Gnadenorte in Ost und West

Am 22. August feiert die katholische Kirche das Fest “Maria Königin”

Maria Königin (Darstellung von Bradi Barth).

Maria Königin (Darstellung von Bradi Barth).

Seit dem Abschluss des Marianischen Jahres 1954 feiert die Kirche ein eigenes Fest “Maria Königin”. Papst Pius XII. hatte das Marianische Jahr anlässlich der Hundert-Jahr-Feier des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis ausgerufen und das neue Fest eingeführt.

Ursprünglich war es am 31. Mai, aber nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums wurde es auf den 22. August, den Oktavtag von Maria Himmelfahrt, verlegt.

Der Gründer unseres Hilfswerkes, Pater Werenfried van Straaten, war ein großer Marienverehrer. Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 1983 bei seiner Pilgerfahrt nach Lourdes die verfolgte Kirche Maria anvertraute, griff Pater Werenfried dieses Anliegen immer wieder auf. Im darauffolgenden Jahr kam der Papst als Pilger in die Schweiz.

Damals schrieb Pater Werenfried für diesen Besuch des Heiligen Vaters eine Sonderausgabe unseres Rundbriefs “Echo der Liebe”, in der er Maria als “Königin Osteuropas” vorstellte. Er rief dazu auf, im Wallfahrtsort Einsiedeln mit dem Heiligen Vater für die Glaubensgeschwister in der Verfolgung zu beten.

Schirmherrin Österreichs, Mutter der slawischen Völker

Pater Werenfried erinnerte daran, dass in dem österreichischen Wallfahrtsort Mariazell Jesu Mutter in der Großen Litanei angerufen wird: “O Schirmherrin Österreichs, O Großherrin Ungarns, O Mutter der slawischen Völker.”

Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen und Kroaten waren dorthin gemeinsam gepilgert, bis es ihnen dann durch den Eisernen Vorhang nicht mehr möglich war. Pater Werenfried schrieb: “Jetzt ist es Ihnen nicht mehr gestattet, nach Mariazell zu pilgern. (…) Zu Zehntausenden, oft sogar zu Hunderttausenden, finden sie sich an Marienfesten zu Wallfahrten ein, um zu zeigen, dass Maria ihre wahre Herrscherin ist.”

Altötting ist der größte Marienwallfahrtsort in Deutschland. Blick auf die Gnadenkapelle, im Hintergrund die Stiftspfarrkirche.

Altötting ist der größte Marienwallfahrtsort in Deutschland. Blick auf die Gnadenkapelle, im Hintergrund die Stiftspfarrkirche.

Was Werenfried über die Rolle der Gottesmutter als Königin Osteuropas formulierte, zeigt seinen unerschütterlichen Glauben an den Sieg Marias. So stellte er sie als “Schutzfrau Böhmens und Mährens” vor oder als die “Gottesmutter von Aglona” (Lettland). Er nahm Bezug auf den Wahlspruch des polnischen Papstes Johannes Paul II., “Totus tuus” (“Ganz dein”), und brachte als Illustration das Bild der Schutzmantelmadonna von Ptujska gora in Slowenien.

Siegreiche Schutzfrau Mährens

Sein Text im Wortlaut:
“Zahlreich sind die Wallfahrtsorte in der Tschechoslowakei. Zu den bekanntesten gehört der Berg Hostein (Hostyn) in Mähren. Dieser Wallfahrtsort ist den Gläubigen ans Herz gewachsen, wie schon Cyrill und Method auf diesem Berg das Kreuz Christi anstelle eines heidnischen Bergheiligtums aufstellten.

Der heilige Method selbst soll in der Krone einer mächtigen Linde die erste Muttergottes-Ikone zur Verehrung angebracht haben, die dann bald in einer von ihm errichteten Kapelle ihren Platz fand. Viele pilgern hierher, um das Gebet zu sprechen, das in der Kuppel der Kirche geschrieben steht: ‘Sei gegrüßt, du siegreiche Schutzfrau Mährens, bleib auch ferner Mutter deines Volkes.’ Flehend blicken die Gläubigen zur Himmelskönigin.

