“Für andere da sein – das ist meine Kraftquelle”

Peter van Briel über das Priester-Sein – Beginn einer sechsteiligen Porträtreihe

Peter van Briel, Pfarrer aus der Nähe von Osnabrück.

Peter van Briel, Pfarrer aus Hopsten.

Anlässlich des laufenden Priesterjahres veröffentlichen wir in den nächsten Monaten jeweils am ersten Donnerstag ein Porträt eines Priesters. In Interviews berichten sie von ihrer Berufung, über ihre Arbeit und persönlichen Gotteserfahrungen.

Alle Porträts stellen wir abschließend in einem Buch zusammen. Dieses wird voraussichtlich zum Ende des Priesterjahres im Sommer 2010 veröffentlicht. Im Internet veröffentlichen wir daher nur eine verkürzte Version der Porträts. Die Fragen stellte unser Mitarbeiter André Stiefenhofer.

Die kleine Serie beginnt mit Pfarrer Peter van Briel, Leiter der Pfarrei in Hopsten-Halverde (Landkreis Steinfurt). Außerdem ist er Seelsorger am bischöflichen Fürstenberg-Gymnasium in Recke bei Osnabrück. Seit 1994 ist er aktiv in der Jugendkatechese sowie Gründungsmitglied und Sprecher der im Jahr 2000 gegründeten Karl-Leisner-Jugend.

Wann haben Sie den Ruf Gottes zum ersten Mal vernommen?
Zum ersten Mal? Das ist schwer zu sagen. (…) Dennoch kann ich mich an einige “Rufe” Gottes erinnern, die ich damals schon als von Gott kommend eingeschätzt hatte. Zum Beispiel, als ich als Jugendlicher einmal Aushilfsorganist war. Damals kniete ich, während die Kommunion in der Kirche ausgeteilt wurde, oben auf der Orgelbühne.

In diesem Moment wurde mir bewusst, wie schön das alles ist: Das Geschehen in der Kirche, die Liturgie, Gottes Wirken, das Eins-Sein mit ihm. Der entscheidende Gedanke war: “Das machst Du jetzt Dein Leben lang!” Dieser Gedanke trat sehr plötzlich auf – und das würde ich auch heute noch als Merkmal eines “Rufes Gottes” bezeichnen: Dieses plötzliche Auftauchen von Gedanken, die offensichtlich nicht meine eigenen sind. Das geschieht mir auch heute noch.

Peter van Briel bei einem Gottesdienst mit Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück (im Hintergrund).

Peter van Briel bei einem Gottesdienst mit Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück (im Hintergrund).

Können Sie sich noch an konkrete Situationen dieses “Rufen Gottes” in der Anfangszeit Ihrer Berufung erinnern?
Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als ich begann, mich ernsthafter mit dem Priesterberuf auseinanderzusetzen. Ein bisschen geliebäugelt hatte ich schon immer damit, aber eines Tages entschloss ich mich, den nächsten Schritt zu tun und sagte: “Gut, jetzt tust Du mal einfach so, als ob Du tatsächlich Priester wirst und dann schaust Du mal, wie Du Dich dabei fühlst.” Und es fühlte sich gut an, vieles bestätigte mich in dieser Entscheidung.

Zum Beispiel ein Erlebnis noch vor meinem Abitur. Damals arbeitete ich nebenher in der Margarinefabrik in meinem Heimatort. Auf dem Weg zur Frühschicht musste ich im Morgengrauen mit dem Fahrrad einen Berg hinunterfahren und (…) über eine Brücke. Eines Morgens hatte ich dabei ein überirdisch schönes Erlebnis: Die Sonne ging gerade auf und tauchte die Brücke in ein orangefarbenes Licht. Da dachte ich: “Die Welt ist so schön, Gott schenkt Dir so viel – gib ihm etwas zurück! Am besten, Du gibst ihm gleich Dein Leben.” (…) Das erscheint mir heute noch wie ein Ruf Gottes.

Wieso waren Sie sicher, dass er Sie zum Priester beruft?
Gott ruft einen immer in den Dingen, die er einem in die Wiege gelegt hat. Jeder hat seine Fähigkeiten und Vorlieben. (…) Ich war schon immer mit Leib und Seele Gruppenleiter – schon als Messdiener. Ich habe mich in den Gottesdiensten wohl gefühlt, habe mich um Menschen gekümmert. (…) Der Punkt, an dem alle Voraussetzungen zusammenliefen, war nun mal das Priesteramt. (…)

Ich brauche den Austausch und das Gespräch und ich hatte immer Freude daran, Menschen kennen zu lernen (…). Für mich war klar: Priester sein ist die Antwort, die ich Gott geben kann.

