Angola: Die Hoffnung sichtbar machen

Auch sieben Jahre nach Kriegsende gibt es noch viel in dem Land zu tun

Ein Tor ins Nichts: Das war die Kirche in der Ortschaft Kamanongue.

Ein Tor ins Nichts: Hier stand die Kirche in der Ortschaft Kamanongue.

Solange der Krieg sichtbar ist, ist er nicht vorbei. In diesem Sinn ist Angola ein Land im Krieg. Solange die Kirche nicht wirklich frei ist, solange herrscht Verfolgung. Auch dies ist in Angola der Fall. Aber es ist eine subtile Art der Verfolgung, ohne Folter und Mord, ein schleichender Tod durch Auszehrung.

Überall sind Zeugnisse des Krieges zu sehen, auch wenn er offiziell seit sieben Jahre beendet ist. Es sind die Ruinen der Kirchen und Kapellen, der Priesterseminare und Bischofshäuser. Es sind die fehlenden Priester, die während des Krieges flohen und nun wegen der zerstörten Infrastruktur nicht zurückkehren können.

Zur Bilderstrecke

Die Bischöfe können auf kaum 500 Diözesanpriester zählen, für knapp zehn Millionen Katholiken. Fast jeder vierte Priester arbeitet als Lehrer an einer Schule. Die Armut treibt sie dazu, die (marxistische) Regierung fördert es. Auf diese Weise wird die Zeit der Priester besetzt. Diese Zeit fehlt der Pastoral.

Denn die Priester müssen alles Mögliche unterrichten, am seltensten Religion. In den staatlichen Schulen unterliegen sie den staatlichen Unterrichtsplänen und sind der Manipulation einer materialistischen Umgebung ausgesetzt. Manche geben nach und verlieren ihre Beru­fung.

Die Kapelle dient auch als Schule.

Die Kapelle dient auch als Schule.

Zurück blei­ben besorgte Bi­­­schöfe, verlassene Katecheten und sakramental verwaiste Gemeinden, nicht selten mit der Ruine der alten Kirche. Die Rechnung der Marxisten scheint aufzugehen: Die Zahl der Berufungen ist nach dem Krieg gefallen. Priester, die mehr verdienen als der Durchschnitt der Bevölkerung, erwecken den Eindruck, der Kirche gehe es gut.

Die Regierung verstärkt diesen Eindruck, indem sie für den Bau einer Kathedrale viel Geld zur Verfügung stellt und so die Kirche in den Verruf der Kollaboration bringt. Auch den Bau von Schulen und Krankenhäusern unterstützt der Staat. Aber für Kirchen und Kapellen oder Seminare gibt es keinen Cent. Deshalb ist der Wiederaufbau einer Kapelle oder Kirche eine unschätzbare, weitreichende Hilfe. Ein intaktes Gotteshaus untermauert die Berufungen der Priester.

Dom Jesus Tirso Blanco, Bischof von Lwena, vor einer Dorfkirche.

Dom Jesus Tirso Blanco, Bischof von Lwena, vor einer Dorfkirche.

Mehrere Bischöfe haben uns um diese Hilfe gebeten. Das können Reparaturen sein oder der Bau einer neuen Kirche in Städten, in denen es noch keine Pfarreien gibt, wie in der erst vor sechs Jahren entstandenen Stadt Panguila. Dort leben in der Zwischenzeit 45 000 Menschen, weil sie aus der Hauptstadt Luanda vertrieben wurden.

Ein weiteres Beispiel ist die Stadt Milunga: In dieser Geisterstadt will der Bischof von Uije, Emilio Sumbelelo, das Gotteshaus aus den Ruinen auferstehen lassen, um der Bevölkerung zu zeigen, dass die Kirche sie nicht im Stich lässt.

Trotz vieler Ruinen geben die Menschen nicht auf. Das Graffiti heißt übersetzt: Wir werden ein neues Angola aufbauen ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

Trotz vieler Ruinen geben die Menschen nicht auf. Das Graffiti heißt übersetzt: Wir werden ein neues Angola aufbauen ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

Das Land ist reich, das Volk arm. Die Wirtschaft boomt, nicht selten treiben Chinesen sie an. Der Reichtum an Bodenschätzen ist eine potenzielle Gefahr für den Frieden im Land. Konflikte können jederzeit wieder ausbrechen. Der Besuch des Papstes vor einem Jahr hat den Menschen Hoffnung gebracht auf wirklichen Frieden und Versöhnung. Das sichtbar zu machen ist auch unsere Aufgabe.

13.Jan 2010 11:17 · aktualisiert: 9.Mrz 2010 11:21
KIN / S. Stein