Ein Ort der Begegnung in Lourdes

Das Haus für Pilgernde von KIRCHE IN NOT in Bernadette Soubirous’ Heimatort

Das Haus von KIRCHE IN NOT in Lourdes.

Das Haus von KIRCHE IN NOT in Lourdes.

Am 16. April ist der Gedenktag von Bernadette Soubirous. Vor 130 Jahren ist sie im zentralfranzösischen Nevers in einem Kloster gestorben. Doch ihr Name ist vor allem mit dem französischen Pyrenäenort Lourdes verbunden.

Bernadette kam dort am 7. Januar 1844 als Tochter eines armen Müllers auf die Welt. Kurz nach ihrem 14. Geburtstag geschah etwas, das Bernadettes Leben und ihr Heimatdorf für immer verändern sollte: Als sie Holz sammelte, erschien ihr in einer Grotte eine Frau in einer goldschimmernden Wolke. Dieser Vision sollten noch 16 weitere folgen.

Bernadette war zunächst unklar, wer die Gestalt in ihrer Erscheinung sein sollte, sie nannte sie nur ehrfurchtsvoll “die Dame”. Von der ersten Vision an hatte diese “Dame” eine Bitte an Bernadette: Das Mädchen solle ihr eine Kirche nahe bei der Grotte bauen lassen und Prozessionen zu diesem Ort abhalten.

Anfangs glaubte ihr niemand

In einer zweiten Erscheinung forderte die “Dame” Bernadette auf, in der Grotte zu trinken. Da darin kein Wasser war, grub Bernadette in der Erde. Plötzlich entsprang an der Stelle klares Wasser. Die “Dame” offenbarte ihr, dass diese Quelle große Heilkraft besäße.

Die Grotte in Lourdes.

Die berühmte Grotte Massabielle mit einer Marienfigur.

Bernadette vertraute ihre Visionen den Eltern an und stieß auf Ablehnung: Vater und Mutter nannten sie eine Lügnerin, und auch der Pfarrer von Lourdes war skeptisch. Es begann ein Spießrutenlauf, der sich für Bernadette ihr ganzes Leben lang fortsetzen sollte – selbst dann noch, als die von der “Dame” gewünschte Kirche längst gebaut worden war.

Am 16. Juli 1858 erlebte Bernadette ihre letzte Erscheinung. In dieser Vision stellte sich die “Dame” als die “unbefleckt Empfangene” vor. Bernadette erkannte sie so zum ersten Mal als die Gottesmutter Maria.

1866 verließ Bernadette ihre Heimat und schloss sich den Barmherzigen Schwestern im Kloster in Nevers-sur-Loire in Zentralfrankreich an. Ein Jahr später legte sie ihre Gelübde ab und erhielt den Ordensnamen Marie Bernard. Mit ihrem Eintritt in den Orden war die Auflage verbunden, nicht mehr über ihre Visionen zu reden – und Bernadette hielt sich daran. Sie starb im Alter von nur 35 Jahren.

Heute pilgern jährlich sechs Millionen Menschen nach Lourdes. In dem französischen Wallfahrtsort gibt es auch ein Haus von KIRCHE IN NOT. Dort können Pilgernde auch übernachten.

Das Pilgerhaus von KIRCHE IN NOT

Das Haus wird seit siebzehn Jahren von Brigitte Wibaux geführt, eine gleichermaßen zierliche wie herzliche Französin aus dem Norden des Landes, nahe der Grenze zu Belgien. Sie wohnt seit 23 Jahren in Lourdes, wo sie zunächst eine lahme Frau gepflegt hat, bis diese verstarb.

Ihren Angaben zufolge habe der Herr ihr den Weg zu KIRCHE IN NOT gewiesen, als sie noch am Todesabend ihrer Freundin von einer Bekannten erfuhr, dass eine Betreuerin für das Haus von KIRCHE IN NOT in der Rue de l’Egalité gesucht werde. “Es ist wichtig, dass eine Frau dahin kommt”, habe es geheißen.