“Die Hauptsache war für mich, dass ich Gott treu bleibe”

Gab es Punkte, an denen Sie um Ihre Berufung kämpfen mussten?
(…) Schwierigkeiten sind normal, die hatte ich zum Beispiel an der Universität. Ich hatte eine Diplomarbeit geschrieben, die dem Professor nicht allzu gut gefallen hat. Das hatte unter anderem zur Folge, dass ich die Universität wechseln musste. Ich bekam auch Schwierigkeiten mit meinem Regens, der in diesem Zusammenhang auch meine Berufung in Frage stellte.

In dieser Situation musste ich mich schon damit auseinandersetzen, ob ich überhaupt weiter studieren wollte, wenn noch nicht einmal sicher war, ob ich überhaupt als Priester genommen werden würde. (…) Ich sagte mir: “Nö, das machst Du jetzt – und wenn Du in der Gosse landest!” Hauptsache war für mich, dass ich Gott treu bleibe. (…)

Wurde Ihre Berufung in Ihrer Familie grundgelegt?
Ja. Allerdings nicht in dem Sinne, dass es in meiner Familie bereits priesterliche Vorbilder gab. Meine Familie pflegte eine gesunde, bodenständige, kirchliche Frömmigkeit. Wir sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen, waren aktiv in der Gemeinde und es war für meine Eltern zum Beispiel klar, dass ich Messdiener werden sollte. (…)

Ausschlaggebend für diese durchgehende Treue zum Glauben war vor allem mein Freundeskreis. Der bestand hauptsächlich aus der Messdiener-Leiterrunde, in der wir vieles auch über das organisatorisch Notwendige hinaus unternommen haben. Wir haben in dieser Runde angefangen, regelmäßig das Stundengebet zu beten, haben theologische Fragen erörtert und auch gemeinsam Exerzitien gemacht.

Als sich dann einige meiner Freunde aus diesem Kreis entschlossen, Priester zu werden, habe ich mir gedacht: “Der ist doch ganz normal und gar nichts Besonderes! Wenn der Priester werden kann, dann ist das wohl keine Entscheidung, die ganz abgehoben von der Welt ist. Dann könnte ich mich ja auch so entscheiden.”

Peter van Briel als Tourist in Rom. Ich will ein Zeichen sein, darum trage ich meine Priesterkleidung. Ich will angesprochen werden und in Liebe antworten. Darin erkenne ich mein priesterliches Tun.

Peter van Briel als Tourist in Rom. “Ich will ein Zeichen sein, darum trage ich meine Priesterkleidung. Ich will angesprochen werden und in Liebe antworten. Darin erkenne ich mein priesterliches Tun.”

Das klingt so, als ob Sie ein “Gruppenmensch” sind – prägt das auch Ihre Spiritualität?
Ja. Ich bin von jemandem gefragt worden, wo ich persönlich Gott begegne. Und nachdem ich demjenigen die ein oder andere Erfahrung berichtet habe, sagte er schließlich: “Das sind ja alles Begegnungen, in denen Menschen die Mittler waren!” Daraufhin fragte er mich, ob ich denn Gott noch nie direkt begegnet sei. Ich war ein bisschen verblüfft, denn selbstverständlich hatte ich auch sehr persönliche und direkte Gotteserfahrungen gemacht. (…)

Gotteserfahrung, Erfahrung von Schönheit, oder Erlebnisse, in denen ich mich als Priester bestätigt fühle, sind für mich vornehmlich Erfahrungen mit anderen Menschen. Wenn ich jemandem etwas mitgeben oder ihm helfen kann; wenn ich merke, dass ich als Priester Menschen mit der Spendung der Sakramenten oder mit priesterlichem Rat auf ihren Weg zurückführen, bestärken oder mit Gott versöhnen kann, dann spüre ich Gott und Sein Wirken wunderbar klar und deutlich.

Natürlich (…) stelle ich auch fest, dass ich im Gebet und in der Anbetung Gott begegne. Aber meine Spiritualität prägt sich doch zuallererst im Gespräch aus, im Kontakt mit den Menschen. Das sind die Momente, in denen ich Gott spüre (…) Dort ist die Quelle meiner Spiritualität.

