Ein Jahr nach den Unruhen in Orissa

Indien: Zu wenig Hilfe für vertriebene Christen

Viele haben wegen andauernder Drohungen Angst vor einer Rückkehr in ihre Dörfer

Marie-Ange Siebrecht, Indien-Expertin von KIRCHE IN NOT.

Marie-Ange Siebrecht, Indien-Expertin von KIRCHE IN NOT.

Die staatliche Hilfe für die vertriebenen Christen im ostindischen Bundesstaat Orissa ist immer noch unbefriedigend. Das kritisiert unsere die Indien-Expertin, Marie-Ange Siebrecht, im Vorfeld des Jahrestages der antichristlichen Unruhen hinduistischer Fanatiker in Orissa, die am 23. August 2008 begonnen hatten.

Sie berichtet, inzwischen seien zwar die meisten der etwa fünfzigtausend Flüchtlinge in ihre Dörfer zurückgekehrt, doch noch immer lebten über tausend Christen in Zeltlagern.

Diese Lager wolle die Regierung nun zwar aufgeben, allerdings löse dies nicht die Probleme der Flüchtlinge. Die Christen wagen sich wegen Drohungen fundamentalistischer Hindus immer noch nicht zurück in ihre Dörfer.

Die Menschen sind meist mittellos, da die ihnen von der Regierung versprochenen Entschädigungszahlungen vielfach ausgeblieben sind. Siebrecht stellt dazu fest: “In Indien sind die Christen als Minderheit leider nicht die Ersten, denen geholfen wird.”

Sie befürchtet, dass nationalistische Hindus den Jahrestag der Ausschreitungen am kommenden Sonntag nutzen könnten, erneut gegen Christen in Orissa vorzugehen. Sie schließt sich daher der Forderung örtlicher Kirchenvertreter an, dass die staatlichen Behörden religiöse Minderheiten besser schützen sollten.

Eine bei den Unruhen zerstörte Kirche.

Eine bei den Unruhen zerstörte Kirche.

Marie-Ange Siebrecht fordert, dass die Regierung des Bundesstaats Orissa endlich die Grundlagen dafür schaffen müsse, damit die Menschen ohne Angst in ihre Dörfer zurückkehren können.

Bei Angriffen nationalistischer Hindus auf fast dreihundert Dörfer im Bundesstaat Orissa waren vor einem Jahr mehr als hundert Menschen umgekommen,  fünfzigtausend Christen waren geflüchtet. Etwa viertausend Häuser und über sechzig Kirchen wurden während der Überfälle zerstört.

Zu den Ausschreitungen war es gekommen, nachdem maoistische Rebellen einen Hindu-Führer ermordet hatten. Da die Täter nicht gefasst wurden, entlud sich die Wut der Massen an der wehrlosen christlichen Minderheit der Region.

So können Sie den Christen in Indien helfen

Kreuzweg für die verfolgte Kirche

Das Kreuz: Symbol für Frieden und Heil.

Das Kreuz: Symbol für Frieden und Heil.

Unter dem Titel “Gott allein kann retten” laden wir Sie am Sonntag, 13. September, um 18 Uhr zu einer Kreuzweg-Andacht für verfolgte Christen in den Augsburger Dom ein.

Die meditative Betrachtung des Leidensweges Christi wird gestaltet vom Leiter des Referats Weltkirche der Diözese Augsburg, Domkapitular Prälat Dr. Bertram Meier, und von Pfarrer Erich Maria Fink.

Außerdem werden christliche Flüchtlinge aus dem Irak im Dom zu Gast sein. Sie werden über die Situation in ihrer Heimat berichten. Erst Mitte Juli waren christliche Kirchen im Irak wieder das Ziel von Bombenattentaten radikaler Islamisten geworden. Mit der Veranstaltung im Augsburger Dom wollen wir erneut auf die bedrängte Kirche im Irak und anderen Ländern aufmerksam machen.

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ein Gebet für Indien

Vater im Himmel, du lässt deine Sonne scheinen über Bösem und Gutem. Dein Sohn Jesus Christus ist für alle gestorben und in seiner glorreichen Auferstehung behielt er die fünf Wundmale seines Leidens. Mit seiner göttlichen Kraft steht er nun denen bei, die Verfolgung und Martyrium erleiden, um dem Glauben der Kirche treu zu sein.

Barmherziger und mächtiger Vater, erlaube nicht, dass Kain den hilflosen Abel, den unschuldigen Abel, wieder ermordet! Mögen die Christen in Indien wie Maria zu Füßen des Kreuzes verharren, an dem Christus den Tod erleidet. Tröste die von Gewalt Bedrohten und die von Unsicherheit Bedrängten. Möge dein Heiliger Geist der Liebe das Zeugnis und das Blut derer fruchtbar machen, die verzeihend sterben. Amen.

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18.Aug 2009 11:17 · aktualisiert: 24.Mrz 2014 17:21
KIN / S. Stein