Christen lassen sich nicht unterkriegen

Vor 60 Jahren rief Staatsführer Mao Zedong die Volksrepublik China aus

Darstellung Unserer Lieben Frau von China.

Darstellung Unserer Lieben Frau von China.

Am 1. Oktober feierte die Volksrepublik China den 60. Jahrestag ihrer Gründung durch Mao Zedong. Unter anderem hat es eine große Militärparade in Peking geben. Derzeit gibt es in der Hauptstadt eine Ausstellung “Die glorreichen 60 Jahre”, zu der die Bevölkerung in Scharen strömt.

Die politische Führung des Landes ist in diesen Tagen besonders bemüht, ein fröhliches, makelloses Bild Chinas in der Weltöffentlichkeit zu präsentieren – so wie während der Olympischen Spiele im August 2008.

Doch für die Christen im Land waren die vergangenen 60 Jahre keine glorreiche Zeit, sondern eine Periode der Verfolgung, der Unterdrückung und zahlreicher Menschenrechtsverletzungen.

Auch wenn es seit den 1980er-Jahren in China eine größere Öffnung und mehr Freiheiten im Land gibt, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, so hält die Kommunistische Partei bis heute eisern fest an ihrem Führungsmonopol. Am hohen Ideal des “Sozialismus” wird nicht gerüttelt.

Unter der straffen Führung der Kommunistischen Partei sollen alle gesellschaftlichen Gruppen beitragen zur Errichtung einer “harmonischen Gesellschaft”, wie das heute beliebteste Schlagwort der politischen Führung lautet.

Gottesdienst in der Kathedrale von Peking.

Gottesdienst in der Kathedrale von Peking.

Um das Führungsmonopol der Kommunistischen Partei zu sichern, werden insbesondere die Religionsgemeinschaften in China einer strengen staatlichen Kontrolle und Steuerung unterworfen. Zuletzt traten im März 2005 neue “Vorschriften für religiöse Angelegenheiten” in Kraft.

Nach wie vor werden fünf Religionen vom Staat offiziell anerkannt: der Buddhismus, der Daoismus, der Islam, der Katholizismus und der Protestantismus. Die staatlichen Religionsbehörden haben den Auftrag, diese offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie sich “an den Sozialismus anpassen” und sich “patriotisch” verhalten.

Auslandskontakte der Kirchen werden überwacht

Dazu müssen alle religiösen Versammlungsorte staatlich registriert werden, ebenso das “religiöse Personal” (für das es immer wieder ideologische Schulungen gibt) und alle wichtigen Aktivitäten.

Um das “patriotische Verhalten” sicherzustellen, werden alle Auslandskontakte scharf überwacht. Die staatlich vorgegebene Verwaltungsstruktur für die beiden christlichen Kirchen ist dementsprechend die einer unabhängigen chinesischen Nationalkirche.

Gläubige in der vollbesetzten Kathedrale in Peking.

Gläubige in der vollbesetzten Kathedrale in Peking.

Bis heute entziehen sich größere Teile der Religionsgemeinschaften dieser strikten staatlichen Kontrolle und Einmischung und praktizieren ihre Religion mehr oder weniger geheim im Verborgenen. Der Staat betrachtet diese Gruppen als “illegal” und geht gegen sie regional sehr unterschiedlich vor.

Mancherorts werden sie halbwegs toleriert, häufiger aber reagieren die Behörden mit scharfen Maßnahmen: dann werden Gottesdienstorte als “illegale Bauten” zerstört, Geistliche werden verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. Von Religionsfreiheit nach internationalen Menschenrechtsstandards kann also in China noch keine Rede sein.

Anlässlich des 60. Jahrestages hat der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, Staatschef Hu Jintao gebeten, alle inhaftierten Bischöfe und Priester freizulassen.

Trotz der andauernden Schwierigkeiten wächst das Christentum in China, es dürfte heute etwa sechzig Millionen gläubige Christen geben.

1.Okt 2009 08:58 · aktualisiert: 5.Nov 2013 16:01
KIN / S. Stein