“Großelternschaft muss man lernen”

Psychotherapeutin Christa Meves über die Erziehung der Enkel

Ein Mädchen aus Simbabwe.

 Mädchen aus Simbabwe.

Am 20. November feiern die Vereinten Nationen den Weltkindertag. An diesem Tag wurde vor 40 Jahren die Erklärung der Kinderrechte und vor 20 Jahren die Konvention über die Rechte der Kinder verabschiedet.

Darin wurden die Grundrechte für Kinder festgelegt, wie etwa das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung, Ausbildung oder auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause.

Doch nicht immer ist das Verhältnis zu den Kindern und Enkeln einfach. Oft gibt es Streit über die Erziehung der Enkel. Deshalb haben wir die bekannte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und mehrfache Großmutter um Rat gebeten.

Frau Meves, wie wichtig sind Großeltern für die Enkel?
CHRISTA MEVES:
Es ist herrlich, Großmutter zu sein, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Wenn man das Aufwachsen der Enkel begleitet hat, dann hängen sie an den Großeltern, selbst wenn diese weit weg wohnen. Sie kommen dann auch als Erwachsene immer wieder gern. Großeltern wollen ihren Enkeln beistehen und mithelfen, dass es ihnen besser geht als sie es in ihrer eigenen Kindheit erlebt haben.

Fehlt etwas, wenn Großeltern diese Aufgaben nicht übernehmen können oder wollen?
Gewiss. Meist geschieht das, wenn das Verhältnis zu Schwiegertochter oder Schwiegersohn schwierig ist. Besonders Großmütter leiden dann unter einer Entfremdung zu den Kindern und Enkeln. Für die vielen Frauen, die heute gar keine Großmutter mehr werden, besteht die Gefahr einer Altersdepression. Wir sind schließlich keine Einzelwesen, sondern es handelt sich hier um einen Generationenfluss, der einen tiefen Sinn hat.

Christa Meves, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin.

Christa Meves, bekannte Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin.

Wie können Großeltern familiäre Konflikte über die Erziehung der Enkel vermeiden?
Großelternschaft muss man lernen! Das dominante Einmischen ruft Konflikte hervor. Christliche Großeltern treten hinter den Eltern zurück. Nur das ist souverän. Sie geben Rat, wenn man sie fragt, sie kommen, wenn man sie darum bittet. Aber sie drängen sich nicht auf.

Falls doch, müssen sich Schwiegertochter und -sohn wehren. Das kann schwer zu ertragen sein, weil die Großeltern es gut meinen. Aber gut gemeint heißt keineswegs immer ganz gut. Natürlich sollen Großeltern auch für ihre Kinder und Enkel intensiv beten.

Welche Fehler sollten Großeltern gegenüber den Enkeln vermeiden?
Ein Fehler ist zum Beispiel, wenn die Tochter oder der Sohn eine engere Bindung an die Eltern haben als an den Ehepartner. Durch diese “Superbindung” kann es passieren, dass Sohn oder Tochter sich nicht mit dem Ehegatten absprechen, sondern durchsetzen wollen, was die Eltern für richtig halten.

Das können die Hinzugekommenen nicht ertragen, Schwiegersöhne noch weniger als Schwiegertöchter. Denn die Schwiegersöhne wollen selbst Chef sein und nicht jemanden, der im Hintergrund die eigentliche Chefin ist. Wenn man das nicht begreift, entstehen Konflikte, die auch zu Trennungen führen.

Das kürzlich erschienene Bilderbuch der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Das kürzlich erschienene Bilderbuch der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Oft sorgen sich Großeltern, weil Kinder und Enkel den Glauben verloren haben …
… und diese Sorge ist ja heute oft sehr berechtigt. Aber auch hier gilt es gelassen zu bleiben. Am Wichtigsten ist das stetige Gebet. Die Heilige Monika könnte hier das Vorbild sein. Aber auch sonst kann man einiges tun.

Eine wichtige Funktion haben die Großväter. Ich rate, dass sie ein Bilderbuch mit biblischen Geschichten für die Kinder mitbringen. Sie sollten sich mit den Enkeln hinsetzen, aus Büchern vorlesen und gemeinsam mit den Kindern die Bilder betrachten. So werden die Aspekte des Glaubens durch die Geschichten verständlicher. Großeltern können auch das Spezifische der christlichen Feste vermitteln und deren Sinn aufzeigen.

17.Nov 2009 14:53 · aktualisiert: 23.Jan 2014 08:57
KIN / S. Stein