Ein ereignisreiches Leben

Zum 90. Geburtstag der bekannten Autorin Christa Meves

Christa Meves bei ihrem Vortrag bei unserem Kongress Treffpunkt Weltkirche 2008 in Augsburg.

Christa Meves bei ihrem Vortrag beim Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008 in Augsburg.

Am 4. März wird die bekannte Autorin sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves 90 Jahre alt. Sie fühlt sich seit vielen Jahren unserem Hilfswerk besonders verbunden. Frau Meves war in der Vergangenheit Gast beim Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” sowie in unseren Fernseh- und Radio-Sendungen.

Christa Meves (geb. Mittelstaedt) wurde 1925 im schleswig-holsteinischen Neumünster geboren und wuchs dort mit einem zwei Jahre älteren Bruder von liebevollen Eltern umhegt auf.

Den Vater hatte es nach dem Verlust des elterlichen Gutes in der Provinz Posen in der Nachkriegszeit in den Norden Deutschlands verschlagen, da er nach dem Malerei-Studium in Berlin dort eine Anstellung als Kunsterzieher gefunden hatte. Die Mutter – eine der Avantgardistinnen der ersten Frauenbewegung – unterrichtete bis zur Geburt ihrer Kinder neben dem Sport auch Handarbeit.

In ihren autobiografischen Arbeiten erzählt Christa Meves in großer Hochachtung von ihren Eltern; von der verlässlichen Treue des künstlerischen Vaters, von seiner unerschütterlichen Frömmigkeit als evangelischer Christ, die ihn gegen nationalsozialistisches Mitläufertum immunisierte.

Sie schreibt auch von der liebevollen Opferbereitschaft der Mutter und ihrer klugen Geschicklichkeit bei der Erziehung ihrer beiden Kinder, vom Künstlertum beider Eltern, das sich darin ausdrückte, dass sie, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, gemeinsam Wandteppiche entwarfen und webten – über die unermüdliche schöpferische Malerei des Vaters hinaus.

Christa Meves hielt das Eröffnungsreferat auf unserem Kongress Treffpunkt Weltkirche.

Christa Meves hielt das Eröffnungsreferat auf unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008 in Augsburg.

Christa Meves berichtet von herrlichen Wanderungen der Familie in die holsteinische Umgebung, die ihre Krönung darin fanden, dass der Vater ein Motiv für ein Bild entdeckte und es mit Hingabe zu malen begann, während die Kinder um ihn herumsprangen. Die tiefe Liebe zur Natur von Christa Meves ist, so meint sie selbst, hier durch das vertiefte Schauen und Malen des Vaters wesentlich vorgeprägt worden.

Das Elternhaus mit dem Garten an einem kleinen Fluss ist für sie ein Kinderparadies gewesen. Erst als Erwachsene hat sie festgestellt, dass der Himmel in Schleswig-Holstein doch oft recht wolkenverhangen ist. In der Erinnerung an ihre Kindheit war dieser Himmel von sonnenoffener Bläue.

Die Idylle dieses Familienlebens wurde vom Einbruch des Hitlerreiches zunächst kaum beeinträchtigt. Erst die mächtige Indoktrination der Schüler auf dem Gymnasium, in das sie 1935 trat, der Wegfall des Religionsunterrichts, der Zwang zum Pflichtdienst in der Jugendorganisation Hitlers warfen Schatten. Aber erst der Krieg setzte der unbeschwerten Kindheit ein allzu frühes Ende.

(Über-)leben im Zweiten Weltkrieg

Ein ganzes Jahr Kinderlandverschickung, 1941 von der Schule verordnet, nötigte sie zum erzwungenen Gemeinschaftsleben, so wie nach dem Abitur 1943 der Pflichtarbeitsdienst, der daran anschließende Kriegshilfsdienst und schließlich – mit Notstandsverordnung Adolf Hitlers – die Ausbildung zur Flakwaffenhelferin und der Einsatz in den letzten Kriegsmonaten.

Im Rückblick erscheint Christa Meves das Überleben der vielen Situationen, in denen der Tod im Bombenkrieg drohte, und der dunklen Bedrohung, in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten, wie ein “Bewahrtwerden ohn’ all Verdienst und Würdigkeit”, wie sie selbst sagt. Zwar wurde auch das Elternhaus von der Zerstörung durch Bomben nicht verschont, aber die Familie fand sich nach dem Kriegsende 1945 unversehrt wieder zusammen.

Christa Meves konnte bereits im Wintersemester 1945 ihr in Breslau begonnenes Studium der Philosophie mit den Fächern Deutsch und Geografie an der Universität Kiel fortsetzen. Sie lernte dort bald ihren Mann, Dr. Harald Meves, kennen, der als Augenarzt an der Universitätsklinik arbeitete. Sie heirateten noch im selben Jahr 1946 und siedelten dann an die Universität Hamburg über, von wo aus Christa Meves ihr Studium – hier bereichert durch die Fächer Psychologie und Pädagogik – fortsetzte und 1949 mit Staatsexamen abschloss.

