Von der Tragik der Weihnachtsgeschichte

Gedanken zum Vierten Advent von Pater Werenfried van Straaten

Vierter Advent.

Vierter Advent – das Weihnachtsfest ist nah.

Bald wird Weihnachten sein. Der Glanz des Christbaumes und die alten Lieder, die an der Krippe oder im Radio erklingen, werden euch an die unvergessliche Geschichte von Maria und Josef erinnern, die wegen der Laune eines Kaisers im Winter durch das unwegsame Gebirge nach Bethlehem reisten, wo für sie kein Platz in der Herberge war.

Damit begann die Geschichte unseres Heils. Unser Heil wurde teuer bezahlt, nicht nur auf Golgatha, sondern auch in Bethlehem. Der Gesang der Engel, die Güte der Hirten und der Glaube der Könige dürfen uns niemals die Tragik vergessen lassen, die uns im Weihnachtsbericht überliefert worden ist:

Die Tragik der verschlossenen Türen und Herzen. Den Skandal der lieblosen Ungastlichkeit und des Stalles, in dem der Herr geboren wurde. Den Hass des Herodes, der in dem wehrlosen Kind eine Gefahr für seine Herrschaft erblickte. Die Angst von Maria und Josef, die plötzlich davon erfuhren und Hals über Kopf flüchten mussten, mitten in der Nacht, von Versteck zu Versteck, über die Grenze, während hinter ihnen die Todesschreie der unschuldigen Kinder und das verzweifelte Weinen der Mütter zum Himmel stiegen.

Die Heilige Famile – die ersten Flüchtlinge des christlichen Zeitalters

Den Rest können wir uns vorstellen: Die Ankunft in Ägypten, den mühsamen Anfang in einem fremden Land, die Schwierigkeiten mit der Sprache, die Verhöre durch die Polizei, das Misstrauen, der lange Weg von Behörde zu Behörde und von Büro zu Büro, die Formalitäten für Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung . . . Wer nimmt schon gerne einen Fremdarbeiter in Dienst, der mit Frau und Kind illegal über die Grenze kam?

Die Heilige Familie auf der Flucht. Darstellung aus der kürzlich veröffentlichten ukrainischen Ausgabe der Kinderbibel.

Die Heilige Familie auf der Flucht. Darstellung aus der kürzlich veröffentlichten ukrainischen Ausgabe der Kinderbibel.

Jesus, Maria und Josef waren die ersten Flüchtlinge des christlichen Zeitalters. Unzählige mussten später ihr Schicksal teilen. Seit der Nacht, in der der Engel Josef weckte und ihm befahl, mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten zu flüchten, ist die Welt voller Verjagter, Verfolgter und Flüchtlinge, in denen Christus um Liebe und Beistand fleht.

Und wie damals die Hirten dem Christkind Käse oder Milch oder ein warmes Schafsfell brachten und wie es hier oder da auf dem Weg nach Ägypten gutherzige Menschen gab, die der Heiligen Familie halfen, so fällt uns die Aufgabe zu, dem verfolgten Christus von heute überall, wo er in den Geringsten seiner Brüder Not leidet, beizustehen.

Mehr als ein Familienfest mit Christbaum und Gänsebraten

Weihnachten ist mehr als ein Familienfest mit Christbaum, Kerzenlicht, Engelshaar und Gänsebraten. Es ist das Kommen Christi in eine kalte, dunkle, unerlöste Welt. Ohne Zweifel dürfen wir an Weihnachten mit der Freude der Erlösten die Menschwerdung Gottes feiern – auch mit einem Festmahl.

Aber wir dürfen das Wesentliche nicht vergessen: dass Christus in seiner heiligen Kirche und in jedem von uns von neuem Mensch werden will, damit wir seine Gestalt, seine Güte, sein Erbarmen, seine Menschenliebe und Hilfsbereitschaft leuchten lassen in der Finsternis dieser Zeit.

Ausgewählte Gedanken zum Jahreskreis von Pater Werenfried van Straaten aktualisieren wir immer im Vorfeld besonderer Festtage oder Monate. Hier gelangen Sie zu der Seite.

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind als DVD beziehungsweise Hör-CD unentgeltlich bei uns erhältlich.

18.Dez 2009 14:04 · aktualisiert: 29.Nov 2015 08:12
KIN / S. Stein