Landes auf zwei Fundamenten stehe: Tradition und Christentum.

Mit Tradition sind die Überlieferungen der vielen Völkergruppen im Land gemeint. Dazu zählten auch Ahnenkult und Geisterglaube, ergänzt Erzbischof Hesse. Insgesamt gibt es rund 800 Ethnien mit fast ebenso vielen Sprachen. “Christliche Prinzipien” sind ebenso wie “edle Traditionen” in der Präambel der Verfassung des Landes festgeschrieben.

Tänze und Trommeln im Gottesdienst

Von den 5,7 Millionen Einwohner sind etwa 95 Prozent christlich, ein Drittel davon katholisch. In der Diözese Rabaul sind es sogar 55 Prozent. Bei der christlichen Missionierung wurde auch auf die Inkulturation, also die Aufnahme von Eigenarten der Kultur, geachtet.

So ist es heute selbstverständlich, dass Tänze und Trommeln bei einem Gottesdienst vorkommen. Viele Frauen engagieren sich für die Kirche. Bei Versammlungen der Frauenbewegungen in Papua-Neuguinea kämen bis zu 4000 Frauen zusammen, berichtet Erzbischof Hesse.

Frauen bei einer Gesangsprobe.

Frauen bei einer Gesangsprobe.

Seiner Meinung nach gibt es drei besonders dringende Herausforderungen für die Kirche. Zum einen wolle man mehr indigene Menschen ausbilden, damit sie Führungsaufgaben übernehmen können.

Arbeitslosigkeit und Kriminaltität

“Wir leiden darunter, dass wir keine große Zahl von Führungskräften im Land haben. Aber die Umsetzung braucht Erfahrung – und die muss erst noch gemacht werden”, sagte der Erzbischof. Eine weitere Herausforderung sei die große Arbeitslosigkeit. Besonders in den großen Städten führe sie zu hoher Kriminalität.

In den letzten Jahren ist das Thema AIDS präsenter geworden. Jeden Tag infizieren sich mehr Menschen mit dem HIV-Virus oder sterben an AIDS. Scheinbar habe sich der Virus in Papua-Neuguinea unter den Staaten im pazifischen Raum am schnellsten ausgebreitet. “Wenn sich der Trend nicht ändert, haben wir bald afrikanische Verhältnisse in Papua-Neuguinea”, so der Erzbischof wörtlich.

6.Mrz 2009 09:13 · aktualisiert: 6.Mrz 2009 09:49
KIN / S. Stein