Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg: Katholiken als Hybridmotor der Versöhnung

Katholische Bischöfe streben Gespräche zwischen Singhalesen und Tamilen an

Vermintes ehemaliges Schlachtfeld zwischen Kilinochchi und Jaffna, Nordprovinz von Sri Lanka.

Vermintes ehemaliges Schlachtfeld zwischen Kilinochchi und Jaffna, Nordprovinz von Sri Lanka.

Ein gutes Jahr nach dem Ende des Bürgerkrieges zwischen Tamilen und Singhalesen in Sri Lanka hat der Erzbischof von Colombo, Malcolm Ranjith, Vertreter der christlichen Konfessionen und der anderen Religionen zu ersten Gesprächen eingeladen.

Sein Ziel ist es, durch eine interreligiöse Verständigung zur Überwindung des ethnischen Konflikts beizutragen. Ständen alle Religionen zusammen, so wäre dies gegenüber der Politik ein deutliches Signal für Frieden und Versöhnung, sagte Erzbischof Ranjith vor Vertretern des internationalen katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT.

Sri Lankas elf katholische Bischöfe sind überzeugt, dass nur eine Versöhnung der beiden ethnischen Gruppen – Tamilen und Singhalesen – einen dauerhaften Frieden schaffen könne. Nach der Versöhnung solle gemeinsam eine politische Regelung erarbeitet werden, die die Interessen beider Ethnien berücksichtige. Den gesamten Prozess wollen die katholischen Bischöfe begleiten, soweit dies für eine kirchliche Institution möglich ist.

Sechsundzwanzig Jahre Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen

1983 eskalierte der ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen, der nach Ansicht von Historikern bis in die Kolonialzeit zurückgeführt werden kann, zu einem Bürgerkrieg. Die Gruppe der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) wollte einen unabhängigen Tamilenstaat, die singhalesische Regierung wollte die Teilung des Landes verhindern.

Vier Jahre nach dem Waffenstillstand von 2002 kam es im Norden und Osten des Landes wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der separatistischen LTTE und den singhalesischen Regierungskräften. Im Dezember 2008 nahmen Regierungstruppen tamilische Rebellen im Norden unter Beschuss und Bombardierung aus der Luft. Infolge dessen waren Tausende auf der Flucht.

Mitte Mai 2009 erklärte Präsident Mahinda Rajapaksa den Bürgerkrieg für beendet. Die düstere Bilanz: seit Kriegsbeginn vor 27 Jahren sind nach Schätzungen der UNO zwischen 80 000 und 100 000 Menschen ums Leben gekommen.

Sri Lanka, Nordprovinz: Flüchtlingslager an der Straße nach Mannar.

Sri Lanka, Nordprovinz: Flüchtlingslager an der Straße nach Mannar.

Hybridmotor der Versöhnung

Die beiden Ethnien sind nicht nur durch ihre Kultur, sondern auch durch ihre Religion getrennt: Singhalesen sind überwiegend Buddhisten, Tamilen vor allem Hindus.

Die Katholiken sind in beiden ethnischen Welten vertreten. Zwar stellen sie mit rund 1,5 Millionen nur etwa sieben Prozent der knapp 21 Millionen starken Bevölkerung Sri Lankas. Dennoch werden sie wegen ihrer vielen sozial-karitativen Aktivitäten als Religionsgemeinschaft wahrgenommen und geachtet.

Der christliche Glaube vereint die Katholiken beider Ethnien. Ihre christliche Moral einerseits und ihre ethnische Mischung andererseits prädestinieren die Katholiken sowie die wenigen Christen anderer Konfessionen in diesem ethnisch und religiös vielfältigen Land geradezu als Vermittler.

Beispiele unserer Hilfe in Sri Lanka

KIRCHE IN NOT stellte Anfang Februar 2009 knapp 27.000 Euro humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge zur Verfügung. Im März 2009 half unser Hilfswerk bei der Wiederinstandsetzung der teilweise zerstörten Kirche “Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe” in Aitiyamalai mit 12.000 Euro. Im November 2009 leisteten wir erneut humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge. Weitere Projekte folgten.

Und so können Sie die Menschen in Sri Lanka unterstützen:

12.Jul 2010 07:10 · aktualisiert: 12.Jul 2010 10:13
KIN / T. Waitzmann