“Ich kann leider keine Reissäcke vermehren”

Neuigkeiten von unseren Ansprechpartnern im Erdbebengebiet in Haiti

Dieses Kruzifix blieb unversehrt.

Dieses Kruzifix blieb unversehrt.

Fast zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben wurde im Erdbebengebiet in Haiti ein Mann lebend aus den Trümmern gerette. Offenbar ist er ein Opfer der zahlreichen Nachbeben geworden, die es in den vergangenen 14 Tagen gab.

Auch am Dienstag gab es ein erneutes schwereres Nachbeben mit der Stärke 4,9. Das Epizentrum lag 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Ob es weitere Opfer dadurch gegeben hat, ist noch unklar.

Die Regierung plant nun, vor der Stadt ein riesiges Übergangszeltlager für 400 000 Menschen einzurichten, die durch das Beben obdachlos geworden sind. Dort werden die Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Arzneien versorgt werden können. Gleichzeitig können die Aufräumarbeiten in den Straßen der Hauptstadt weitergehen.

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In der Zwischenzeit spricht die Regierung von vermutlich 150 000 Toten. Außerdem wurden vermutlich eine Viertel Million Menschen verletzt, 1,5 Millionen obadachlos. Vor dem Beben lebten 8,2 Millionen Menschen in Haiti.

Drei Viertel der Hauptstadt Port-au-Prince sind zerstört. Die Stadt Leogane, etwa 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince, ist gar zu 80 bis 90 Prozent zerstört. Menschen leben in kleinen Holzverschlägen auf der Straße. Viele Menschen fliehen aus der Stadt in die ländlichen Gebiete, wieder andere verlassen das Land auf dem Seeweg.

Der Tabernakel konnte aus den Trümmern der Kirche geborgen werden.

Der Tabernakel konnte aus den Trümmern der Kirche geborgen werden.

Uns erreichen fast täglich neue Nachrichten von kirchlichen Ansprechpartnern im Katastrophengebiet. Sie bedanken sich darin ausdrücklich für das begleitende Gebet und die Solidarität und bitten uns weiterhin um Unterstützung. “Ich bitte euch um Hilfe, denn es sind besonders viele arme Menschen betroffen: Sie brauchen Lebensmittel, Medizin, Kleider und sauberes Trinkwasser”, schreibt beispielsweise ein Priester aus dem Norden des Landes.

Unterstützung aus dem Nachbarland notwendig

Der Nuntius von Haiti, Bernardito Auza, hatte sich mit den Bischöfen, die das Beben überlebt haben, getroffen, um die Hilfe im Land besser koordinieren zu können. Dabei ist er auch auf die Unterstützung des Vatikanbotschafters aus Santo Domingo, der Hauptstadt des Nachbarlandes Dominikanische Republik, angewiesen.

Auch in der Nuntiatur in Port-au-Prince gehe das Essen zur Neige, schreibt Bernardito Auza, denn Bischöfe und Koordinatoren bitten ihn um Lebensmittel. “Sie können nirgendwo anders Brot kaufen. Leider kann ich meine Reissäcke nicht vermehren. Daher brauchen wir die Hilfe des Nuntius aus Santo Domingo.”

Die Kirche ist völlig zerstört - wie viele andere im Land.

Die Kirche ist völlig zerstört – wie viele andere im Land.

In seinem Email schreibt er, dass noch 30 Seminaristen sowie ein Gründer des Seminars vermisst würden. Ein religiöses Bildungszentrum sei eingestürzt und habe Dutzende eingeschlossen. Fast alle Seminaristen des Montfortaner-Ordens seien umgekommen, als das Haus auf ihren Minibus stürzte, als sie gerade eingestiegen seien.

Viele Kirchen sind zerstört

Im philosophischen Gebäude des Seminars seien sieben Seminaristen umgekommen und viele verwundet worden. Viele Schwestern des Ordens “Filles de Marie” lägen noch unter Trümmern, ihre Provinzialin sei tot und diejenigen, die gerettet wurden, seien verwundet.

Bei dem schweren Erdbeben wurden viele Kirchen komplett zerstört, darunter auch die Kathedrale in der Hauptstadt Port-au-Prince. Die von KIRCHE IN NOT unterstützten katholischen Rundfunkstationen “Radio und TV Sonne” existieren seit der vergangenen Woche nicht mehr. Der Nuntius hat dem Priester, der die Stationen betreute, ein neues Radio versprochen.

Die Überbleibsel der Kathedrale von Port-au-Prince.

Die Überbleibsel der Kathedrale von Port-au-Prince.

An diesem Samstag ist die Beerdigung des verstorbenen Erzbischofs von Port-au-Prince, Joseph Serge Miot. Es wird allerdings nur eine vorübergehende Beerdigung sein können, denn es sei sein Wunsch gewesen, in der Kathedrale bestattet zu werden, so der Nuntius. Eines Tages werde der Leichnam in das neue Gotteshaus überführt werden. Doch dies wird sicherlich noch lange dauern, bis es wieder eine neu errichtete Kathedrale in Port-au-Prince geben wird.

Helfen Sie mit Ihrer Spende den Menschen in Haiti! Auch kleine Beträge helfen weiter.

Hier können Sie direkt für die Betroffenen spenden. Bitte geben Sie als Verwendungszweck “Haiti” an.

So können Sie die Menschen in Haiti unterstützen:

20.Jan 2010 11:39 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:42
KIN / S. Stein