Irak: Trauer um Weihbischof Andreas Abouna

Kirchenvertreter würdigen den Einsatz des Verstorbenen für das Christentum im Irak

Andreas Abouna, Weihbischof von Bagdad.

Andreas Abouna, Weihbischof von Bagdad.

Weihbischof Andreas Abouna von Bagdad ist tot. Der 67-Jährige erlag am Morgen des 27. Juli im Krankenhaus der kurdisch-nordirakischen Provinzhauptstadt Erbil einem Nierenleiden.

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT sagte Erzbischof Bashar Warda von Erbil, mit Weihbischof Abouna habe ein “auch in den schwierigsten Situationen stets lächelnder” Seelsorger die irakische Kirche verlassen.

Der Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, bezeichnete Abouna als “demütigen und weltoffenen Mann”, der sich um jeden einzelnen seiner Priester gekümmert habe und dem stets die Einheit der Kirche am Herzen gelegen habe. Sako fügte hinzu: “Ich hoffe, er betet nun für uns im Himmel.”

Unsere Irak-Referentin Marie-Ange Siebrecht betonte, Weihbischof Abouna habe es immer geschafft, die Priester in Bagdad davon zu überzeugen, dass das Christentum im Irak trotz aller Widrigkeiten eine Zukunft habe.

Weihbischof Andreas Abouna ist in der St.-Josefs-Kathedrale in Ankawa nahe Erbil beigesetzt worden. Die Trauerfeier leitete der chaldäische Patriarch Emmanuel III. Delly.

Eintritt ins Seminar mit 14 Jahren

Andreas Abouna wurde am 23. März 1943 im Dorf Bedar nahe der nordirakischen Stadt Zaxo (Zakho) geboren. Im Alter von 14 Jahren wurde er im Seminar St. Petrus in der nordirakischen Metropole Mossul aufgenommen und dort am 5. Juni 1966 zum Priester geweiht.

Von 1967 bis 1971 war er Pfarrer in der südirakischen Diözese Basra, bevor er in die St.-Josefs-Kirche nach Bagdad versetzt wurde, wo er zwanzig Jahre lang Dienst tat. 1989 wurde Abouna persönlicher Sekretär des chaldäisch-katholischen Patriarchen Raphael I. Bidawid von Bagdad.

1991 zog er nach London und übernahm dort die Leitung der syrisch-katholischen Mission in England. Am 11. November 2002 wurde er zum Weihbischof von Bagdad ernannt. Er kehrte in seine Heimat zurück, nachdem er von Papst Johannes Paul II. in Rom geweiht worden war.

Christen gerieten zwischen alle Fronten

Nur einige Wochen später wurde im Irak Saddam Hussein gestürzt. Große Teile des Landes, darunter auch die Hauptstadt Bagdad, versanken in Chaos und Gewalt. Die Christen gerieten zwischen alle Fronten. Weihbischof Abouna versuchte, seinen Gläubigen inmitten der Lebensgefahr beizustehen und jene zu betreuen, die nicht vor der Gewalt fliehen konnten.

Trotz seiner schlechter werdenden Gesundheit blieb Weihbischof Abouna, so lange es ging, in Bagdad und hielt, wenn es die Sicherheitslage erlaubte, Pfarrveranstaltungen ab, wie zum Beispiel Jugendtreffen. Als sein Gesundheitszustand dies nicht mehr erlaubte, wurde er ins verhältnismäßig sichere Erbil gebracht, wo er verstarb.

So können Sie den verfolgten Christen im Irak helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Veranstaltungs-Tipp:
“Kreuzweg für die verfolgte Kirche” am 19. September

Kreuz im Sonnenuntergang. Das Bild entstand in Israel.

Kreuz im Sonnenuntergang. Das Bild entstand in Israel.

Am Sonntag, den 19. September, beten wir im Augsburger Dom einen “Kreuzweg für die verfolgte Kirche”. Prälat Dr. Bertram Meier (Referat Weltkirche der Diözese Augsburg) wird den Kreuzweg leiten. Beginn ist um 17 Uhr.

Die internationale Kreuzwegbetrachtung wird mitgestaltet von vietnamesischen Christen im deutschen Exil. Unser Sendepartner Radio Horeb überträgt den Kreuzweg auch live im Radio.

Bereits im vergangenen September hatten wir in Augsburg eine Kreuzweg-Andacht in den Anliegen der verfolgten Kirche veranstaltet. Diese bieten wir Ihnen auch auf CD an.

Irakische Christen gestalteten den Kreuzweg mit ihren traditionellen Kirchengesängen. Die durch Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat vertriebenen Christen berichteten über ihr Schicksal.

Die CD enthält außerdem Impulse des in Russland lebenden deutschen Pfarrers Erich Maria Fink. Er berichtete über die schwierigen Umstände, unter denen der Glaube in Russland zur Zeit der Sowjetunion überlebt hat.

Die CD “Kreuzweg für die verfolgte Kirche” können Sie unentgeltlich in unserem Münchner Büro bestellen:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München
Telefon: 089 / 64 24 888 – 0
Fax: 089 / 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

oder ganz bequem in unserem Bestelldienst.

27.Jul 2010 15:21 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:27
KIN / S. Stein