Zum bevorstehenden Jahr des Priestertums

“Wir brauchen gute, solide Priester”

Gebet, Vorbilder und Familie sind das Fundament für Berufungen

Marco Antonio Cortez Lara, Bischof von Tacna und Moquegua.

Marco Antonio Cortez Lara, Bischof von Tacna und Moquegua.

“Am 15. August 2007 um 18.41 Uhr bebte die Erde. Wir waren plötzlich ohne Strom, ohne Wasser, ohne Dach.” Pater Santiago erinnert sich an den Moment, als sei er gerade passiert. Das hatte er in all den Jahren, die er als Pfarrer in Peru in der Diözese Ica arbeitete, noch nicht erlebt.

Da zeigte sich, was ein Priester für die Menschen in dieser armen Gegend ist. “Sie brachten uns zu ihren Toten, so viele starben in meinen Armen – mit dem Segen, den ihre Verwandten von uns erflehten.” – “Wir waren die Hoffnung für sie”, ergänzt der Bischof der Diözese, Hector Eduardo Vera Colona, “sie baten uns, die Kirche wieder aufzubauen.”

Warum die Kirche und nicht ihre Häuser, habe er sie gefragt. Ihre Antwort: “Weil wir einen Ort brauchen zum Beten.” Das Gebet würde ihnen die Häuser bringen. “Wichtiger war ihnen das Gemeinsame, sie sahen die Kirche als ersten Ort der Solidarität.”

Der Süden des Landes war erschüttert. Wie bei Jericho fielen die Mauern um das Priesterseminar der Diözese zusammen. Das Seminar selbst war beschädigt, blieb aber stehen. Es füllte sich mit Opfern des Bebens und mit Momenten des Betens. Das Beten blieb: die Seminaristen werden mehr. In keinem Land Südamerikas gibt es so wenige Geistliche wie in Peru und Bolivien. In Ica bessert sich die Lage.

Persönliche Betreuung und geistliche Begleitung

Auch in der Diözese Tacna,  weiter im Süden an der Grenze zu Chile. “In den 70er- und 80er-Jahren gab es eine Tendenz zur Säkularisierung”, meint Bischof Marco Antonio Cortez Lara. Das habe sich geändert.

“Es geht heute auch nicht mehr darum, die Seminare zu füllen, sondern die Herzen der jungen Männer mit Christus. Ich habe 29 Seminare, denn jeder Seminarist ist für mich wie ein ganzes Seminar.” Die persönliche Betreuung und geistliche Begleitung sei das Fundament der Ausbildung. Sie trägt Früchte.

Ein Priester tröstet nach dem Erdbeben eine alte Frau.

Ein Priester tröstet nach dem Erdbeben eine alte Frau.

Früher wurden von den ersten Jahrgängen des Studiums in manchen Seminaren Perus etwa 60 Prozent geweiht, heute sind es 90 Prozent. “Wir brauchen gute, solide Priester”, sagt Bischof Hector, die Gesellschaft habe sich geändert, “sie liegt wie nach einem Erdbeben geistlich in Trümmern.”

Anders als früher müsse der Priester “heute Salz der Erde sein, muss er den Herausforderungen der Gesellschaft begegnen und sie umwandeln – mit der Liebe Christi”. Dafür bitten sie uns um Hilfe. Für die Ausbildung der jungen Männer, Bücher und halbwegs erdbebensichere Seminare.

Junge Priesterseminaristen in Peru.

Junge Priesterseminaristen in Peru.

Die zwei Bischöfe kennen sich seit der Jugend. Sie waren Messdiener und hatten ein Vorbild: Den Priester ihrer Gemeinde. Er hieß Angel Rieiro. Er starb an Krebs. Die letzten zwei qualvollen Jahre opferte er auf für Berufungen. Er habe sie nie bedrängt. Aber er habe immer gebetet. Heute ist für sie ganz klar: Der erste Schritt für neue Berufungen ist das Gebet.

Der zweite richtet sich an die Bischöfe selbst: Sie müssen sich intensiv um ihre Priester kümmern. Und der dritte gilt den Familien. “Ohne solide christliche Familien gibt es keine Berufungen.” Sie bitten die Familien in den Diözesen um das Gebet, sie intensivieren die Katechese, sie stützen sich auf die Mitarbeit der Laien. Es sind arme Familien und “doch so reich, weil sie die Liebe haben. Solange wir um die Eucharistie, um die Liebe versammelt sind, solange kann uns nichts erschüttern.”

15.Mai 2009 15:59 · aktualisiert: 25.Mai 2009 09:26
KIN / S. Stein