Ein Priester wird oft als jemand angesehen, der etwas “gibt” – ob er nun Sakramente spendet oder einfach seelsorglich da ist. Sie trennen das “Geben” aber gar nicht von Ihrer Quelle, vom “Nehmen”?
Nein. Das würde ich weder für mich persönlich trennen, noch für andere. Ich bin auch (…) als Lehrer tätig. Wenn ich dort eine ganz tolle Unterrichtsstunde gehalten habe, nach der ich sagen kann, “den Schülern hast Du jetzt wirklich was für´s Leben mitgegeben”, dann bin ich selbst glücklich: (…) Weil ich etwas geben konnte und weil das, was ich gegeben habe, auch angenommen wurde.

Das gilt noch mehr im sakramentalen Bereich: Wenn ich beispielsweise das Beichtsakrament spende und merke, dass beim Beichtenden plötzlich etwas aufbricht; wenn Tränen fließen und der Beichtende plötzlich strahlt und Mut fasst, dann ist das wunderbar. Dann kann ich in der Nacht darauf wunderbar schlafen, dann geht’s mir gut, dann sind alle meine Wehwehchen weg. Für andere da sein – das ist meine Kraftquelle.

“Das wichtigste für mich ist der Schlüssel zur Kirche”

Pflegen Sie abgesehen vom Kontakt mit Menschen auch andere geistliche Übungen?
Das wichtigste ist für mich, den Schlüssel zur Kirche zu haben, damit ich nachts ins Gotteshaus kann. Es ist einfach wunderbar, nachts in der stillen Kirche ganz ungestört vor dem Tabernakel beten zu dürfen. (…) Das ständige Gespräch mit Gott vor dem Allerheiligsten ist sozusagen meine “Weihegnade”, für die ich unendlich dankbar bin. Dort kann ich Ihm meine Probleme und Schwierigkeiten ausbreiten. (…)

Es wird mir im Gespräch mit Ihm plötzlich Vieles klar, manchmal höre ich sogar klar formulierte Sätze, die ich anschließend weitergebe – und oft wird mir dann gesagt, dass das genau die Worte waren, die der betreffende Mensch gerade gebraucht hat. In der Anbetung kommen mir also regelrechte Eingebungen.

Dabei ist die Zeit der Anbetung nicht nur bierernst und so eine Art Dienstbesprechung. Es gibt auch sehr humorvolle Gespräche mit Gott. Es kommt vor, dass ich zerknirscht in die Kirche schlurfe, den Herrn um Verzeihung bitten will, und er fängt plötzlich an zu scherzen. Wenn Gott “scherzt”, erinnert mich das oft sehr an die Worte, die Jesus zu Don Camillo spricht. Auch wenn das nur ein Film ist – bei mir ist es Realität.

Die tägliche Heilige Messe ist eine unersetzliche Kraftquelle für mich.

“Die tägliche Heilige Messe ist eine unersetzliche Kraftquelle für mich.”

Allerdings kann es umgekehrt durchaus sein, dass ich frohen Mutes in die Kirche gehe und ich bekomme von Gott die Leviten gelesen. (…) Zu diesen “Gesprächen mit Gott” kommen natürlich noch weitere Gebetszeiten, wie Stundengebet oder Rosenkranz.

Selbstverständlich auch die tägliche Heilige Messe, die eine unersetzliche Kraftquelle für mich ist. Vor allem die Werktagsmessen haben eine ganz besondere Wirkung auf mich. Sonntags sind die Messen schön, erhebend und feierlich.

Aber die Stille und Einfachheit der Werktagsmessen helfen mir, zurück zur Quelle zu finden, mich einfach nur mit Gott zu verbinden, ohne bestimmte Gedanken vor Augen zu haben. In diesen Momenten kann ich einfach nur die Gegenwart Gottes genießen. (…)

Haben Sie Vorbilder, nach denen Sie sich ausrichten?
Ja, viele. (…) Ich habe mir Jean-Marie Vianney zum Vorbild und Patron erwählt, als ich Priester geworden bin, ohne mich damit auf einen besonderen Aspekt seines Wirkens beziehen zu wollen. Inzwischen wird er mir aber immer konkreter zum Vorbild, zum Beispiel in seiner Berufung als Beichtvater. Er hat fast sein ganzes Leben im Beichtstuhl verbracht. Das ist etwas, was ich mir für mich früher nie hätte vorstellen können. Ich glaubte, dass ich nicht der Typ dafür wäre.

Aber dann habe ich mir einmal selbst zugehört, während ich die Beichte hörte. Da bemerkte ich, dass ich den Leuten Gedanken weitergebe, die nicht von mir stammen. Ich sitze im Beichtstuhl manchmal staunend neben mir und frage mich, was ich da eigentlich erzähle. (…) In diesen Momenten bin ich sicher, dass mir der Pfarrer von Ars tatkräftig hilft. Er ist als Heiliger schließlich nicht nur mein Vorbild, sondern er steht mir zur Seite.

