“Ein Freund unseres Werkes”

Am 2. April 2005 starb Papst Johannes Paul II.

Papst Johannes Paul II. und Pater Werenfried.

Papst Johannes Paul II. und Pater Werenfried van Straaten.

Pater Werenfried van Straaten und Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., kannten sich bereits lange vor der Papstwahl. Aus einer Bekanntschaft ist im Laufe der Jahre eine gute Freundschaft geworden, die von gegenseitiger Anerkennung und Unterstützung geprägt war.

Die beiden hatten ihren ersten Kontakt, als mit Hilfe von KIRCHE IN NOT in der Stadt Nowa Huta bei Krakau zwischen 1967 und 1977 eine Kirche errichtet wurde. Kardinal Karol Wojtyla war damals Erzbischof von Krakau. Pater Werenfried warb engagiert unter den Wohltätern für die Unterstützung des schwierigen Bauvorhabens.

In einem Echo-Brief bezeichnete er den Kirchenbau in der als gottlos geplanten Stadt Nowa Huta später als “eine der kühnsten Aktionen, die je in einem kommunistischen Land durchgeführt worden sind”.

Direkt einen Tag nach dem Konklave vom 16. Oktober 1978 schrieb der “Speckpater” über den neugewählten Papst: “Ich kenne ihn gut und habe wiederholt mit ihm Besprechungen geführt. Sein letzter Brief an mich ist mit dem 9. Oktober datiert. (…)

Er ist bekannt als Vorkämpfer der sozialen Gerechtigkeit. In seinem Widerstand gegen Unterdrückung und Unrecht sowohl von kommunistischer als auch von kapitalistischer Seite war er immer sehr mutig und unzweideutig.

Johannes Paul II. bei einem Besuch des Priesterseminars in Koszalin / Polen im Jahr 1991.

Johannes Paul II. bei einem Besuch des Priesterseminars in Koszalin / Polen im Jahr 1991.

Bekannt ist seine Antwort auf die Frage bezüglich der Vereinbarkeit von Christentum und Marxismus: Man kann kein Christ und Materialist sein. Man kann kein Gläubiger und Ungläubiger sein (…) Er hat natürlich eine große Erfahrung, was das Verhältnis zwischen Kirche und Staat betriftt, nicht nur in Polen, sondern auch in den anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang. Ich denke, dass dies einen Einfluss auf die vatikanische Ostpolitik haben wird.” Pater Werenfried sollte Recht behalten.

Für die Glückwünsche von Pater Werenfried, in denen er dem Heiligen Vater die Einheit im Glauben, im Gebet und in seinen Aktivitäten versicherte, dankte ihm Johannes Paul II. mit einem Schreiben vom 6. November 1978:

“Hochwürdiger Pater Werenfried! Ihr Schreiben, begleitet von Ihrer großzügigen Spende, habe ich erhalten. Für Ihre guten Worte, für die Gefühle, die Sie ausdrücken und für Ihr Wohlwollen, danke ich von Herzen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen, Pater, sowie Ihren Mitarbeitern für Ihre karitative Tätigkeit danken. Ich danke allen Wohltätern, die in einer so deutlichen Weise ihre christliche Liebe und ihre Solidarität mit den Notleidenden unter Beweis stellen.

Der damalige Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla vor der Baustelle der Kirche in Nowa Huta.

Karol Wojtyla vor der Baustelle der Kirche in Nowa Huta.

Die Hilfe für die Armen, für die Bedürftigen und Unterdrückten liegt mir sehr am Herzen, weil es sich um eines der wichtigsten Gebote des Evangeliums handelt.

Denn, nachdem die Apostel Jakobus, Kephas und Johannes die Evangelisierung der Heiden Paulus und Barnabas anvertraut hatten, baten sie jene, sich inbesondere um die Armen zu kümmern: ‘Nur sollten wir der Armen gedenken, und das habe ich auch gewissenhaft getan.’

Von Anfang an und auch heute noch gehört diese Sorge zum Wesen des Auftrages der Kirche, sie soll ihr Herzstück und ihre ‘Kennkarte’ sein. (…)

Indem ich Ihnen noch einmal für Ihr Werk, Ihre Bereitschaft und Ihre Hilfe danke, sende ich Ihnen, Pater, Ihren Mitarbeitern und Ihren Wohltätern meinen besonderen Apostolischen Segen.”

Im März 1979 schrieb Pater Werenfried im Echo der Liebe: “Dieser Papst, der das Charisma besitzt, in die Herzen einzudringen, ist ein Freund unseres Werkes. Als er noch Erzbischof von Krakau war, haben wir ihm öfters geholfen, vor allem beim Bau der bekannten Kirche in Nowa Huta.

“Ein Mann des Gebetes und mit unerschütterlichem Glauben”

Wir kennen ihn als einen mutigen Mann, energisch, ehrlich, mit scharfem Verstand und offenem Geist, demütig, arm, und volksverbunden, als einen Mann des Gebetes, von unerschütterlichem Glauben und kindlicher Liebe zur Gottesmutter. Gott helfe ihm, die Auferstehung Christi zur Auferstehung der Kirche werden zu lassen, so dass diese wieder begreift, dass ihre einzige Aufgabe die Nachfolge Christi ist.”

Am 27. April 2002 fand die letzte Begegnung Pater Werenfrieds mit Johannes Paul II. in Rom statt. Gemeinsam mit allen Geistlichen Assistenten von KIRCHE IN NOT feierte man die Heilige Messe in der Privatkapelle des Papstes. Anschließend überreichte der Heilige Vater Pater Werenfried zwei persönliche Geschenke: eine Osterkerze und ein Bild der Mutter Gottes von Tschenstochau.

15.Okt 2009 11:04 · aktualisiert: 2.Apr 2013 09:25
KIN / S. Stein