Das Vorbild der Priester beeindruckt Muslime

Bischof Ignace Bessi Dogbo von der Elfenbeinküste besuchte KIRCHE IN NOT

Bischof Ignace Bessi Dogbo bei seinem Besuch in unserem Büro.

Bischof Ignace Bessi Dogbo bei seinem Besuch in unserem Büro.

Bei seinem Besuch in unserem Büro in München berichtete Bischof Ignace Bessi Dogbo von Katiola im Nordosten der Elfenbeinküste, dass das Vorbild der katholischen Priester während des fünfjährigen Bürgerkrieges in seinem Heimatland  zur Versöhnung im Land beigetragen hat.

Nach Ausbruch des Krieges im Jahr 2002 sind in seiner Diözese die meisten Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung in den Süden geflohen. Die Priester aber waren bis zum Ende des Bürgerkrieges vor zwei Jahren die Einzigen, die in den Städten und Dörfern bei den Menschen blieben und ausnahmslos allen geholfen haben.

Dieses Zeugnis der bedingungslosen Nächstenliebe hinterließ einen bleibenden Eindruck auch bei der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung in seiner Diözese hinterlassen. “Viele junge Muslime verstehen nun nicht mehr, warum in ihren Moscheen oft immer noch Gewalt gepredigt wird”, sagte der Bischof. Immer wieder erfahre er von jungen Muslimen, die zum Christentum konvertieren wollen, den Schritt aber aus Angst vor ihrer Familie nicht wagen.

Noch immer sind Folgen des Bürgerkrieges sichtbar

“Ein junger Mann war konvertiert – daraufhin schlug ihm seine Familie mit einem Stock den Rücken blutig und drohte, ihn zu enterben, wenn er sich nicht wieder dem Islam zuwende”, berichtet Bischof Dogbo. Der junge Mann sei aber standhaft geblieben und habe einen Taufvorbereitungskurs besucht.

“Schließlich hatte sich auch seine Familie mit seiner Bekehrung abgefunden und ihn wieder in ihren Kreis aufgenommen”, freut sich der Bischof und ist zuversichtlich, dass wie in dieser Familie “Gottes Liebe und Vergebung auch in unserem Land alle Wunden heilen kann, die der Bürgerkrieg gerissen hat”.

Bischof Dogbo feierte in unserer Hauskapelle einen Gottesdienst.

Bischof Dogbo feierte in unserer Hauskapelle einen Gottesdienst.

Der Bürgerkrieg im Norden der Elfenbeinküste ging 2007 zu Ende. Manche Politiker hätten nach Aussage von Bischof Dogbo versucht, ihn zu einem Religionskrieg zu stilisieren. Die führenden Imame und katholischen Bischöfe des Landes hätten sich zwar gemeinsam öffentlich gegen diese Instrumentalisierung des Glaubens für politische Zwecke gewandt. Dennoch habe die durch die Politik angestachelte religiöse Gewalt dazu geführt, dass in manchen Dörfern des Nordens bis heute Kirchen angezündet und Christen bedrängt würden, beklagt der Bischof.

In der Elfenbeinküste, die offiziell den französischen Namen “Republique Côte d´Ivoire” trägt, leben knapp neunzehn Millionen Menschen, ein Viertel von ihnen sind Katholiken. Die meisten Christen leben im Süden des Landes an der dicht besiedelten Küste.

Im Land fehlt die Grundlage für Priesterberufungen

Dort herrscht ein reges geistliches Leben, obwohl auch im Süden die Nachwirkungen des Bürgerkriegs zu spüren seien. “Vor dem Krieg haben wir in der großen Kathedrale in der Küstenstadt Abidjan täglich zwei Heilige Messen mit alt und jung gefeiert – heute ist es nur noch eine Messe und die meisten Besucher sind ältere Menschen.”

Wegen des Bürgerkrieges sind die meisten jungen Menschen ins Ausland geflüchtet, vor allem jene mit einer guten Ausbildung. Daher fehle nun im Land auch die Grundlage für neue Priesterberufungen. Bischof Dogbos Diözese Katiola ist beinahe so groß wie Nordrhein-Westfalen. In Katiola wohnen 50 000 Katholiken, die momentan von nur 39 Priestern betreut werden müssen.

Unser “Kleiner Katholischer Katechismus” wird auch in der Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) angewandt.

Unser “Kleiner Katholischer Katechismus” wird auch in der Elfenbeinküste (Cote dIvoire) angewandt.

Der Bischof erhofft sich von dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Priesterjahr einen Werbeeffekt für alle jungen Leute, die aus der Fremde zurückkehren, und ist sich sicher: “Das ist unser Jahr! Die Menschen brauchen nicht nur Essen und Medizin, sondern vor allem Gott. Und wer kann Gott zu den Menschen tragen, wenn nicht der Priester?”

Abschließend betonte Bischof Dogbo, wie wichtig die Mess-Stipendien von KIRCHE IN NOT unter diesen Umständen für seine Priester seien. Nur so könne die Feier der Gottesdienste und die Seelsorge in seiner Diözese gewährleistet werden. Der Bischof bedankte sich bei allen Spenderinnen und Spendern und bittet auch weiterhin um Unterstützung durch Mess-Stipendien und um das Gebet aller Gläubigen.

10.Aug 2009 07:00 · aktualisiert: 11.Mrz 2012 19:20
KIN / S. Stein