KIRCHE IN NOT trauert um Bischof Padovese

Am Fronleichnamstag wurde er in seinem Haus in Iskenderun niedergestochen

Erzbischof Luigi Padovese, Apostolischer Vikar von Anatolien (1947-2010).

Bischof Luigi Padovese, Apostolischer Vikar von Anatolien (1947-2010).

Luigi Padovese, Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz, ist in seinem Haus in Iskenderun erstochen worden.

Er wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Vikar von Anatolien ernannt und zum Bischof geweiht. Padovese war für die rund 4500 Katholiken im Süden und Osten der Türkei tätig.

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Unser Hilfswerk unterstützte Bischof Padovese bei seiner Arbeit. Er war auch Gast bei unseren Internationalen Kongressen “Treffpunkt Weltkirche” sowie in der von KIRCHE IN NOT produzierten Reihe “Weltkirche aktuell”. Im vergangenen Jahr besuchte eine Gruppe von Freunden und Wohltätern unseres Hilfswerks im Rahmen einer Pilgerreise in die Türkei die Stadt Iskenderun, in der Erzbischof Padovese tätig war.

Luigi Padovese wurde am 31. März 1947 in Mailand geboren. Er gehörte dem Franziskanerorden an und lehrte lange Zeit als Kirchenhistoriker an einer Hochschule in Rom. Seit November 2004 betreute er die weit verstreut lebenden Katholiken in Anatiolien. Bis zu 1300 Kilometer ist der Bischof unterwegs gewesen, um die Gläubigen in ihren Gemeinden zu besuchen.

“Wir haben keine Rechte”

Nicht nur die weiten Entfernungen machen die Seelsorgearbeit im Osten und Süden der Türkei schwierig. Die Kirche ist in der Türkei nicht als Körperschaft anerkannt, das heißt sie darf beispielsweise kein Eigentum besitzen oder erwerben. Bischof Padovese betonte in der Vergangenheit, dass es trotz dieser Umstände die Rechte der katholischen Gemeinde zu schützen gelte.

“Offiziell existieren wir gar nicht, wir haben keine Rechte. Und weil wir nicht existieren, dürfen wir auch kein Priesterseminar eröffnen, Priester für die Zukunft unterstützen oder eine türkische Kirche aufbauen”, so der Bischof in einem Interview mit KIRCHE IN NOT.

Erzbischof Luigi Padovese bei unserem Internatonalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008 in Augsburg.

Bischof Luigi Padovese bei unserem Internatonalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008 in Augsburg.

Unsere Länderreferentin für die Türkei, Marie-Ange Siebrecht, bedauert den tragischen Tod des Bischofs, denn sie stand in engem Kontakt mit ihm und hatte ihn mehrfach bei Projektreisen besucht. “Er war ohne Zweifel ein Mann Gottes, eine Person mit starkem Glauben. In allem, was er tat, und allem, was er versuchte, bemühte er sich darum, Fortschritte für die Kirche in der Türkei zu erzielen. Er war noch relativ jung und wollte noch so Vieles erreichen. Sein Verlust wird von vielen Menschen bedauert.”

Erst vor knapp zwei Wochen hatte sie das letzte Mal mit ihm gesprochen. Damals erzählte er ihr, dass die türkischen Behörden seine Bitte gewährt hätten, dass in der Kirche in Tarsus Gottesdienste abgehalten werden dürften. Er habe so glücklich geklungen, da er seit dem Paulusjahr 2008/2009 darum gekämpft habe, sagte Marie-Ange Siebrecht.

Das Motiv ist noch unklar

Am Fronleichnamstag wurde er nun im Garten seines Hauses niedergestochen und erlag auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Wie türkische Medien melden, sei der Chauffeur des Geistlichen als Verdächtiger mit der Tatwaffe festgenommen worden. Das Motiv ist noch unklar.

Der Gouverneur von Iskenderun, Mehmet Celalettin Lekesiz, teilte mit, dass es sich vermutlich um eine persönliche Angelegenheit und nicht um ein religiöses oder politisches Motiv handle. Der Fahrer arbeitete seit viereinhalb Jahren für den Bischof und soll in psychologischer Behandlung gewesen sein.

Wir bitten um das Gebet für den Verstorbenen und die Christen in der Türkei, die mit Bischof Luigi Padovese einen wichtigen Fürsprecher verloren haben.

4.Jun 2010 10:09 · aktualisiert: 15.Nov 2013 13:41
KIN / S. Stein