Die Wiege des Christentums schützen

Über die Beratungen und Entscheidungen der Nahost-Sondersynode

Felsendom in Jerusalem, im Vordergrund die Klagemauer.

Felsendom in Jerusalem, im Vordergrund die Klagemauer.

Die Situation der Christen im Nahen und Mittleren Osten stand im Mittelpunkt der Sondersynode, die am Sonntag in Rom zu Ende gegangen ist. Zwei Wochen lang berieten Bischöfe, Patriarchen und führende Geistliche über die momentane Lage und Konzepte für die Zukunft.

Ferner nahmen Vertreter von Hilfswerken, unter anderem KIRCHE IN NOT, und des Judentums an den Sitzungen teil. Zum ersten Mal waren auch Repräsentanten des Islam dabei.

Auch wenn die Teilnehmer der Synode die Trennung von Politik und Religion heraussstellten, so sind die Empfehlungen der zweiwöchigen Tagung durchaus politisch. Vier wesentliche Herausforderungen und Erwartungen sind in der Abschlussbotschaft der Sonderbischofssynode ausdrücklich veröffentlicht.

Die innere Einheit der Kirche steht dabei an erster Stelle. Dabei geht es um die Stärkung der Kirche – auch innerhalb der unterschiedlichen katholischen Traditionen – durch das Gebet und Akte der Nächstenliebe.

Als zweite Herausforderung werden die politischen Bedingungen, Sicherheit und der religiöse Pluralismus im Nahen Osten genannt. Im Mittelpunkt steht dabei der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, der Auswirkungen auf die ganze Region hat.

In der Abschlussbotschaft werden ausdrücklich die Menschen in den palästinensischen Gebieten genannt, die “an den Folgen der israelischen Besatzung” leiden. Kritisiert werden vor allem die Grenzmauer, der Mangel an Bewegungsfreiheit und die Störungen des wirtschaflichen und sozialen Lebens.

Friedenstaube auf einer Hauswand in den palästinensischen Gebieten.

Friedenstaube auf einer Hauswand in den palästinensischen Gebieten.

Israelis und Palästinenser sollen sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden einsetzen, denn er sei das einzige Mittel zum Heil aller, zum Wohl der Region und seiner Völker, appellieren die Synodenmitgleider. Auch die internationale Gemeinschaft, vor allem die Vereinten Nationen, sollen diesen Prozess unterstützen.

Das palästinensische Volk habe Anrecht auf ein souveränes Heimatland, heißt es. Auch die besondere Stellung der Stadt Jerusalem, die Juden, Christen und Muslimen heilig ist, solle ihrem Charakter gerecht werden. “Die Konflikte dauern schon viel zu lange an. Man darf sich nie mit dem Fehlen von Frieden abgeben. Der Frieden ist möglich”, sagte Papst Benedikt XVI.

Dialog zwischen Islam und Christentum

Ein weiterer Brennpunkt ist die Lage der Christen im Irak. Die Synodenväter erklärten sich solidarisch mit dem irakischen Volk und forderten zur Unterstützung der Flüchtlinge auf. Es müssten Voraussetzungen geschaffen werden, dass sie wieder in ihre Heimat zurückkehren und in Sicherheit leben können.

Als vierte Herausforderung wird in der Abschlusserklärung das Verhältnis von Christen und Muslimen erwähnt. Der Dialog zwischen beiden Religionen sei eine die gemeinsame Zukunft bestimmende Lebensnotwendigkeit. Allerdings sollte es auch eine bessere Zusammenarbeit von Christen, Muslimen und Juden geben, um das Wohl der gesamten Region und ihrer Völker und den Frieden untereinander zu sichern.

Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar von Arabien.

Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar von Arabien.

Der Apostolische Vikar von Arabien, Bischof Paul Hinder, wies darauf hin, dass die Hälfte der rund drei Millionen Katholiken im Nahen Osten auf der Arabischen Halbinsel lebten. Diese stammen vor allem aus Fernost, um auf den Erdölfeldern und -fabriken der Golfregion zu arbeiten. Eine Kommission soll eingerichtet werden, um ihre seelsorgliche Betreuung zu verbessern.

Mohammed el-Sammak, Berater der libanesischen Regierung und einer der muslimischen Gäste der Synode, betonte: “Die Christen gehören zum Nahen Osten; wenn sie verschwänden, wäre das ein Drama.”

Mit Blick auf die zunehmende Politisierung des Islam in einigen Ländern sagte el-Sammak, dass es zwei Entwicklungen gebe. Zunächst werde versucht, das soziale Gefüge der Gesellschaft zu zerstören. Zudem setze sich der Islam in den Gegensatz zu dem, was er von sich verkünde. Wenn immer mehr Christen ihre Heimat verließen, verarme auch die arabische Identität, so el-Sammak.

Zum Abschluss der Versammlung wandte sich Papst Benedikt XVI. in einem Gebet an die Christen im Nahen Osten. “Die Erfahrung dieser Tage möge euch versichern, dass ihr nie allein seid, dass euch der Heilige Stuhl und die ganze Kirche immer begleiten, die in Jerusalem entstanden ist und sich im Nahen Osten und in der Folge in der ganzen Welt ausgebreitet hat.”

So können Sie den Christen im Nahen Osten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

28.Okt 2010 15:17 · aktualisiert: 28.Mrz 2015 07:29
KIN / S. Stein