Mehr Schutz für christliche Minderheiten

Veranstaltung mit KIRCHE IN NOT im EU-Parlament über Christenverfolgung

Erzbischof Louis Sako berichtete über die Lage der Chisten im Irak (Foto: Europäische Union).

Erzbischof Louis Sako berichtete über die Lage der Chisten im Irak (Foto: Europäische Union).

Über die schwierige Lage der Christen im Sudan hat Bischof Edward Hiiboro Kussala aus der südsudanesischen Diözese Tombura-Yambio bei einer Veranstaltung des Europäischen Parlaments in Brüssel gesprochen.

Die Christen, die vorrangig im Süden des Sudan lebten, würden in dem muslimisch geprägten nördlichen Landesteilen kaum beachtet und sogar als Kakerlaken bezeichnet, so Kussala.

Der Bischof sprach bei einer Tagung über die weltweite Verfolgung und Unterdrückung von Christen in Brüssel. KIRCHE IN NOT nahm auf Einladung der Europäischen Union an dieser Veranstaltung teil.

Bischof Kusalla berichtete weiter, dass der Ausgang des bevorstehenden Referendums im Januar 2011 über die mögliche Spaltung Sudans nicht absehbar sei: das Ergebnis könnte einerseits Frieden bringen, andererseits aber auch die Stabilität der Region gefährden und einen Krieg auslösen.

Veranstalter der Tagung im Europäischen Parlament in Brüssel waren die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), die Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) sowie die Europäische Volkspartei (EVP). Unser Mitarbeiter Berthold Pelster stellte zu Beginn vor rund 100 Zuhörern im vollbesetzten größten Sitzungssaal des Hauses die Arbeit des Hilfswerks vor und schilderte in einem Impulsreferat die schwierige Lage der Christen in China, Indien und Pakistan.

Neben Bischof Kussala berichteten drei weitere Vertreter aus Staaten, in denen die Einschränkung der Religionsfreiheit besonders gravierend ist, aus erster Hand über die Situation der Christen in ihrem Land. Eindringlich riefen sie in ihren jeweiligen Referaten die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung der christlichen Minderheiten in ihren Heimatländern auf.

Blick in den vollbestzten Saal im Haus des Europäischen Parlaments in Brüssel (Foto: Europäische Union).

Blick in den vollbesetzten Saal im Haus des Europäischen Parlaments in Brüssel (Foto: Europäische Union).

Louis Sako, Erzbischof von Kirkuk (Irak), befürchtet das langsame Aussterben des Christentums in seinem Heimatland, da hunderttausende Christen wegen der andauernden Angriffe durch radikale Islamisten das Land bereits verlassen hätten. In den vergangenen sieben Jahren seien über 50 Kirchen zum Teil zerstört, drei Priester und ein Bischof entführt und 900 Christen getötet worden, berichtete er.

Den von den USA geführten alliierten Truppen warf er vor, dass deren Einmarsch im Irak ein großes Desaster für die irakischen Familien gewesen sei. Derzeit sei die Lage chaotisch und von Angst geprägt. Christen müssten sich nach seiner Ansicht entweder für die Auswanderung entscheiden oder sich damit abfinden, Bürger zweiter Klasse zu sein. Bischof Sako sprach sich für den Verbleib der Truppen aus, aber wünschte sich klare und präzise Pläne der internationalen Gemeinschaft.

Angriffe auf christliche Dörfer in Indien

Dr. T.M. Joseph, Vorsitzender des Newman College im südwestindischen Staat Kerala, erhofft mehr Rechte für Dalits, die keiner hinduistischen Kaste angehören und von höheren Kasten ausgebeutet würden, darunter viele Christen.

Radikale Hindu-Gruppierungen haben in der Vergangenheit christliche Dörfer angegriffen. Doch der Staat unternehme nichts gegen diese Ungerechtigkeit, so Joseph. Im Sommer 2008 kam es zum Beispiel zu Angriffen auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Die Referenten der Veranstaltung (v.l.): Kok Ksor, Dr. T.M. Joseph, Erzbischof Louis Sako, Bischof Eduard Hiiboro Kussala, György Hölvenyi (Berater für interkulturellen und religiösen Dialog bei der EU), Mitarbeiterin und Mitarbeiter des Sekretariats, Mario Mauro MdEP, Konrad Szymanski MdEP, Berthold Pelster (Foto: Europäische Union).

Die Referenten der Veranstaltung (v.l.): Kok Ksor, Dr. T.M. Joseph, Erzbischof Louis Sako, Bischof Eduard Hiiboro Kussala, György Hölvenyi (Berater für interkulturellen und religiösen Dialog bei der EU), Mitarbeiterin und Mitarbeiter des Sekretariats, Mario Mauro MdEP, Konrad Szymanski MdEP, Berthold Pelster (Foto: Europäische Union).

Das kommunistisch regierte Vietnam gehe derzeit gewalttätig gegen Christen vor, berichtete Kok Ksor, Präsident der Bergvolk-Stiftung. Er berichtete von Überfällen von Regierungstruppen im Juli und August dieses Jahres auf über 200 Dörfer in Vietnam, in denen viele Christen lebten. Menschen seien verschleppt und ins Gefängnis gebracht worden, manche seien spurlos verschwunden. Obwohl in der vietnamesischen Verfassung die Religionsfreiheit festgeschrieben sei, gehe die Regierung weiterhin gegen christliche Bergvölker vor, so Ksor.

Förderung der Religionsfreiheit im Blick behalten

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte die COMECE eine Stellungnahme zur Religionsfreiheit vor, dass die europäischen Institutionen bei ihren Auslandsbeziehungen zukünfitg auch die Förderung der Religionsfreiheit im Blick haben sollten. In den nächsten Wochen soll eine schriftliche Erklärung im Plenum des Europäischen Parlaments vorgelegt werden.

Berthold Pelster lobte die Veranstaltung zur Christenverfolgung im Haus des Europäischen Parlaments als gehaltvoll und gut organisiert. Das große und parteiübergreifende Interesse zeige die Brisanz des Themas. Eindrücklich hätten die Referenten aus den besonders betroffenen Staaten ihre Situation geschildert.

So können Sie verfolgten Christen weltweit helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf Hör-CD beziehungsweise DVD erhältlich.

“Wer die Armen und Unmündigen vernachlässigt, macht aus der Kirche einen exklusiven Klub, wo es keinen Platz mehr gibt für die, in deren Leid ich die Tränen Christi gesehen habe.” (Pater Werenfried van Straaten)

7.Okt 2010 15:31 · aktualisiert: 7.Okt 2010 15:38
KIN / S. Stein