Kirche in der Verantwortung für Entwicklung

Obwohl es in Äthiopien kaum Katholiken gibt, ist die Kirche doch präsent

Kind aus Äthiopien.

Kind aus Äthiopien.

Äthiopien ist ein Land mit materieller Armut, aber auch unermesslichen kulturellen Reichtums. Einst Geburtsstätte und über Jahrhunderte Schauplatz einer Hochkultur, lähmen den mehr als eine Million Quadratkilometer großen Staat seit Jahrzehnten politische Konflikte, die die Kontrahenten immer wieder mit Gewalt zu lösen suchten.

Die Folgen: Das stark landwirtschaftlich geprägte Land ist nur mäßig entwickelt und wurde mehrfach von Hungersnöten heimgesucht. Rund die Hälfte der 85 Millionen Einwohner gilt heute als unterernährt.

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Hoch ist zudem die Zahl der Analphabeten. In der Altersgruppe bis 24 Jahre liegt sie Schätzungen zufolge bei rund 49 Prozent.

Etwa zwei Drittel der Äthiopier sind Christen, die sich überwiegend zur äthiopisch-orthodoxen Kirche bekennen. Den verschiedenen protestantischen Kirchen gehören rund 20 Prozent an, der katholischen Kirche weniger als ein Prozent; rund ein Drittel der Bevölkerung sind Muslime.

Obwohl die katholische Kirche statistisch gesehen bedeutungslos ist, trägt sie doch wesentlich zur Entwicklung des Landes bei. Hauptfelder des kirchlich-sozialen Engagements in dem häufig von Dürren, Missernten und Hungersnöten gebeutelten Land sind das Gesundheits- und Erziehungswesen sowie die Wassergewinnung.

Blick in die bescheidene Wohnung einer Familie. Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde. Etwa die Hälfte der Einwohner gilt als unterernährt.

Blick in die bescheidene Wohnung einer Familie. Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde. Etwa die Hälfte der Einwohner gilt als unterernährt.

In der äthiopischen Diözese Emdibir mit nur 0,7 Prozent Katholiken trägt die Kirche 90 Prozent der sozialen Arbeit. Darauf hat der Bischof von Emdibir, Abune Musie, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT hingewiesen. Seit Jahren unterstützen wir zahlreiche kirchliche Initiativen im Land. Abune Musie, der dem Kapuzinerorden angehört, leitet das südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba im Hochland von Äthiopien gelegene Bistum seit seiner Gründung im Jahr 2003.

Auch Abraham Desta, Bischof von Meki, einer der Nachbardiözesen im Süden Äthiopiens, sieht die soziale Verantwortung der Kirche, die mit ihren pastoralen Aufgaben eng verknüpft ist. Schwerpunkte sind Bildung, Gesundheitsversorgung, landwirtschaftliche Entwicklung.

Äthiopien ist extrem jung: 46 Prozent der Äthiopier sind jünger als 14 Jahre alt. Für die Entwicklung des Landes ist die Ausbildung der nächsten Generation daher entscheidend. Neben der Vermittlung von Allgemein- und Fachwissen kommt es dabei darauf an, soziale Verantwortung zu fördern und ethnische Gegensätze zu überwinden.

Die Ausbildung von Katecheten ist den Bischöfen sehr wichtig.

Die Ausbildung von Katecheten ist den Bischöfen sehr wichtig.

In der Seelsorge ist für die Kirche die Arbeit von Katecheten unverzichtbar. Ihrer Ausbildung kommt nach den Worten der Bischöfe eine besondere Bedeutung zu. Nur wenig trennt nach Ansicht der Bischöfe die katholische und die orthodoxe Kirche, die sich in Äthiopien auf eine zweitausendjährige Tradition berufen können. Wegen der ethnischen und sozialen Spannungen im Land ist die Arbeit der Kirchen wichtig für die Versöhnung.

Die katholische Kirche in Äthiopien hat zwei liturgische Traditionen: nördlich der Hauptstadt Addis Abeba ist der “Ge’ez-Ritus” üblich, den auch die äthiopisch-orthodoxe Kirche pflegt; südlich davon feiern die Menschen den lateinischen Ritus in der jeweils gebräuchlichen Stammessprache.

Mit Sorge betrachten die Bischöfe die zunehmende Organisation politischer Parteien nach ethnischer Zugehörigkeit. Problematisch sei auch die Zunahme evangelikaler Gruppen, die massive Unterstützung aus den USA erhielten, deren aggressive Evangelisierung aber nicht zu einem friedlichen Miteinander der Religionen beitrage.

Schlagworte:

Aktuelle Meldungen · Abune Musie · Addis Abeba · Armut · Äthiopien · Emdibir · Katechetenausbildung · Meki · orthodoxe Kirche

5.Feb.2010 14:10 UhrKIN / S. Stein

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