Die Kathedrale von Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Die Kathedrale von Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Wie die Tschechen auf den Hostein, pilgern die Slowenen nach Leutschau (Levoča). Sie lassen sich nicht durch Polizei-Schikanen abschrecken, sondern stehen zu ihrem Glauben.

Die katholischen Letten, nur ein Viertel der Bevölkerung Lettlands, pilgern vor allem nach Aglona, wohin auch Gruppen aus Weißrussland und der Ukraine, ja sogar aus Moskau und Leningrad (St. Petersburg) kommen.

Das Dominikanerkloster beherbergt in der 1780 gebauten Kirche ein Gnadenbild, das eine Nachbildung der Muttergottes von Trakai in Litauen ist.

Nach der Besetzung durch die Russen wurde das Kloster völlig zerstört. Das Gnadenbild jedoch ist bis zum heutigen Tage erhalten geblieben und wird trotz der bolschewistischen Okkupation weiter verehrt und von zahlreichen Pilgern besucht.

Das katholische Volk der Litauer ist in den letzten Jahren durch seine Treue zur Kirche hervorgetreten. Die Zeitschrift ‘Chronik der Litauischen Katholischen Kirche’ informiert über den heldenhaften Widerstand dieses kleinen Volkes gegen Atheisierung und Russifizierung. Ihr marianisches Heiligtum sehen die Litauer im Gnadenbild vom ’Tor der Morgenröte’ in Vilnius.

Tschenstochau und Kalwaria

Der Wahlspruch des polnischen Papstes gilt für das ganze polnische Volk, denn in allen Landesteilen gibt es marianische Wallfahrtsorte. Zwar ist Tschenstochau bei weitem am bekanntesten, aber auch in Albendorf, Dietrichswalde und Kalwaria, zeigen die Polen, wer ihre Herrin ist. Das gleiche gilt auch von den anderen Völkern Osteuropas. In Rumänien pilgern deutsche und ungarische Katholiken nach Maria Radna und Csiksomlyo. Slowenen und Kroaten [verehren] Maria als Mutter.

Die berühmte Grotte Massabielle mit einer Marienfigur in Lourdes.

Die berühmte Grotte Massabielle mit einer Marienfigur in Lourdes / Frankreich.

Besonders die Krankenwallfahrten nehmen zu. Wie in Lourdes betreuen freiwillige Helfer die Alten und [Menschen mit Behinderung]. Sie legen damit Zeugnis ab für die Liebe Gottes. Sie beweisen, dass die Botschaft Christi Licht für die Welt ist und dass nur der Sohn Gottes diese Welt heilen kann.

Der von den atheistischen Machthabern gewünschte neue sozialistische Mensch ist seelisch leer. Er erhält von Marx und Engels keine überzeugende Antwort auf seine Fragen nach dem Sinn des Lebens. Deshalb finden durch die Fürsprache Mariens immer mehr junge Menschen zu Christus.

Unsere Aufgabe ist es, diesen Gläubigen zu helfen. Lassen wir sie nicht im Stich, denn nur mit unserer tatkräftigen Unterstützung im Gebet und Opfer wird sich die Verheißung Mariens erfüllen, dass sich Russland bekehren wird.”

Pater Werenfried durfte noch erleben, dass nach der politischen Wende im Osten diese marianischen Gnadenorte wieder zugänglich wurden. Mit tiefer Freude konnte er einige der Pilgerstätten besuchen, an denen seit 1990 auch Johannes Paul II. beten konnte.

Durch seine Pilgerfahrten an diese marianischen Heiligtümer wurden die Kirchen im Westen bekannt. So war der Papst in Aglona und Vilnius, im slowakischen Leutschau und Maria Schoßberg (Sastin), in Maria Pocs in Ungarn, Brezje in Slowenien und Marija Bistrica in Kroatien. Zwar durfte er nicht nach Russland, aber außer den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen waren ihm Pastoralbesuche in Kasachstan, Armenien und in der Ukraine möglich.

Schlagworte:
Feste · Gedenktag · Lourdes · Marienfeste · Wallfahrt
21.Aug 2009 18:14 · aktualisiert: 22.Aug 2015 16:28
KIN / S. Stein