Heiligung heißt für mich, sich auf die Seelsorge zu besinnen

Papst Benedikt XVI. hat das Priesterjahr auch zur “Heiligung der Priester” ausgerufen. Was sagt Ihnen das persönlich?
Heiligkeit ist für mich nicht so zu verstehen, dass ich mich perfekt trainiere, sondern dass ich reiner werde (…), dass ich mich frei mache von Dingen, die für mich als Priester eigentlich keine Aufgaben sind. Zum Beispiel Verwaltungsarbeit oder Aktivitäten, mit denen ich mich nur in den Vordergrund stellen will. Heiligung heißt, mich auf das zu besinnen, was eigentlich meine priesterliche Aufgabe ist. Mich auf meine Quellen zu besinnen: auf die Seelsorge.

Seelsorge bedeutet nicht in erster Linie, die psychischen Belange der Gemeinde in den Blick zu nehmen. Es bedeutet, zu beobachten, wie es mit der Verbundenheit der Gemeinde zu Gott aussieht. Da muss ich mich freimachen von Ängsten und anderen Hindernissen, die mich davon abhalten, das anzusprechen. Eine solche Heiligung wäre für mich und für viele meiner Mitbrüder sinnvoll. (…)

Peter van Briel bei einem Seelsorgegespräch.

Peter van Briel bei einem Seelsorgegespräch.

Leben Sie in Seelsorge und Verwaltung nicht manchmal in zwei Welten?
Ja schon. Aber (…) ich habe eine Gemeinde, die (…) recht selbstständig ist. Oft stelle ich fest, dass der Kirchenvorstand nötige Reparaturen schon beschlossen und umgesetzt hat, obwohl ich als Pfarrer den Auftrag hätte erteilen müssen. Aber ich sehe das so, dass der Kirchenvorstand ja genau dafür da ist, die Priester von diesen Dingen zu entlasten. (…)

Aber: Überall dort, wo meine Gemeinde in Verwaltungssachen eine priesterliche Entscheidung für nötig hält, fälle ich die auch. In solchen Fällen muss ich auch Verträge lesen und abwägen, was besser oder schlechter ist. Das ist eine andere Welt, in der ich mich nicht sonderlich zuhause fühle. (…)

Welche Rolle spielt das persönliche Gebet zur Findung der eigenen Berufung?
Eine ganz große. Ich habe die Freude, in meiner Gemeinde einige junge Leute zu haben, die mit dem Gedanken spielen, Priester zu werden. Viele junge Menschen in meiner Pfarrei sind kirchlich sozialisiert und engagiert.

Aber wer sich für den Priesterberuf entschließt, ist irgendwann über das “ich steh´ zur Kirche” hinausgegangen und hat gesagt: “Ich bete mit und in der Kirche.” Das sind Jugendliche die abends kommen und fragen, ob sie den Schlüssel zur Kirche haben könnten, um noch ein bisschen zu beten.

Bei solchen Menschen ist der entscheidende Grund für die Berufung gelegt. Ob sie den Ruf dann auch annehmen und umsetzen, ist eine andere Frage. Aber ohne das persönliche Gebet kämen sie erst gar nicht in diese Entscheidungssituation.(…)

“Gott achtet die Freiheit des Menschen und polt ihn nicht um”

Kann man die eigene oder eine fremde Berufung erbeten?
Das klingt so, als wenn ich Gott zwingen könnte, jemanden als Priester anzunehmen — oder so, als wenn Gott durch mein Gebet jemanden zwingt, Priester zu werden. (…) Vielmehr glaube ich, dass das stellvertretende Gebet eine große Rolle spielt. Nicht nur, weil sich jemand angerührt fühlt, wenn ich ihm sage, dass ich für ihn gebetet habe. Ich glaube, dass das Gebet gerade dann eine große Kraft hat, wenn es verborgen bleibt.

Das ist für uns schwer vorstellbar, vielleicht sogar ein Geheimnis, das wir niemals ganz begreifen. Es hilft dabei auch nicht sich vorzustellen, dass ich, wenn ich für jemanden bete, Strom zu jemand anderem umleite, der normalerweise zu mir fließt. So einfach ist das nicht. Aber auch wenn der Gedanke der Stellvertretung nicht so leicht zu fassen ist: Stellvertretung spielt in unserem Glauben die entscheidende Rolle, denn Jesus Christus ist stellvertretend für meine Sünden gestorben.

