Behörden ließen Minderheiten ertrinken

Pakistanischer Kirchenvertreter erhebt schwere Vorwürfe gegen Provinzregierung

Mann mit Kindern in einem Flüchtlingslager in Quetta.

Mann mit Kindern in einem Flüchtlingslager in Quetta.

Die Regierung der pakistanischen Provinz Sindh hat Gebieten, die vorwiegend von religiösen Minderheiten bewohnt werden, absichtlich ausreichenden Schutz gegen Überschwemmungen verweigert.

Das sagte ein Kirchenvertreter aus Pakistan in einem Gespräch mit unserem Hilfswerk, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.

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Er erklärte, es habe “Prioritätsgebiete” für den Hochwasserschutz gegeben, um vor allem die Ländereien wohlhabender Muslime zu schützen. Das sei der Grund, warum die “Ärmsten der Armen” von der Katastrophe besonders betroffen seien.

Für Hochwasser bekannte Abschnitte des Flusses Indus in der Provinz Sindh im Südosten des Landes seien vor der Flutkatastrophe absichtlich nicht gesichert worden. Ziel sei es gewesen, das Wasser in Gebiete abzuleiten, die hauptsächlich von christlichen oder hinduistischen Stammesgemeinschaften bewohnt werden. Diese Gebiete hätten in den Augen der Behörden nicht die nötige “Priorität” für ausreichenden Hochwasserschutz gehabt.

Der Informant aus Kirchenkreisen wirft Regierungsvertretern der Provinz Sindh vor, sich mit den örtlichen Großgrundbesitzern verschworen und nur deren Land mit Deichen und Kanälen vor Überschwemmungen geschützt zu haben – auf Kosten der Minderheiten in der Provinz. Kies und andere Baumaterialien seien sogar aus den ärmlichen Regionen abtransportiert worden, um die Dämme zum Schutz der Ländereien von Großgrundbesitzern zu errichten.

Viele sind in die westpakistanische Stadt Quetta geflohen. Dort kümmern sich unter anderem Salesianer um die Versorgung der Menschen.

Viele sind in die westpakistanische Stadt Quetta geflohen. Dort kümmern sich unter anderem Salesianer um die Versorgung der Menschen.

Weiter sagte der Kirchenvertreter, es sei erschreckend, dass der fehlende Hochwasserschutz für die besonders Betroffenen “nicht einfach nur Inkompetenz” von Seiten der Behörden gewesen sei. Das Leiden der armen Bevölkerung sei von den Behörden vielmehr “bewusst und billigend” in Kauf genommen worden.

Er sei erschrocken, als er die Region bereist habe und die Flüsse “unglaublich voll”, aber die großen Hochwasserkanäle quasi nebenan “relativ leer” gesehen habe. Das habe in ihm den Verdacht geweckt, dass die Fluten in Gegenden mit “geringer Bedeutung” geleitet werden sollten.

Wie werden die Kleinen die dramatischen Erlebnisse verarbeiten? Kinder im Camp in der Stadt Quetta.

Wie werden die Kleinen die dramatischen Erlebnisse verarbeiten? Kinder im Camp in der Stadt Quetta.

Tatsächlich gebe es nach Angaben des Informanten gerade in jenen Regionen rund um die von der Flut am meisten betroffenen Städte Jacobabad, Sukkur, Larkana, Shikarpur, Thatta und Ranipur die höchste Konzentration religiöser Minderheiten in dem sonst muslimisch geprägten Land.

Er fordert daher, dass Hilfswerke und andere Organisationen nun vor allem den Minderheiten helfen müssten, denn diese “seien viel zu lange ignoriert worden”.

Es sei zu befürchten, dass mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan am 10. September die Hilfen zurückgingen, da die Muslime danach weniger zu Almosen und anderer Hilfe verpflichtet seien.

KIRCHE IN NOT verteilt die Hilfen für die Betroffenen der Flutkatastrophe in Pakistan prinzipiell über die kirchlichen Strukturen im Land. Dadurch kommen alle Spenden direkt der christlichen Minderheit zugute.

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2.Sep 2010 13:06 · aktualisiert: 10.Nov 2010 11:19
KIN / S. Stein