Kirche in Tarsus bleibt geöffnet

Sondererlaubnis für Gottesdienste besteht auch nach dem Paulusjahr

Die Kirche in Tarsus.

Die Kirche in Tarsus, dem Geburtstort des heiligen Paulus.

Eine gute Nachricht aus der Türkei: Die bisher als Museum genutzte Kirche in der türkischen Stadt Tarsus bleibt auch nach Ende des Paulusjahres für christliche Pilger zum Gebet und zum Gottesdienst geöffnet. Das hat der Apostolische Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT bestätigt.

Ursprünglich galt die Sondererlaubnis, dass in der Kirche christliche Gebetszeiten und Gottesdienste stattfinden, nur für die Dauer des Paulusjahres. Diese Regelung wurde nun von der türkischen Regierung auf unbestimmte Zeit verlängert. Die endgültige Entscheidung obliegt den Behörden in Tarsus.

Der Bischof zeigte sich zuversichtlich, dass die Kirche von Tarsus sich schon bald von einem Museum zu einem spirituellen Pilgerzentrum wandeln könne.

Die Stadt Tarsus hatte im Paulusjahr eine Rekordzahl an christlichen Pilgern empfangen. Nach Informationen von Bischof Padovese hätten 416 Pilgergruppen aus 30 Nationen während des Paulusjahres die Geburtsstätte des Völkerapostels besucht. Das Paulusjahr war im Jahr 2008 zum Gedenken an den heiligen Paulus von Papst Benedikt XVI. ausgerufen worden. Am vergangenen Montag ging es mit feierlichen Gottesdiensten an bedeutenden Orten zu Ende.

Der Eingang der Kirche in Tarsus.

Der Eingang der Kirche in Tarsus.

Der Bischof sagte weiter, zum ersten Mal hätten türkische Muslime die Christen in diesem Jahr nicht als Touristen, sondern als betende Pilger erlebt. Das habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Erstmalig sei sichtbar geworden, dass der heilige Paulus in Tarsus verehrt werde und dass die Christen seinen Geburtsort nicht nur als ein Museum betrachteten, betonte Padovese.

Die ehemalige Kirche von Tarsus war 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt worden und wurde bis zum Paulusjahr zuletzt ausschließlich als Museum genutzt. Durch die neuen Entwicklungen sei vorerst garantiert, dass Christen auch nach Ende des Paulusjahres weiter nach Tarsus pilgern könnten und dort in der Kirche beten und Gottesdienst feiern dürften.

Der Paulusbrunnen in Tarsus. Der Überlieferung nach soll der Völkerapostel aus diesem Brunnen getrunken haben.

Der Paulusbrunnen in Tarsus. Der Überlieferung nach soll Paulus daraus getrunken haben.

Der Bischof rief die Christen in Europa dazu auf, diesem Anliegen weiterhin durch ihre Stimme Nachdruck zu verleihen. In der Türkei könne oft von außen mehr erreicht werden als von innen, sagte Bischof Padovese. Ein gewisser öffentlicher Druck sei hilfreich, aber nur wenn er aus der Liebe zur Türkei und aus dem echten Wunsch herrühre, dass im Land mehr Religionsfreiheit herrschen solle.

In diesem Zusammenhang dankte der Bischof dem deutschen Botschafter Eckart Cuntz und dem Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, für deren Engagement für eine Kirche in Tarsus.

Die größten Probleme für die Christen in der Türkei sieht Bischof Padovese weiterhin in der fehlenden Möglichkeit zur Priesterausbildung im Land. Er sagte, eine Zukunft der Kirche könne es nur geben, wenn ihr im Zuge einer verbesserten Religionsfreiheit gestattet werde, eigene Priesterseminare zu eröffnen und zu unterhalten. Auf lange Sicht müsse es auch in der Türkei möglich sein, Priester im eigenen Land auszubilden, forderte Padovese abschließend.

CD-Tipp: Bischof Luigi Padovese blickt auf Paulusjahr zurück

Am Sonntag, 28. Juni, war in unserer Sendung “Weltkirche aktuell” der frühere Apostolische Vikar von Anatolien und Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Bischof Luigi Padovese († 2010), zu Gast.

Die Sendung können Sie als Hör-CD unentgeltlich bei uns bestellen oder in unserer Medienbox anhören.

30.Jun 2009 14:52 · aktualisiert: 21.Jul 2015 11:32
KIN / S. Stein