Wenn wir uns fragen, wie das denn gehen soll – dass einer für einen anderen stirbt und ihn erlöst – dann ist es genauso unverständlich, wie einer Hilfe erfahren kann, weil ich stellvertretend für ihn bete. Er weiß es ja noch nicht einmal. (…) Gott achtet die Freiheit des Menschen und polt einen Menschen, der “nein” sagt, nicht einfach durch seine Allmacht um. Und das gilt dann erst recht für unser Gebet. Wir können Freiheit aktivieren und füllen – aber zwingen können wir niemanden. Auch nicht durch unser Gebet.

Priesterseminaristen in Peru bei einem Gebet. Peter van Briel: Vielleicht kommt bei einigen jungen Leuten der Gedanke auf, selbst Priester zu sein. Vielleicht wird auch ein Denkprozess in Gang gesetzt, was Priestertum bedeutet.

Priesterseminaristen in Peru beim Gebet. Peter van Briel: “Vielleicht kommt bei einigen jungen Leuten der Gedanke auf, selbst Priester zu sein. Vielleicht wird auch ein Denkprozess in Gang gesetzt, was Priestertum bedeutet.”

Was erwarten Sie sich vom Priesterjahr?
Ich denke, dass (…) dieses Priesterjahr bei den Gläubigen etwas verändern wird. Aber was genau das sein wird, das kann ich natürlich nicht vorhersagen.
Vielleicht kommt bei einigen jungen Leuten der Gedanke auf, selbst Priester zu sein. Bei anderen könnte der Gedanke reifen, wieder mehr für Priester zu beten.

Vielleicht wird auch bei einigen ein Denkprozess darüber in Gang gesetzt, was Priestertum eigentlich bedeutet – und die Folge könnte sein, dass sie ihren Pfarrer von unnötigen Aufgaben und Erwartungen befreien. Ich würde mir sehr wünschen, dass Priester, die in ihrer Berufung schwach geworden sind, durch die persönliche Anfrage der Gläubigen wieder zurück in ihr priesterliches Tun geführt werden. (…)

“Ich möchte die Liebe Gottes weitergeben”

Was heißt “Priester-Sein” für Sie?
(…) Ich vergleiche das Priester-Sein oft mit dem Ehemann-Sein: Der Mann zeigt seiner Frau, dass da jemand ist, der sie liebt. Doch diese Liebe hat ihren Ursprung in Gott, der Mann ist nur Vermittler. Der Ehemann ist es, der diese Liebe körperlich zeigt und erfahrbar macht – mit Taten und seiner Gestik, mit seiner Lebensführung und mit allen Opfern, die er bringt.

Ich glaube, ein Priester ist nichts anderes als ein Ehemann seiner Gemeinde. Ich zeige allen, die mir als Christen und Katholiken begegnen, allen, für die ich geweiht wurde und nicht zuletzt auch meiner kleinen Pfarrei, dass es jemanden gibt, der sie liebt. Zwar bin ich es, der den Menschen diese Liebe zeigt, aber letzten Endes kommt die Liebe nicht von mir, sondern sie wurde mir geschenkt.

Ich möchte diese Liebe weitergeben mit Gestik, Worten und Sakramenten, mit meiner Lebensführung und Lebenshilfe. Das wird spürbar, wenn ich die Hände auflege, wenn ich in Sakramenten spürbar Heil verschenke, wenn ich nicht immer nur von einer geistigen Liebe spreche, sondern bezeuge, dass Gott konkret Mensch geworden ist. (…) Ich will ein Zeichen sein, darum trage ich meine Priesterkleidung. Ich will angesprochen werden. Und wenn ich angesprochen werde, will ich in Liebe antworten. Darin erkenne ich mein priesterliches Tun.

Wo sehen Sie sich heute in 10 Jahren? Gibt es einen Zukunftsplan für Ihr Leben?
Vielleicht gibt es den – in den Schubladen meines Bischofs. Vielleicht hat er aber auch noch gar keine Pläne für mich. Wahrscheinlich weiß das nur der liebe Gott. Im Moment bin ich Priester in einer kleinen Gemeinde, und Schulseelsorger und Lehrer an einer großen Schule. Ich bin in der Internetseelsorge tätig, ich betreue die Internetseite der Karl-Leisner-Jugend, auf der ich Katechesen veröffentliche und so den Austausch mit Menschen suche, die mir Emails schreiben.

Ich habe also eine Pfarrei, in der ich mich wohl fühle, eine Schule die mich bereichert und das Internet, über das ich weit entfernten Menschen mit ihren Problemen helfe. Das könnte ich auch die nächsten 20 Jahre machen.

KIN / S. Stein