Russland: Das kleine Wunder von Kasan

In der Großstadt gibt es wieder eine katholische Kirche

Die Frontseite der katholischen Kirche in Kasan.

Die Frontseite der katholischen Kirche in Kasan.

Am 29. August 2008, wurde in der russischen Großstadt Kasan eine katholische Kirche geweiht. Es war die erste Kirche, bei der eine Behörde in Russland den Wiederaufbau eines in der Sowjetzeit enteigneten katholischen Gotteshauses finanziert hat.

Unser Hilfswerk hat dank Ihrer Unterstützung die Innenausstattung der Kirche und des dazugehörenden Pfarrzentrums ermöglicht.

Kasan liegt 750 Kilometer östlich von Moskau und ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan, einem Zentrum des Islams in Russland. Etwa sechzig Prozent der Einwohner sind Muslime. An der Einweihungsfeier der neuen Kirche nahm der ehemalige Kardinalstaatssekretär des Vatikans, Angelo Sodano, teil.

Das ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirchengebäude der katholischen Gemeinde von Kasan war nach der Oktoberrevolution von 1917 enteignet und zweckentfremdet worden. Da eine Rückgabe des Gebäudes nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht möglich war, hatte sich die Regierung Tatarstans 2004 bereit erklärt, das Gotteshaus auf Kosten der Stadtverwaltung an anderer Stelle originalgetreu wiederaufbauen zu lassen.

Seitenansicht der Kirche (Skizze).

Seitenansicht der Kirche (Skizze).

Der zuständige katholische Pfarrer Diogenes Urkiza sagte, es handle sich um einen “einzigartigen Fall der Wiederherstellung der Gerechtigkeit”. Er sprach von einem Wunder, das er und seine Gläubigen der Muttergottes von Kasan zuschreiben.

Diese von orthodoxen und katholischen Gläubigen als wundertätig verehrte Ikone hatte Papst Johannes Paul II. im Jahr 2004 der Russisch-Orthodoxen Kirche zurückgegeben. Sie ist eine Replik des verschollenen aus dem 16. Jahrhundert stammenden ursprünglichen Gnadenbildes. Während der Sowjetzeit war das Bild im Vatikan aufbewahrt worden.

Montage des Turmkreuzes.

Montage des Kreuzes auf dem Kirchturm.

Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, sowie Kardinal Theodore Edgar McCarrick, der ehemalige Erzbischof von Washington, hatten Russlands meistverehrte Ikone 2004 persönlich zurückgebracht.

Für den Russland-Experten von KIRCHE IN NOT, Peter Humeniuk, ist der Wiederaufbau des katholischen Gotteshauses in Kasan ein Zeichen des Entgegenkommens – sowohl der russischen Regierungsstellen als auch der Orthodoxen Kirche, deren Erzbischof Anastasij Metkin den Wiederaufbau begrüßte.

Es handle sich um einen “erfreulichen Beweis eines gegenseitigen Näherkommens”. Der katholischen Pfarrgemeinde von Kasan gehören rund fünfhundert Katholiken an. Seit 1952 unterstützt KIRCHE IN NOT die Katholiken in Russland.

25.Aug 2009 09:53 · aktualisiert: 7.Feb 2014 12:01
KIN / S. Stein