Chile acht Monate nach dem Erdbeben

Neben Kapellenzelten wachsen neue Kirchen – Geschäftsführer aus Chile berichtet

Gabriel García Brahm von KIRCHE IN NOT Chile.

Gabriel García Brahm von KIRCHE IN NOT Chile.

Acht Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Chile geht der Wiederaufbau der zerstörten Pfarreien im Land in die nächste Phase. Während eines Besuchs in München sagte der Geschäftsführer des chilenischen Zweigs unseres Hilfswerks, Gabriel García Brahm, nun endlich werde mit dem Wiederaufbau der zerstörten Kirchengebäude begonnen.

Rund um das Epizentrum des Bebens vom 27. Februar 2010 waren etwa 80 Prozent aller katholischen Kirchen und Kapellen dem Erdboden gleichgemacht worden. In einem ersten Schritt hatte KIRCHE IN NOT deshalb sofort nach dem Erdbeben 42 provisorische “Kapellenzelte” in den sechs am meisten von der Katastrophe betroffenen Diözesen errichtet.

Obwohl jedes dieser Zelte umgerechnet etwa 15.000 Euro gekostet habe, seien die Kosten für die Aktion dank der großen Spendenbereitschaft der Chilenen schnell gedeckt gewesen, berichtete Brahm. Eine Mädchenschule mit 800 Schülerinnen habe beispielsweise im Alleingang genug Geld für drei Kapellenzelte gesammelt. “Das ist jener solidarische Geist meines Landes, den Sie auch bei der Rettung unserer Minenarbeiter beobachten konnten!” freute sich der chilenische Geschäftsführer.

Kapellenzelt in Chile: Wegen Überfüllung geöffnet.

Kapellenzelt in Chile: Wegen Überfüllung geöffnet.

Darum könne nun in einem zweiten Schritt damit begonnen werden, jene zerstörten Kirchen wieder aufzubauen, für die die “Kapellenzelte” ein vorübergehender Ersatz gewesen seien, betonte er. Der Wiederaufbau werde deutlich teurer werden als die provisorischen Kapellenzelte, darum appellierte Brahm auch an die Hilfsbereitschaft der Katholiken in Europa.

Wenn im kommenden Jahr an allen 42 Standorten der Kapellenzelte wieder neue Kirchen entstehen, könnten die Zelte an anderer Stelle wiederverwendet werden, erzählte Brahm weiter. Die Kapellenzelte seien den jeweiligen Bischöfen von KIRCHE IN NOT geschenkt worden, daher stehen sie diesen auch in Zukunft für alle Einsätze in den Diözesen zur Verfügung. “Wir Chilenen sind erfinderisch”, sagte Brahm, “ob als Versammlungsort oder Lagerraum – die Zelte werden nicht ungenutzt bleiben!”

Im Moment erarbeite das Hilfswerk ein Handbuch dafür, wie die Bischöfe die Kapellenzelte am besten umbauen könnten. Darin enthalten seien zum Beispiel Tipps dafür, wie man die Zeltplanen durch Holz ersetzen und damit aus den Kapellenzelten feste Gebäude machen könne, verriet Brahm abschließend.

Innenraum eines Kapellenzelts in Chile: Heilige Messe mit einem Bischof.

Innenraum eines Kapellenzelts in Chile: Heilige Messe mit einem Bischof.

So können Sie uns unterstützen und sich informieren:

Stichwort Kapellenzelte

Ein chilenischer Architekt hatte die Kapellenzelte gleich nach dem Erdbeben im Auftrag von KIRCHE IN NOT in Anlehnung an den Schutzmantel der Gottesmutter Maria entworfen, unter dem sich die Katholiken des Landes seiner Beobachtung nach im Anschluss an das Erdbeben beschützt gefühlt hatten.

Jedes Zelt verfügt über 14 tragende Säulen, die den Kreuzweg Jesu Christi darstellen sollen. Jedes Zelt wurde außerdem so aufgestellt, dass die Sonne durch eine Öffnung im Zeltdach auf den Altar scheint und die Gemeinde so während jedes Gottesdienstes diesem Symbol der Auferstehung und Hoffnung entgegenblickt.

KIN / T. Waitzmann