“Es fehlt eine soziale Sicherheit”

Erzbischof ruft die Regierung auf, Nigeria zu einem “besseren Land” zu machen

Ignatius Ayau Kaigama, Erzbischof von Jos.

Ignatius Ayau Kaigama, Erzbischof von Jos.

Der Erzbischof von Jos, Ignatius Ayau Kaigama, hat nach den gewaltsamen Ausschreitungen, zu denen es in der Stadt Jos gekommen ist und bei denen zahlreiche Menschen getötet wurden, sowohl die nigerianische Regierung als auch die nationalen und internationalen Medien kritisiert.

Unserem Hilfswerk gegenüber erklärte er, dass viele Medien die Konflikte anheizen würden, indem sie falsche Informationen vermittelten und versuchten, durch die Veröffentlichung möglichst vieler Bilder Leser und Zuschauer anzuziehen. Dies sei “kontraproduktiv”.

Zudem hätten Christen in den Medien oftmals keine Stimme, so dass sie in vielen Fällen als Aggressoren dargestellt würden. Viele Menschen würden der Berichterstattung glauben, als handele es sich um das Evangelium. Sie seien sich dessen nicht bewusst, dass es sich oftmals nicht um Fakten, sondern um die Meinung von Journalisten handele. Er fordere daher eine “sorgfältige und vorsichtige Berichterstattung”.

Im Falle der aktuellen Ausschreitungen sei die Faktenlage noch vollkommen unklar. Vieles von dem, was als Tatsache dargestellt worden sei, habe lediglich auf Gerüchten beruht, kritisierte der Erzbischof. Zudem sei den Medien oftmals daran gelegen, möglichst viel über Gewalt zu berichten, ohne sich um Themen von wirklicher Bedeutung zu kümmern, wenn es um Nigeria gehe.

Kinder und Jugendliche vor einer Kirche in Nigeria.

Kinder und Jugendliche vor einer Kirche in Nigeria.

Laut Erzbischof Kaigama handele es sich im Gegensatz zur allgemeinen Berichterstattung nicht um religiös motivierte Gewalttaten, sondern um soziale, politische und ethnische Konflikte. Die nigerianische Regierung versäume es, den Menschen in Nigeria soziale Sicherheit zu verschaffen.

Ein großer Teil der Jugend sei ohne Zukunft; es gebe für sie keine Arbeitsstellen. Diese Jugendlichen seien frustriert und verzweifelt, so dass es zu Gewalt komme. Oft werde diese Gewaltbereitschaft dabei von politischen und religiösen Führern missbraucht. In vielen Fällen handele es sich auch um ethnische Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen.

Menschen sind unzufrieden

Erzbischof Kaigama rief die Regierung auf, Nigeria zu einem “besseren Land” zu machen, das Potenzial der Nigerianer zu entwickeln und den Menschen Sicherheit zu geben. Nicht nur junge Menschen seien unzufrieden, sondern auch viele Erwachsene, denen beispielsweise für harte Arbeit keine oder nur verspätet Löhne ausgezahlt würden. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach.

Nahezu alle sozialen Dienste in Nigeria werden von der Kirche geleistet. Ihre Arbeit wird aber von der Regierung nicht unterstützt, sondern ist auf die Unterstützung von Hilfswerken angewiesen. Die nach den gewaltsamen Übergriffen verhängte Ausgangssperre erschwere die Arbeit der Kirche zusätzlich und schüre die Spannungen in der Gesellschaft noch weiter, berichtet er.

Die Überreste der Kirche St. Rita in Maiduguri. Sie wurde 2006 bei Ausschreitungen von fanatischen Muslimen zerstört. Auslöser waren damals die in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen.

Die Überreste der Kirche St. Rita in Maiduguri. Sie wurde 2006 bei Ausschreitungen von fanatischen Muslimen zerstört. Auslöser waren damals die in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen.

Es müsse ein Anliegen der Kirche sein, den christlich-islamischen Dialog weiterzuführen und ihn zu verstärken, betonte der Erzbischof. Zwar gebe es Menschen, die dies für weniger sinnvoll halten, jedoch seien Konflikte “noch nie hilfreich gewesen”.

Friedens- und Versöhnungsarbeit an der Basis

Es sei wichtig, ein Klima der Harmonie und des Friedens zu schaffen und dafür vor allem mit der Jugend zu arbeiten. Hier gebe es zahlreiche Projekte, in denen christliche und muslimische Jugendliche zusammen “lernen und arbeiten”, so Kaigama. Auch die Ausbildung der angehenden Priester und der Katecheten sei von großer Bedeutung, da sie auf die Menschen zugehen, Hoffnung schenken und an der Basis Friedens- und Versöhnungsarbeit leisten.

Unser Hilfswerk ruft die Christen in aller Welt auf, um Frieden und Versöhnung für Nigeria zu beten. Wir unterstützen zahlreiche Projekte in Nigeria, darunter die Ausbildung von Priestern und Katecheten sowie die Versöhnungsarbeit der katholischen Kirche mit den muslimischen Gläubigen.

22.Jan 2010 12:53 · aktualisiert: 11.Nov 2013 14:39
KIN / S. Stein