Christa Meves bei der Veranstaltung “ElternColleg: Mit Kindern leben” mit Moderator Martin Lohmann.

Christa Meves bei der Veranstaltung “Mit Kindern leben” mit Moderator Martin Lohmann.

Wenige Wochen nach dem Studienabschluss kam ihre älteste Tochter Antje zur Welt, obgleich damals, in der kargen Nachkriegszeit, in der Tat für die kleine Familie ‘kein Raum in der Herberge’ war. An eine eigene Wohnung war im zerbombten Hamburg nicht zu denken. Auf der Suche nach einer Region, in der mehr Möglichkeit herrschte, der Familie eine Bleibe zu verschaffen, gelang es dem jungen Arzt schließlich, in der Heidestadt Uelzen eine Praxis zu eröffnen.

Vom ersten erarbeiteten Geld wurde ein Haus gebaut, denn die kleine Familie hatte sich mittlerweile um eine zweite Tochter, Ulrike, vergrößert. In den ersten Schuljahren ihrer Kinder gelang es Christa Meves, in den psychotherapeutischen Instituten Hannover und Göttingen eine Zusatzausbildung zur analytischen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin zu absolvieren.

Ab 1968 begann sie, über ihre Erfahrungen Vorträge zu halten, 1969 veröffentlichte sie ein erstes Buch “Die Schulnöte unserer Kinder” im Furche-Verlag Hamburg. Dieses Buch hatte so viel Erfolg, dass der Südwestdeutsche Rundfunk aufmerksam wurde und sie zu einer Serie von Vorträgen im Wechsel mit Konrad Lorenz einlud. Der Herder-Verlag in Freiburg bat sie, daraus ein Taschenbuch zu veröffentlichen.

Zahlreiche Publikationen und Vorträge

Das Büchlein mit dem Titel “Manipulierte Maßlosigkeit” brachte nach ihren ersten drei Büchern den großen Durchbruch für das Anliegen von Christa Meves. Die Rotationsmaschinen des Herder-Verlags konnten nicht so schnell drucken, wie dieses Buch Absatz fand. Nach wenigen Monaten schnellte die Auflage auf 340 000 verkaufte Exemplare hoch.

Als nächstes entstand im Piper-Verlag ein grundlegendes Werk mit der wissenschaftlichen Theorie, die sich Christa Meves zu eigen gemacht und ergänzt hatte. Das Umsetzen dieser Theorie in eine praktische Pädagogik geschah durch ein Schulbuch mit dem Titel “Erziehen lernen aus tiefenpsychologischer Sicht” im Bayerischen Schulbuchverlag und begründete so ein bis heute andauerndes Schriftstellerleben von Christa Meves.

Über 100 Titel sind bis heute auf dem Markt erschienen, dazu unzählbare Publikationen in Zeitschriften und als Mitautorin in Büchern zu pädagogischen, psychologischen und theologischen Themen. Neben dieser schriftstellerischen Tätigkeit hielt Christa Meves in den vergangenen 25 Jahren eine Vielzahl von an die 3000 Vorträgen in den deutschsprachigen Ländern.

Konvertierte 1987 zum katholischen Glauben

1978 trat sie mit Prof. Otto B. Roegele und Kultusminister Prof. Hans Maier in die Mitherausgeberschaft der Wochenzeitung “Rheinischer Merkur” ein. Auch Ehrungen wurden ihr zuteil, darunter der niedersächsische Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und die Ehrenmedaille des Bistums Hildesheim.

Im Jahr 1987 konvertierte sie zum katholischen Glauben. Ihr Buch “Wahrheit befreit – Argumente für den katholischen Glauben gegen die Anwürfe der Moderne aus psychologischer Sicht” steht den großen Erfolgen der anderen Bücher, die zum großen Teil Longseller sind, nicht nach. Es bildet vielmehr einen Markstein in der immer lebendig gebliebenen Entwicklung der Autorin.

Wir wünschen der Jubilarin alles Gute und Gottes Segen zu ihrem besonderen Ehrentag.

Fernseh-Tipp: Sendungen mit Christa Meves

In diesen Wochen können Sie im Programm unserer Sendepartner Bibel TV und K-TV mehrere Sendungen mit Christa Meves sehen. Alle Sendungen sind nach ihrer Ausstrahlung auf DVD erhältlich.

Bitte beachten Sie unseren Sendeplan sowie die Übersicht unserer Sendungen in unserem Rundbrief “Echo der Liebe”.

4.Mrz 2010 12:30 · aktualisiert: 27.Feb 2015 18:02
KIN / S. Stein