Haiti: Helfen Sie den Opfern des Bebens

KIRCHE IN NOT stellt eine Soforthilfe von 70 000 US-Dollar bereit

Die Kathedrale in Port-au-Prince ist komplett zerstört, nur das Kruzifix ist noch erhalten.

Die Kathedrale in Port-au-Prince ist komplett zerstört, nur das Kruzifix ist noch erhalten.

Unser Hilfswerk stellt für die besonders betroffenen Opfer des Erdbebens in Haiti eine Soforthilfe von 70 000 US-Dollar (ca. 50 000 Euro) zur Verfügung.

Der Betrag wird für Lebensmittel, Trinkwasser, Kleidung, medizinische Hilfe, Decken und Zelte verwendet werden. Diese Soforthilfe ist die erste von voraussichtlich mehreren Hilfszahlungen in den nächsten Monaten für Haiti

Auch fünf Tage nach dem schweren Erdbeben ist die Situation in Haiti unübersichtlich. Zwar ist die internationale Hilfe angelaufen, aber in der Hauptstadt Port-au-Prince herrschen noch immer Trauer und Chaos. Es kommt zu Plünderungen.

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Besonders betroffen ist die Region rund um die Hauptstadt Port-au-Prince. Hier leben etwa drei Millionen Menschen. Selbst massive Gebäude, wie der Präsidentenpalast, die Kathedrale oder Gebäude der Vereinten Nationen, sind eingestürzt.

Tausende Menschen wurden obdachlos, es fehlt an medizinischer Versorgung. Haiti gilt als einer der ärmsten Staaten der Erde, daher trifft dieses Erdbeben das Land besonders hart. Es war das schwerste Erdbeben in Haiti seit mehr als 200 Jahren.

“Wir haben kein Trinkwasser und keine Lebensmittel”

Mitarbeiter unseres Hilfswerks haben in der Zwischenzeit einige kirchliche Ansprechpartner erreicht, die uns die schwierige Lage in E-Mails oder Telefonaten geschildert haben. “Wir haben keine Häuser mehr, kein Wasser, keine Lebensmittel”, schreibt ein Priester aus Port-au-Prince.

Unter den zahlreichen Todesopfern ist auch der Erzbischof von Port-au-Prince, Joseph Serge Miot. Er hatte seine Laufbahn mit Hilfe eines Stipendiums von KIRCHE IN NOT eingeschlagen. Aber auch zahlreiche weitere Priester und Ordensleute sind ums Leben gekommen. Noch immer sind viele Menschen unter den Trümmern verschüttet. Zahlreiche Kirchen, Gemeindehäuser, Ordenshäuser und das Priesterseminar sind zerstört.

Unter diesen Trümmern sind neun Seminaristen ums Leben gekommen. Sie wollten sich in einem Minibus retten, als das Gebäude über ihnen einstürzte.

Unter diesen Trümmern sind neun Seminaristen ums Leben gekommen. Sie wollten sich in einem Minibus retten, als das Gebäude über ihnen einstürzte.

Ein großes Problem der Rettungskräfte in Haiti besteht darin, dass die staatlichen Stellen nicht in der Lage sind, die katastrophale Lage in den Griff zu bekommen. Daher kommt die Hilfe beinahe ausschließlich von internationalen Organisationen wie der UNO oder direkt von den Menschen vor Ort. “Die noch bestehenden Zentren der Seelsorge sind nach dem Erdbeben zu wichtigen Koordinationspunkten für die Hilfe geworden”, so unser Lateinamerika-Referent.

Das belegt unter anderem ein Email des Vatikanbotschafters in Port-au-Prince, Bernardito Auza, das uns am vergangenen Donnerstag erreicht hat. Darin betont Auza, dass sich die Bischöfe des Landes mit den Leitern der Caritas und anderer Hilfsorganisationen täglich in der Nuntiatur träfen und von dort aus die humanitäre Hilfe planen. Genau solche Stützpunkte für humanitäre Hilfe möchten wir in den kommenden Wochen mit der Soforthilfe ausbauen.

Blick auf die Überreste der Kathedrale in Port-au-Prince.

Blick auf die Überreste der Kathedrale in Port-au-Prince.

Sobald die Bergungsarbeiten beendet sind, wird sich unser Hilfswerk an den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen und Gemeindezentren Haitis machen. Allein im Großraum Port-au-Prince müssen hunderte Kirchen völlig neu errichtet werden. Dazu sind die Menschen in Haiti nicht ohne fremde Hilfe in der Lage.

Unser Hilfswerk unterstützt in Haiti einige Projekte. So unterstützen wir beispielsweise die Ausbildung von Katecheten, die den Pfarrern bei ihrer Arbeit zur Seite stehen, oder auch die katholische Rundfunkarbeit bei dem kleinen Sender “Radio Sonne”. Im Jahr 2008 konnten wir dank Ihrer Hilfe fast eine Million Euro für Projekte in Haiti zur Verfügung stellen.

Haiti liegt im Westen der Karibikinsel Hispaniola und ist etwas kleiner als das Bundesland Brandenburg. Von den 8,6 Millionen Einwohnern sind 95,8 Prozent Christen, darunter sieben Millionen Katholiken. Das ohnehin arme Land wurde erstin jüngster Zeit von einer Naturkatastrophe getroffen: im Sommer 2008 fegten mehrere Hurrikans über das Land, die schwere Überschwemmungen verursachten. Dabei kamen mehr als 500 Menschen ums Leben.

Zu tausenden campieren die Menschen im Garten einer kirchlichen Einrichtung.

Zu tausenden campieren die Menschen im Garten einer kirchlichen Einrichtung.

Aufruf von Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz:

“Ich lade alle ein, sich meinem Gebet für die Opfer dieser Katastrophe und alle, die um sie trauern, anzuschließen. Ich versichere allen, die ihr Haus verloren haben oder in anderer Form durch das Erdbeben betroffen sind, meinen spirituellen Beistand und bitte Gott, sie in ihrem Leid zu trösten und es zu erleichtern.

Auch appelliere ich an die Großzügigkeit aller, damit es den betroffenen Brüdern und Schwestern in diesem Moment der Not und des Schmerzes nicht an unserer konkreten Solidarität und der tatkräftigen Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mangle. Auch die katholische Kirche und ihre karitativen Einrichtungen werden der Bevölkerung unverzüglich Hilfe bereitstellen.”

14.Jan 2010 09:53 · aktualisiert: 16.Apr 2013 09:44
KIN / S. Stein