Kirgisistan: Eine Kirche mit offenen Armen

Bischof Nikolaus Messmer kümmert sich um die wenigen Katholiken im Land

Msgr. Nikolaus Messmer SJ, der erste Bischof von Kirgisistan.

Msgr. Nikolaus Messmer SJ, der erste Bischof von Kirgisistan.

Die Saat des Hasses war aufgegangen. Zweitausend Menschen starben, als im Juni in der südkirgisischen Stadt Osch bürgerkriegsähnliche Unruhen ausbrachen und etwa hunderttausend in das angrenzende Usbekistan flüchteten. Noch heute sind Teile von Osch wie eine Geisterstadt.

Aus der Stadt Dschalalabad nahe der usbekischen Grenze, wo die meisten der rund 600 Katholiken leben, berichtet Bruder Damian SJ, dass man im Pfarrhaus Usbeken und Kirgisen Schutz geboten hatte. Ungefährlich ist das nicht gewesen, aber es soll ein Merkmal der Christen sein: Sie stehen da mit offenen Armen für alle, sie wollen versöhnen.

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Das ist den Kirgisen nicht fremd. Sie sind zwar mehrheitlich Muslime, folgen aber noch vielen traditionellen Riten ihrer Nomadenkultur, in der es wichtig ist, auch zufällige Gäste jederzeit willkommen zu heißen. So haben sie auch vor Jahrzehnten die deutschstämmigen Familien aufgenommen, die unter Stalin nach Kirgisistan vertrieben worden waren. Mehr als hundert Familien leben in Dschalalabad, die Katholiken unter ihnen bilden den Kern der kleinen Pfarrgemeinde.

Die Jesuiten wollen mit ihnen ein europäisch-christliches Kulturzentrum als Begegnungsstätte für christliche und muslimische Jugendliche schaffen. Das Interesse für Glaubensgespräche ist da, sagt Pater Peter Balleis SJ, “es kann ethnische und religiöse Gegensätze überwinden helfen”.

Firmung im Wohnzimmer: Der Bischof in der Pfarrei von Talal.

Firmung im Wohnzimmer: Der Bischof in der Pfarrei von Talal.

Um sinnvoll Glaubensgespräche führen zu können, muss man seinen eigenen Glauben kennen. Auch hier leisten die Jesuiten in dem weiten Land an den Ausläufern des Himalaja unermüdliche Arbeit.

Seit vier Jahren haben die Katholiken einen eigenen Bischof, Msgr. Nikolaus Messmer SJ. Er muss viel reisen, um die drei katholischen Pfarreien in seiner riesigen Diözese zu versorgen, die doppelt so groß ist wie Portugal. “Das Leben ist hart in diesem Flecken der Erde,” sagt er, “es gibt nahezu nichts. Umso wichtiger ist für die Menschen der Glaube und die Gemeinschaft in der Pfarrei.”

Für die Gläubigen ein wahres Fest: Bischof Messmer zu Besuch in einer Pfarrei.

Für die Gläubigen ein wahres Fest: Bischof Messmer zu Besuch in einer Pfarrei.

Bischof Messmer hat seinen Sitz in Bischkek. Vier weitere Jesuiten und zwei Diözesanpriester sowie sechs Schwestern helfen ihm bei seiner Arbeit. Sie kümmern sich nicht nur um Gottesdienste, Sakramente und Katechese, sondern auch um Straßenkinder, Häftlinge, Arbeitslose.

Natürlich leide die Arbeit unter dem Konflikt, sagt der Bischof. “Wir beten, dass rasch wieder Friede herrscht. Wir rufen die Kirgisen auf, als Muslime in den Moscheen und als Christen in den Kirchen für die Gerechtigkeit zu beten.” Die Hoffnung gibt er nicht auf. “Gott wird uns Auswege aus dieser Situation zeigen.”

Ausstellung “60 Jahre Fahrzeuge für Gott” in Augsburg

Noch bis zum 21. Juli können Sie in der Filiale der LIGA Bank in Augsburg unsere Wanderausstellung “60 Jahre Fahrzeuge für Gott” besuchen. Die Schau zeigt einen Überblick über die vielfältige Geschichte der von unserem Gründer Pater Werenfried van Straaten gestarteten Aktion.

Die Besichtigungszeiten entsprechen den Öffnungszeiten der Filiale der LIGA Bank, Jesuitengasse 21: Montag bis Mittwoch von 8.30 Uhr bis 13 Uhr und 14 bis 16.15 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 13 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr sowie Freitag von 8.30 Uhr bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

KIN / S. Stein