Acht Christen in Pakistan ermordet

Bischof Joseph Coutts aus Faisalabad klagt die Polizei an

Bischof Joseph Coutts, Faisalabad

Bischof Joseph Coutts, Faisalabad

Nach den tödlichen Angriffen gegen Christen in der nordostpakistanischen Stadt Gojra am vergangenen Samstag (1. August) erhebt der Bischof von Faisalabad, Joseph Coutts, schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Diese habe die Christen nicht ausreichend beschützt. Bei den Unruhen waren acht Christen getötet worden, unter den Toten waren auch zwei Kinder.

Die Christen starben, als fast dreitausend aufgehetzte muslimische Fanatiker mit Stöcken und Schusswaffen bewaffnet das christliche Viertel von Gojra stürmten. Mehr als 20 Menschen wurden bei dem Überfall verletzt, über 50 Häuser und zwei Kirchen wurden in Brand gesteckt.

Bischof Joseph Coutts äußerte in einem Interview mit KIRCHE IN NOT seine Trauer über die Ereignisse und fürchtet nun, dass sich die Spirale der Gewalt weiter drehen könnte. Der Bischof sagte: “Die Gefühle kochen sehr hoch und keiner kann sagen, wie die Menschen reagieren. Es war ohne Zweifel einer der schlimmsten Angriffe, die ich in meiner Diözese bisher erlebt habe.” Er habe zwar Überfälle mit Plünderungen und Brandschatzungen erlebt – es sei jedoch noch nie ein Christ bei solchen Ausschreitungen getötet worden.

Polizei ging nur “halbherzig” gegen die Gewalttäter vor

Bischof Coutts klagte gegenüber KIRCHE IN NOT darüber, dass es die örtlichen Behörden versäumt hätten, gegen die Ursachen der Gewaltausbrüche vorzugehen. Die Ausschreitungen hätten sich für jedermann sichtbar bereits seit längerem angebahnt, sagte der Bischof. Als die Angriffe dann ausgeführt wurden, sei die Polizei erst viel zu spät und nur “halbherzig” gegen die Gewalttäter vorgegangen. “Im Nachhinein erhalten wir nun von den Behörden Beileidsbekundungen, Entschuldigungen und Versprechungen für eine bessere Zukunft”, berichtet Bischof Coutts, “was wir aber wirklich bräuchten, wäre angemessener Schutz und Vorkehrungen, damit so etwas nicht noch einmal geschieht.”

Der Anlass der Gewalt: Kinder zerrissen ein altes Schulbuch

Hinter den Angriffen stecke nach Aussage von Bischof Coutts eine militante Islamistengruppierung, die Pakistan “von Christen säubern” wolle. Vordergründiger Anlass für die Ausschreitungen seien Berichte gewesen, nach denen christliche Kinder Teile eines alten Schulbuchs mit Koranversen zerrissen hätten, um daraus Konfetti für eine Hochzeit zu machen.

Der vordergründige Grund für die Gewalt: Kinder zerrissen ein altes Schulbuch

Der vordergründige Grund für die Gewalt: Kinder zerrissen ein altes Schulbuch

Dieser Bericht über eine angebliche Schmähung des Koran habe bereits am Donnerstag (30. Juli 2009) dazu geführt, dass in einem Dorf nahe Gojra aufgebrachte Islamisten über 80 Häuser von Christen sowie zwei kleine protestantische Kirchen geplündert hätten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten die Behörden entschlossen reagieren und die Gewalt stoppen müssen, stellt Bischof Coutts fest. Als Zeichen der Hoffnung wertete der Bischof allerdings die große Anteilnahme der meisten muslimischen Führer in seiner Diözese und betonte, für ihn sei gerade nach solchen Ereignissen die interreligiöse Zusammenarbeit mit den gemäßigten Muslimen Pakistans unverzichtbar.

Schlagworte:

Aktuelle Meldungen · Bischof Coutts · Christen · Christenverfolgung · Faisalabad · Fundamentalisten · Islam · Pakistan · Verfolgung

4.Aug.2009 09:34 Uhr · aktualisiert: 27.Jul.2010 13:42 UhrKIN / A. Stiefenhofer

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