VII. Pater-Werenfried-Jahresgedenken in Köln

“Denkt ihr denn gar nicht an Gott?”

Über 800 Wohltäter von KIRCHE IN NOT feiern Heilige Messe im Kölner Dom

Joachim Kardinal Meisner beim Podiumsgespräch im Maternushaus.

Joachim Kardinal Meisner beim Podiumsgespräch im Maternushaus.

Mit einer Heiligen Messe hat Joachim Kardinal Meisner am vergangenen Samstag das siebte Jahrgedächtnis für unseren Gründer, Pater Werenfried van Straaten, eröffnet. Etwa 800 Wohltäter von KIRCHE IN NOT waren dazu in den Dom und in das Maternushaus nach Köln gekommen.

Kardinal Meisner würdigte seinen Freund und Weggefährten Pater Werenfried in seiner Predigt im Dom als “Mönch, Prophet und Priester”.

Der “Speckpater” sei nie “von irgendwelchen materiellen oder vordergründigen Interessen” fremdgesteuert gewesen. Nur darum habe er sein Werk aufbauen und damit ein “leuchtendes Zeichen” der Nächstenliebe sein können.

Werenfried sei “in Person ein Protest” gegen den Zeitgeist gewesen. Aus seiner Freiheit heraus habe Werenfried priesterlich und prophetisch handeln und die Nöte seiner Zeit rechtzeitig erkennen können. “Pater Werenfried baute in seinem Werk Sanatorien Gottes in unsere Welt hinein”, sagte der Kardinal und rief unser Hilfswerk auf, dem Gründer gegen jede Anpassung an den Zeitgeist treu zu bleiben.

Er mahnte: “Wehe, wenn Werenfrieds Werk aus Gründen der Anpassung oder der politischen Korrektheit seinen Kurs in die andere Richtung ändert!”

Joachim Kardinal Meisner und Konzelebrant Pater Hermann-Josef Hubka, Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Joachim Kardinal Meisner und Konzelebrant Pater Hermann-Josef Hubka, Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Diese Mahnung griff auch unsere Geschäftsführerin, Karin Maria Fenbert, in ihrer Begrüßung zu Beginn der Nachmittagsveranstaltung vor über 500 Besuchern im voll besetzten Maternushaus auf. Dem Zeitgeist eine katholische Antwort zu geben, sei das Hauptanliegen der Medienarbeit von KIRCHE IN NOT. Darum wurde auch eine kritische Bilanz über den Umgang der Deutschen mit Papst Benedikt XVI. während der vergangenen fünf Jahre gezogen.

Den Anfang dieser Bilanz machte der Kölner Weihbischof Heiner Koch, der das erste Großereignis mit Papst Benedikt XVI., den Weltjugendtag 2005 in Köln, federführend organisiert hatte. “Es ist etwas aufgebrochen in den vergangenen Jahren”, betonte der Weihbischof. Nach den wunderbaren Erlebnissen des Weltjugendtages mit rund um die Uhr betenden und begeisterten Jugendlichen habe sich kein Alltag eingestellt, sondern vielmehr ein verstärktes Suchen nach Sinn.

Der Gottesdienst im voll besetzten Kölner Dom wurde musikalisch von Maite Kelly begleitet.

Der Gottesdienst im voll besetzten Kölner Dom wurde musikalisch von Maite Kelly begleitet.

“Ich bin nicht erlöst und ich kann nicht erlöst werden”, diese Einstellung sehe er bei vielen Jugendlichen, sagte Weihbischof Koch. In dieser Situation sei Papst Benedikt XVI. “das Geschenk schlechthin an die Jugend der Welt”. Der Papst verstehe es, kein Kirchenlatein, sondern die Sprache aller Menschen zu sprechen.

Das sei schon auf dem Kölner Weltjugendtag deutlich geworden, bei dem nicht der Papst oder die Jugendlichen, sondern allein Gott im Mittelpunkt gestanden habe. Die große Frage Papst Benedikts an seine Zeit laute: “Denkt ihr denn gar nicht an Gott?” Und die junge Generation nehme diese Frage auf.

Kardinal Joachim Meisner bei seinem Impulsvortrag.

Kardinal Joachim Meisner bei seinem Impulsvortrag.

Diesen Gedanken führte Joachim Kardinal Meisner in seinem Impulsvortrag zur Frage “Den Papst verteidigen – aber wie?” weiter. “Wir verteidigen den Papst am besten, indem wir die Gottesfrage stellen und beantworten”, sagte der Kardinal.

Dazu wünsche er sich mehr Glaubenswissen unter den Katholiken. Es sei beschämend, wenn Katholiken nichts mehr über das christliche Gottesbild wüssten.

Er wünsche sich eine Kirche, die sich nicht ducke. “Wir Katholiken sind bei der Firmung auf die Stirn geweiht worden und nicht auf den Rücken!”, rief der Kardinal aus. Die Angriffe auf Papst Benedikt XVI. während der vergangenen fünf Jahre führte Meisner vor allem auf die anhaltende “Kritik seiner Artgenossen” zurück.

Schon als junger Professor habe Joseph Ratzinger die Hörsäle gefüllt, während andere Theologen vor halbleeren Räumen doziert hätten. Das habe zu einem “Futterneid” geführt, den man leider heute noch bemerken könne. Andererseits hätte ein Nachfolger Petri, falls er von allen gelobt würde “sicher etwas falsch gemacht”, stellte Meisner fest. Daher sei die Welle der Kritik ein Indiz für das segensreiche Wirken Benedikts XVI.

In seinem Vortrag und im anschließenden Podiumsgespräch mit Weihbischof Koch und dem Mitbegründer der “Generation Benedikt”, Nathanael Liminski, gab Kardinal Meisner auch Einblicke in das Denken und Fühlen Benedikts vor und nach der Papstwahl.

Podium zum Thema 5 Jahre Papst Benedikt XVI. - 5 Jahre Weltjugendtag in Köln mit Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln), Heiner Koch (Weihbischof im Erzbistum Köln), Nathanael Liminski (Generation Benedikt) (v.l.).

Podium zum Thema “5 Jahre Papst Benedikt XVI. – 5 Jahre Weltjugendtag in Köln” mit Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln), Heiner Koch (Weihbischof im Erzbistum Köln), Nathanael Liminski (Generation Benedikt) (v.l.).

Er erinnerte sich, wie Joseph Ratzinger vor dem Konklave “inmitten eines riesigen Bergs von Akten” gesessen habe, die der verstorbene Papst Johannes Paul II. ihm zur Bearbeitung übergeben habe. Meisner habe ihn in dieser Situation darauf angesprochen, dass er in ihm den nächsten Papst sehe.

Ratzinger habe geantwortet: “Bete für mich, dass dieser Kelch an mir vorüber geht.” Zwar habe ihm Joseph Ratzinger  habe ihm leid getan, sagte Meisner, aber “um der Kirche willen konnte ich ihn nicht schonen”.

Nathanael Liminski forderte als Antwort auf die Forderungen Meisners alle Katholiken auf, “Gesichter ihres Glaubens” zu werden. Viele würden in der Kirche nur noch Fragen stellen, doch nur wenige seien bereit, Antworten auf diese Fragen zu geben. Die “Generation Benedikt” wolle vor allem junge Katholiken zu mehr öffentlichem Engagement anregen.

19.Jan 2010 14:52 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:44
KIN / S. Stein