Die fürsorgliche wie unbürokratische Art, mit der Brigitte ihre Gäste empfängt, ist inzwischen kennzeichnend für das Haus. Sie bezieht deren Betten frisch, kocht zweimal täglich warm für sie und versorgt sie, während die Gäste reichlich Reis, Kartoffelpüree und Gemüse essen, auch noch mit Pilger-Informationen.

Pension und Informationszentrum

Das Haus ist eigentlich ein Informationszentrum: Auf einem Schriftenstand im Eingang finden sich mehrere Sprachausgaben der Kinderbibel, neben französischen Informationen über Pater Werenfried van Straaten. Über allem, auf dem obersten Regalbrett, liegt aufgeschlagen ein schlichtes Evangeliar in amharischer Sprache, die in Äthiopien gesprochen wird.

Die kleine Hauskapelle.

Die kleine Hauskapelle im Pilgerhaus von KIRCHE IN NOT.

Von morgens um acht Uhr bis abends zwischen 21 und 22 Uhr haben Besucher freien Zugang zum Empfang, neben dem sich ein kleiner Versammlungsraum mit Sitzungstischen und einem alten Fernseher mit Videoanschluss befindet. Dort besteht die Möglichkeit, Filme über die Arbeit des Hilfswerks, etwa über das Kirchenschiff auf der Wolga, zu sehen.

Priester und Schwestern besuchen das Haus ebenso wie Pilger aus der ganzen Welt. “Dies ist ein Ort der Begegnung, die Leute lernen sich hier kennen, sprechen und beten miteinander”, sagt Brigitte. “Es ist ein Gebet für die ganze Welt”, fährt sie fort und öffnet dabei ihr Gästebuch.

Eintragungen von Besuchern aus den USA, Mexiko, Chile, Benin, Kamerun, Kongo und Madagaskar wechseln sich ab mit solchen aus Thailand, Indien, Indonesien, aber sogar auch Vietnam und China.

“Über letztere bitte ich Stillschweigen zu bewahren”, sagt Brigitte, “damit sie keine Schwierigkeiten in ihrer Heimat bekommen.” Natürlich kommen viele Gäste aus ganz Europa, und auch aus Frankreich selbst.

Manche kämen jedes Jahr nach Lourdes. Sie kommen und bitten um Gebet oder wollen einfach über den Glauben, innere oder familiäre Probleme sprechen. “Jeder kann mit seinen Sorgen kommen, wir sind dafür offen, sogar im Winter, wenn viele Pilgerhäuser geschlossen haben”, sagt Brigitte mit ihrer ruhigen Stimme. “Wir sind hier wie eine große Familie.”

Herzstück ist die Kapelle

Unter den französischen Besucherinnen und Besuchern seien auch viele Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT in Paris, die mit ihren Ehepartnern und Kindern angereist kämen. Ebenso schauen auch gerne Freunde und Wohltäter in dem Haus Nummer 10 in der Rue de l’Egalité vorbei.

Zweimal bereits hat Brigitte einen Papstbesuch in dem berühmten Wallfahrtsort miterlebt: “Wenn so ein Besuch anstand, war das ganze Jahr besonders, mit viel mehr Gästen als sonst schon”, weiß Brigitte zu erzählen.

Das eigentliche Herzstück des Hauses ist nicht die gemütliche Küche, bei der sich um 12 Uhr mittags und um 19 Uhr die Hausgäste treffen und gemeinsam speisen, sondern die kleine Kapelle aus hellem Holz im ersten Stock. Sie ist sehr schlicht.

Den Fuß des Altars ziert eine Schwarz-Weiß-Kopie eines Bildes, auf das Brigitte Wibaux besonders hinweist. Es zeigt die Muttergottes im Kindesalter – ein Bild, dem sogar eine wundersame Wirkung nachgesagt wird.

Die Adresse des Hauses in Lourdes:

Adresse:
Aide à l`Èglise en Détresse
10, rue de l` Egalité
F-65100 LOURDES
Tel.: 00 33 – 5 62 94 05 30
France

 

Schlagworte:
Frankreich · Lourdes · Wallfahrt
16.Apr 2009 09:13 · aktualisiert: 17.Apr 2015 10:36
KIN / S. Stein