Sudan: “Wahlen werden nicht zur Farce”

Deutscher Missionar berichtet im Radio über die Lage in dem afrikanischen Land

Pater Dr. Ludwig Peschen MAFR.

Pater Dr. Ludwig Peschen MAFR.

Im Sudan haben die ersten Mehrparteienwahlen seit 1986 stattgefunden. Die Erwartungen an diese Wahl seien in der Bevölkerung weitaus positiver als in der internationalen Wahrnehmung, sagte Pater Dr. Ludwig Peschen MAFR in einem Gespräch mit unserem Hilfswerk.

Viele Sudanesen, vor allem im Süden des Landes, seien optimistisch und freuten sich auf die Wahlfreiheit, so der Afrikamissionar, der derzeit in Kenia lebt und mit einigen Sudanesen persönlich in Kontakt steht.

Medienberichten zufolge befürchten ein Teil der Bevölkerung und vor allem Beobachter aus der westlichen Welt eine Scheinabstimmung und neue kriegerische Unruhen in der Folge. Die Furcht vor einem neuen Krieg äußerte auch der sudanesische Bischof Macram Max Gassis in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT im Januar dieses Jahres.

Befreiung von islamischer Gesetzgebung

Der Norden des größten afrikanischen Landes ist muslimisch, der Süden christlich geprägt. Der Süden bemüht sich seit Jahren um Unabhängigkeit und wird 2011 im Rahmen einer Volksabstimmung über die Bildung eines neuen Staates Südsudan befinden.

Die bevorstehende Spaltung des Landes wird im Süden ersehnt, nicht zuletzt da sie für die christliche Bevölkerung eine Befreiung von islamischer Gesetzgebung bedeuten würde.

Straßenszene in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Straßenszene in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen berichteten Medien, dass mehrere Oppositionsparteien im Norden des Landes nicht kandidieren wollen, da sie der Partei von Präsident Umar al-Baschir Wahlmanipulation vorwerfen.

Internationale Wahlbeobachter hatten kritisiert, dass die amtierende Regierung die Wahlen mit verschiedenen Mitteln manipuliere. So solle in Gegenden, in denen die Opposition hohe Stimmenanteile erwarte, die Anzahl der Wahllokale derart ausgedünnt worden sein, dass die Menschen teilweise Entfernungen von über 50 Kilometern zur Abstimmung zurücklegen müssten. Auch sollen mancherorts keine Wahlzettel an die Wahllokale ausgeliefert worden sein. So berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. April.

Freude über einen Riesenschritt voran

Peschen sagte, aus seiner Sicht könnten die Wahlen zumindest im Süden des Landes ordnungsgemäß ablaufen. “Ich glaube nicht, dass es da eine Wahlfarce geben wird”, sagt er wörtlich. Westliche Beobachter gewichteten die Wahlmanipulationen im Norden und den Mangel an politischer Bildungsarbeit seiner Ansicht nach zu stark.

Insgesamt dominiere unter den Einheimischen die Freude darüber, dass man mit diesen demokratischen Wahlen einen “Riesenschritt voran getan habe”. Es stimme bereits hoffnungsvoll, dass die Forderung nach demokratischen Wahlen überhaupt eingelöst werde. Auch sei eine erfolgreiche Durchführung der Wahlen entgegen anderslautender Meldungen nicht Bedingung für das Referendum 2011, das ohnehin kommen werde.

Der Sudan gehört zu den von KIRCHE IN NOT besonders unterstützten Ländern. So flossen im Jahr 2008 1,18 Millionen Euro in Projekte im Sudan, vor allem in Existenz- und Bauhilfe.

Ein ausführliches Interview mit Pater Dr. Ludwig Peschen können Sie sich in unserer Medienbox anhören oder bei uns unentgeltlich als Hör-CD bestellen.

KIRCHE IN NOT
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9.Apr 2010 20:02 · aktualisiert: 19.Apr 2010 15:55
KIN / T. Waitzmann