Ein Leben für andere

Schwester Ana de Jesus lebte bis zu ihrem Tod 64 Jahre im Kloster

Schwester Ana de Jesus, wenige Wochen vor ihrem Tod.

Schwester Ana de Jesus, wenige Wochen vor ihrem Tod.

Schwester Ana de Jesús raucht ihre letzte Zigarette. Die 31-jährige Kolumbianerin steht an der Schwelle zum Sankt-Josef-Konvent in Pereira. Die Stadt liegt im “goldenen Dreieck”, zwischen den kolumbianischen Großstädten Bogotá, Cali und Medellin.

Ana de Jesús ist entschlossen, dem Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen beizutreten. Auf das Rauchen wird sie fortan verzichten müssen, es passt nicht so recht zum neuen Lebensstil.

Der Alltag der Schwester soll von nun an von Bescheidenheit und Verzicht geprägt sein, was der Namenszusatz “unbeschuht” andeuten will. Sie wird kontemplativ leben, das heißt, sich ganz dem Gebet widmen.

Die Unbeschuhten Karmelitinnen berufen sich auf die spanische Ordensfrau Teresa von Ávila, die den 1150 gegründeten Karmeliternorden im 16. Jahrhundert reformiert hatte. Sie wollte der ursprünglichen Ordensregel folgen, die zu einem Leben des Gebets und der strengen Entsagung verpflichtet.

Maximal 21 Schwestern dürfen in einem Karmel leben

Die auf dem Berg Karmel im heutigen Israel gegründete Gemeinschaft war zunächst nur Männern vorbehalten. Nachdem die Karmeliter im 13. Jahrhundert aufgrund des wachsenden muslimischen Einflusses nach Europa ausgewichen waren, schlossen sich ihnen die ersten Frauen an, die bald einen eigenen Orden bildeten.

Diesen führte Teresa zusammen mit dem Priester Johannes vom Kreuz schließlich zu seinen Ursprüngen zurück. Sie scharte weitere Schwestern um sich und gründete 1562 ein erstes Reformkloster im spanischen Ávila. Da nach der Ordensregel nicht mehr als 21 Schwestern in einem “Karmel” leben konnten, folgten rasch weitere Gründungen. Heute gehören dem Orden weltweit mehrere tausend Schwestern an.

Heilige Messe im Kloster der Karmelitinnen in Pereira.

Heilige Messe im Kloster der Karmelitinnen in Pereira.

Bevor Schwester Ana de Jesús zu den Unbeschuhten Karmelitinnen ging, hatte sie bei einer anderen, aus dem Karmeliternorden erwachsenen Gemeinschaft, den “Carmelitas Misioneras”, den Beruf einer Krankenpflegerin erlernt. Das Wissen brachte sie nun mit in ihren neuen Orden. Die Aufgaben, die ihr hier übertragen wurden, nahm sie gewissenhaft an.

“Sie führte die Krankenstation exzellent, arbeitete ohne Ansprüche, diente ihren Mitschwestern unauffällig und sorgte für ihre Gesundheit. Ihre Freude war ansteckend”, so die Oberin des Ordens, Schwester Amparo de la Santissima Trinidad in einem Schreiben an uns. Die Gemeinschaft wird von uns finanziell unterstützt.

Dem bekannten Ausspruch von Teresa von Ávila, “Gott allein genügt”, habe Ana de Jesús durch ihr Leben voll und ganz entsprochen, ergänzt Schwester Amparo.

Schwestern Ana de Jesús, Jahrgang 1914, trat der Gemeinschaft der Unbeschuhten Karmelitinnen im August 1945 bei und lebte dort 64 Jahre lang. Sie starb bereits am 21. September 2009 im Beisein ihrer Mitschwestern.

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Bogota · Karmelitinnen · Kolumbien · Medellin
KIN / S. Stein