In Honduras droht ein Bürgerkrieg

Aufruf zum solidarischen Gebet für das mittelamerikanische Land

Die Kirche "Virgen del Rosario" in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras.

Die Kirche “Virgen del Rosario” in der Hauptsadt Tegucigalpa.

In Honduras droht im Fall einer Rückkehr des entmachteten Präsidenten Manuel Zelaya ein Bürgerkrieg. Diese Befürchtung übermittelten uns gut unterrichtete Kreise, die wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen können.

Zurzeit gebe es zwar nur einige wenige gewalttätige Ausschreitungen von Seiten der Anhänger Präsident Zelayas. Diese Unruhen würden aber von der neosozialistischen Regierung Venezuelas unter Hugo Chavez organisiert und unterstützt. Niemand könne sagen, wie sich die Lage nach der geplanten Rückkehr des abgesetzten Präsidenten entwickle.

Daher rufen wir alle Gläubigen zum Gebet für das mittelamerikanische Land auf und bitten darum, nicht die Augen vor dem Geschehen in Honduras zu verschließen.

Präsident hat undemokratisch gehandelt

Zu den Ereignissen vom 28. Juni heißt es aus Honduras, man könne nicht von einem Militärputsch sprechen. Das Militär habe Präsident Zelaya nur auf Anordnung des Parlaments und des Obersten Gerichtshofs des Landes seines Amtes enthoben und nach Costa Rica gebracht.

Die Bischofskonferenz von Honduras fordert eine genaue Untersuchung über die Umstände Zelayas unfreiwilliger Ausreise. “Wir glauben, dass wir alle eine Erklärung verdienen, für das, was am 28. Juni geschah”, so die Bischöfe. Statt ihn außer Landes zu bringen, hätte Zelaya besser in Honduras vor ein Gericht gestellt werden sollen, um internationale Missverständnisse zu vermeiden, so die Einschätzungen unserer Quellen.

Zelaya habe hingegen undemokratisch gehandelt, da er mit seinen Plänen für eine illegale Volksbefragung einen Putsch gegen die Verfassung geplant habe, erklären unsere Informanten die Hintergründe.

In Honduras leben Schätzungen zufolge etwa drei Viertel der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze.

In Honduras leben Schätzungen zufolge etwa drei Viertel der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze.

Bei der geplanten Volksbefragung war es Zelaya um eine Verfassungsänderung zur Verlängerung seiner Amtszeit gegangen. Das Mandat des Präsidenten läuft in wenigen Monaten aus, eine direkte Wiederwahl sieht die Verfassung nicht vor. Trotz eines Verbots des Obersten Gerichtshofs hielt Zelaya an der Volksbefragung fest, die diese Wiederwahl in die Verfassung aufnehmen sollte.

Nur das schnelle Handeln des Parlaments und des obersten Gerichts habe verhindert, dass in Honduras ein System nach dem Vorbild Venezuelas eingeführt worden sei. Bereits einen Tag später wäre es für ein solches Eingreifen bereits zu spät gewesen, schätzen unsere Informanten.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte sich nach Zelayas Ausweisung hinter den abgesetzten Präsidenten gestellt und Honduras ein 72-Stunden-Ultimatum für seine Rückkehr gesetzt, das am Samstag abgelaufen ist. Die OAS hat Honduras derweil aus dem Verbund ausgeschlossen. Andere Quellen sprechen davon, dass die Übergangsregierung von sich aus den Austritt erklärte.

Rückkehr des abgesetzten Präsidenten gescheitert

Die Bischöfe sprachen sich gegen eventuelle Sanktionen der OAS oder der internationalen Staatengemeinschaft gegen Honduras aus. “Wir unterstreichen das Recht, unser eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, ohne Druck welcher Art auch immer”, heißt es in einer Erklärung der Bischöfe.

Die Staatengemeinschaft solle ihren Blick nicht nur auf den Sturz Zelayas richten, sondern auf alles, was sich in der Vergangenheit außerhalb der Legalität abgespielt habe. Boykotte, welcher Art auch immer, träfen nur die Ärmsten der Armen, zitiert die österreichische Presseagentur kathweb die Bischöfe.

Ursprünglich wollte der ehemalige Präsident Zelaya am Samstag nach Honduras zurückkehren. Als seine Maschine allerdings den Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa ansteuerte, blockierte die Armee die Start- und Landebahn. Zelaya flog daraufhin nach Nicaragua und anschließend nach El Salvador weiter.

2.Jul 2009 10:45 · aktualisiert: 7.Jul 2009 10:08
KIN / S. Stein