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Algerien: Die “Bleibhier-Kirche” in Annaba

Unterstützen Sie die Restaurierung der Basilika in einem muslimischen Land

Blick auf die Basilika in Annaba.

Blick auf die Basilika in Annaba.

In Annaba, im äußersten Nordosten Algeriens, unterstützt KIRCHE IN NOT die Arbeit der Augustinerpatres an der Basilika des heiligen Augustinus von Hippo.

Die katholische Kirche in Algerien ist sehr arm. Sie versucht trotzdem ihr Erbe und ihre Berufungen zu pflegen. Annaba gehört zur Diözese Konstantin. Hier, in dieser fast ausschließlich von Muslimen bewohnten Region, ist die Basilika ein außergewöhnlich wertvolles Zeugnis des Erbes des heiligen Augustinus.

Die Kirche in Algerien hat ihren Ursprung im 2. Jahrhundert und erlebte im 3. und 4. Jahrhundert ihren Höhepunkt unter dem heiligen Augustinus, Bischof von Hippo, einem der bedeutendsten Kirchenväter der Antike, dessen Wirken das Denken des Abendlandes wesentlich geprägt hat. Er wurde im jetzigen Algerien geboren.

Nach Aufenthalten in Karthago, Rom und Mailand wirkte der große Heilige während der letzten dreißig Jahren seines Lebens als Bischof von Hippo Regius, dem heutigen Annaba. Durch die Ausbreitung des Islams zu Beginn des Mittelalters wurde das Christentum aus dieser Region verdrängt.

Erst ab dem 19. Jahrhundert kamen die Christen mit den französischen Besatzern zurück. Daraufhin entstanden die Bistümer von Oran, Laghouat und Konstantin sowie das Erzbistum von Algier. Vor rund einem halben Jahrhundert verließen dann mit der Gründung des Staates Algerien und dem Abzug der ehemaligen Besatzer viele Christen das Land.

Gottesdienst in der Basilika von Annaba.

Gottesdienst in der Basilika von Annaba.

Algerien ist tief in seinen arabisch-muslimischen Werten und Traditionen verwurzelt: Die Landessprache ist Arabisch und der Islam Staatsreligion. Von den 33,8 Millionen Einwohnern sind 97,5 Prozent Muslime (Sunniten). Ungefähr 11 000 Katholiken leben hier. Sie bilden eine “Bleibhier-Kirche”, wie Sie selbst es nennen.

Über den Ruinen römischer Gebäuden, in denen Augustinus Taufen abhielt, erhebt sich auf einem Hügel die Basilika des heiligen Augustinus von Hippo. Sie stellt ein starkes Symbol der Präsenz der Kirche auf algerischem Boden dar. Im Jahre 1881 geweiht, wurde sie im arabisch-byzantinischen Stil erbaut und der Kathedrale von Karthago nachempfunden.

Kirche ist beliebtes Ziel für Pilgernde

2001 fand in der Basilika ein großes Kolloquium über den heiligen Augustinus statt. Dieses Ereignis trug maßgeblich dazu bei, dass die Kirche und ein Teil der algerischen Gesellschaft im heiligen Augustinus einen gemeinsamen Vorfahren sehen. Jedes Jahr pilgern Tausende Besucher verschiedener Kulturen und Religionen hierher. 2006 waren es rund 18 000 Pilger. Die meisten von ihnen waren Schüler, Studenten, Teilnehmer an Kolloquien oder einfache Besucher aus Algerien.

Viele, die hier lebten und Algerien aus verschiedenen Gründen verlassen haben, ob Algerienfranzosen oder ausgewanderte Algerier und ihre Kinder, kommen gerne an diesen Ort zurück. Durch den Zuzug afrikanischer Studierender aus Annaba und Souk-Ahras und ausländische Handwerker ist die christliche Gemeinde von Annaba gewachsen: “Vergangenes Weihnachten war die Basilika gefüllt mit Gläubigen, was lange nicht mehr der Fall gewesen war”, freut sich ein Augustinerpater.

Die Basilika ist der Kathedrale von Karthago nachempfunden.

Die Basilika ist der Kathedrale von Karthago nachempfunden.

“Angesichts des heruntergekommenen Zustands der Basilika sind Restaurierungsarbeiten an der Basilika dringend notwendig”, schreibt Msgr. Paul Jacques Marie Desfarges, Bischof von Konstantin und Hippo.

Das Bauwerk ist in der Grundsubstanz noch nicht beschädigt, ist jedoch undicht. Wasser dringt an zahlreichen Stellen durch Dach und Fenster ein. Die zunehmende Feuchtigkeit greift die Innenwände der Basilika an.

Die Kirche in Algerien hat nicht genug eigene Mittel, um diesen zentralen Ort der Begegnung zu restaurieren und bittet unser Hilfswerk um Unterstützung. Die Restaurierungsarbeiten werden drei Jahre andauern und unter Anleitung der ansässigen Augustinerpatres vonstatten gehen.

Im Juni 2010 wurde ein Augustinerpater Jose Manuel Vizcarra Gamero von Msgr. Desfarges zum Priester geweiht. Der neue Augustinerpater stammt aus Peru.“Ich habe lange nachgedacht, bevor ich mich in Algerien zum Priester habe weihen lassen”, erzählte er.

Auf die Frage seiner Familie, warum in Algerien und nicht in Peru, antwortete er: “Für einen Augustiner ist es sehr wichtig, hier im Land des Augustinus die Weihe zu empfangen. Augustinus hat etwas in mir angerührt – mir ist, als hätte er zu mir gesagt: ‘Bleib hier!’ Ich spüre, dass es hier viel zu tun gibt. Mit den Moslems, den Algeriern, zusammenzuleben, ist für uns das Wichtigste.”

Brücke zwischen Islam und Christentum

Die Basilika ist ein Ort der Begegnung zweier Kulturen am Mittelmeer. Sie bildet eine Brücke zwischen zwei Welten, eine Brücke zwischen Islam und Christentum. “Die Restaurierung der Basilika des heiligen Augustinus ist Teil dieser Vision”, schreibt Dominique Henry, der Direktor des Restaurierungsprojekts. Der heilige Augustinus verbindet.

Die Basilika ist das einzig kulturelle Gebäude, das für alle Besucher einfach zugänglich ist. Denn die Kapellen sind zwar offen, aber nicht als solche zu erkennen. Vor diesem Hintergrund findet die Restaurierung der Basilika unter enger Absprache mit der öffentlichen Lokalverwaltung statt.

Für die Restaurierungsarbeiten haben wir 50.000 Euro versprochen. Das Projekt ist ein Beispiel unserer Arbeit in Algerien. Wir wollen dazu beitragen, damit die Kirche “hier bleiben” kann.

22.Jun 2010 08:40 · aktualisiert: 8.Sep 2015 10:35
KIN / S. Stein