Ein Missionar am Amazonas

Porträt von Pater Gino Alberati auf unserer Sonder-DVD zum Priesterjahr

Pater Gino Alberti ist Missionar am Amazonas.

Pater Gino Alberati arbeitet seit vielen Jahren als Missionar am Amazonas.

Durch zerrüttete Regenwolken scheint die Abendsonne auf den Amazonas. Ein Schiff bahnt sich seinen Weg durch den von grünen Schlingpflanzen durchwucherten Fluss. Es erklingt eine Stimme, Gesang aus voller Kehle.

Doch es sind keine indianischen Klänge, die hier erklingen. “O sole mio!”, schallt eine unverkennbar italienische Stimme über das Wasser und scheucht einige Vögel auf.

Der kräftige Tenor gehört Pater Gino Alberati. Der Kapuziner ist Missionar am brasilianischen Amazonas und einer jener Priester, die wir mit einer Film-Dokumentation auf unserer Sonder-DVD zum Priesterjahr vorstellen.

Die Geschichte von Pater Gino ist es wert, erzählt zu werden. Schon mit neun Jahren wusste er, dass er Priester werden wollte. Als er Seminarist war, kam ein Missionar aus dem Amazonas und berichtete über seine Arbeit. Nach diesem Vortrag war für Pater Gino klar, dass es seine Bestimmung war, ebenfalls dort Missionar zu sein.

Doch er wollte seine Ordensoberen nicht beeinflussen und erwähnte diesen Wunsch darum nie. Wie groß war seine Freude, als sein Abt ihm schließlich seinen nie geäußerten Traum erfüllte. Pater Ginos Berufung brachte reiche Früchte: vierzehn Gemeinden und ein Priesterseminar hat er in seiner Zeit als Missionar gegründet.

Pater Gino beim Verlassen seines Bootes.

Pater Gino beim Verlassen seines Bootes.

Sein Ziel beschreibt der Kapuziner im Film so: “Ich habe im christlichen Leben eine echte Freiheit gefunden und möchte, dass meine Mitmenschen diesen Schatz auch finden. Er liegt in Gott und in der totalen Hingabe an ihn. Gott an erste Stelle zu setzen; einen Gott, der Liebe ist, bei dem wir das absolute Glück finden. Wo ich auch hingehe, ich möchte, dass die Menschen dieses Glück finden.”

Pater Gino ist ein Vorbild für alle Priesteramtsanwärter und eines von vielen Beispielen für ein mit Leib und Seele gelebtes Priestertum. Auf unserer DVD zum Priesterjahr stellen wir noch zwei weitere ähnlich beeindruckende Priesterbiografien vor: eine aus dem kargen Vulkanland Ruandas und eine weitere aus der russischen Großstadt Beresniki.

Oft führen nur schwer zugängliche Wege zu den Gemeinden, die Pater Gino im brasilianischen Urwald betreut.

Oft führen nur schmale Pfade zu den Gemeinden, die Pater Gino betreut.

Zweck dieser DVD ist es, den Blick der Gläubigen über das eigene Land hinaus auf die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen der Priester in der Weltkirche zu lenken. Diesen Blick wollen wir schon seit unserer Gründung verinnerlichen. Weltweit unterstützt KIRCHE IN NOT momentan jede sechste Priesterausbildung.

Das mag auch mit ein Grund dafür gewesen sein, dass wir von der Kleruskongregation damit beauftragt worden sind, ihre Broschüre, in der um das Gebet für Priester und Priesterberufungen geworben wird, in Deutschland zu verbreiten.

Eucharistische Anbetung zur Heiligung der Priester und geistige Mutterschaft”, so heißt diese Broschüre, die unentgeltlich über das deutsche Büro von KIRCHE IN NOT in München bezogen werden kann.

Das Anliegen, für heilige Priester und ihre Berufung zu beten, wurde von den Gläubigen freudig aufgenommen. In nur vier Wochen gingen über 10 000 Bestellungen bei Klaus Wundlechner ein, der die Aktion bei KIRCHE IN NOT betreut. “Diese gewaltige Nachfrage habe ich zwar erhofft, aber nicht erwartet”, freut er sich. “Es ist schön, dass wir mit diesem machtvollen Aufruf zum Gebet zu einem guten Gelingen des Priesterjahres beitragen können.”

Das Priesterjahr ist von Papst Benedikt XVI. am 19. Juni mit einer feierlichen Vesper eröffnet worden. Zu diesem Jahr inspiriert wurde der Heilige Vater vom 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars, Johannes Maria Vianney. Unter dem Leitwort “Treue in Christus, Treue des Priesters” will der Papst alle Katholiken dazu aufrufen, für die Berufung und Ausbildung von Geistlichen zu beten.

“Pater Gino redet wenig, dafür liebt er umso mehr”

Klaus Wundlechner hat dieses Anliegen herzlich gerne aufgegriffen. Er betont, “aus der weltweiten über sechzigjährigen Zusammenarbeit mit verfolgten, bedrängten und Not leidenden Christen in mehr als 130 Ländern weiß KIRCHE IN NOT um die Frucht und Notwendigkeit guter und heiliger Priester.”

Pater Gino würde sich selbst niemals als “heiligen Priester” bezeichnen. Dazu ist er zu demütig, zu bodenständig. Sein Bischof sagt über ihn: “Über Jahrhunderte haben Missionare am Amazonas viel gelehrt und geredet. Pater Gino redet wenig, dafür liebt er umso mehr.” Diese Liebe entspringt aus seiner Liebe zu Gott und aus der Kraftquelle des Gebets.

Wenn sein Schiff an einem Dorf mit indigener Bevölkerung anlegt, ist für die Menschen dort, unabhängig vom Wochentag, immer Sonntag. Dann feiert er die Heilige Messe und spendet die Sakramente – ein Dienst, für den er monatlich hunderte Kilometer auf dem Amazonas zurücklegen muss und der ihm ohne die Unterstützung aus dem Ausland kaum möglich wäre. Sein Boot haben ihm Wohltäter von KIRCHE IN NOT finanziert und für seine Gottesdienste bitten wir regelmäßig um Mess-Stipendien.

Gottesdienst auf dem Boot.

Gottesdienst auf dem Boot.

Diese Hilfen sind oft die einzige Lebensgrundlage für Priester in armen Ländern. Eine Kirchensteuer wie in Deutschland gibt es weltweit fast nirgendwo, daher leben die Pfarrer in vielen Ländern ganz oder teilweise von der Unterstützung ihrer Gläubigen.

Das Kirchenrecht bietet darum die Möglichkeit, dass Gläubige bei einem Priester eine Heilige Messe “bestellen” oder “stiften” können. Der Priester betet dann in der Messe für die Anliegen des Stifters. Schon ab fünf Euro hilft man so der weltweiten Seelsorge und bekommt dafür auch viel zurück.

Es ist ein Geben und Nehmen, das für Pater Gino ein Naturgesetz ist. Gutes kommt immer auf den zurück, der es spendet. “Ein Wohltäter, das ist jemand, der Gutes tut”, sagt er. “Und was geschieht, wenn jemand etwas von sich abgibt? Das bedeutet doch, dieser Mensch öffnet sich für die Not der anderen. Und nur mit offenem Herzen kann man auch empfangen. Wer viel gibt, der erhält auch immer etwas zurück.”

10.Jul 2009 11:03 · aktualisiert: 7.Okt 2009 16:25
KIN / S. Stein