Nigeria: Religiöse Unruhen fordern Todesopfer

Blutige Kämpfe zwischen Christen und Muslimen – Tausende auf der Flucht

Zerstörtes Fenster einer Kirche in Nigeria.

Zerstörtes Fenster eines Pfarrzentrums in Kaduna / Nigeria.

Seit dem Wochenende ist es in der Stadt Jos in Zentralnigeria zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gekommen.

Wie viele Menschen bei den Unruhen ums Leben gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Agenturen sprechen von bis zu 200 Toten. Obiora Ike, Prälat im Bistum Enugu (Südnigeria), sprach in einem Telefonat mit unserem Hilfswerk von 50 Toten.

Bei den Kämpfen wurden Hunderte verletzte, viele Menschen sind aus Angst geflohen. Nach nigerianischen Medienberichten hat sich die Gewalt auch auf Nachbarstädte ausgebreitet. So wurden auch Unruhen in der 100 Kilometer entfernten Stadt Pankshin gemeldet, berichtet ORF.

Die Polizei verhängte eine Ausgangssperre über die Stadt Jos, um Unruhen wie im November 2008 zu vermeiden. Damals waren nach lokalen Wahlen Kämpfe ausgebrochen.

Die Meldungen zur Ursache der blutigen Kämpfe sind unterschiedlich: einige Agenturen melden, dass der Streit sich am Bau einer Moschee in einem mehrheitlich christlichen Gebiet entzündete; andere sprechen davon, dass es zu einem Streit zwischen Nachbarn beider Religionen über den Wiederaufbau von im November 2008 zerstörten Häusern ginge.

Straßenszene in der zentralnigerianischen Stadt Jos.

Straßenszene in der zentralnigerianischen Stadt Jos.

Die Stadt Jos liegt in Zentralnigeria, an der Nahtstelle zwischen dem christlichen geprägten Süden des Landes und dem mehrheitlich muslimischen Norden. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Konflikten zwischen den Anhängern beider Religionen. 2006 wurden unter anderem mehrere Kirchen von fanatischen Muslimen zerstört, nach dem in einer dänischen Zeitung Karrikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht wurden.

Schlagworte:
Erzdiözese Jos · Islam · Muslime · Nigeria · Obiora Ike · Unruhen
20.Jan 2010 16:21 · aktualisiert: 11.Nov 2013 14:46
KIN / S. Stein