Irak: Blutbad in katholischer Kirche

Zahlreiche Tote und Verletzte nach einer Geiselnahme in Bagdad

Die syrisch-katholische Kirche “Unsere Liebe Frau der Erlösung” in Bagdad am Tag nach dem Blutbad vom 31. Oktober 2010.

Die syrisch-katholische Kirche in Bagdad am Tag nach dem Blutbad vom 31. Oktober 2010.

Bei einer gewaltsamen Beendigung einer Geiselnahme in einer syrisch-katholischen Kirche in Bagdad sind am Sonntagabend mindestens 37 Personen getötet und 56 verletzt worden.

Das Innenministerium spricht mittlerweile sogar von 58 Toten. Unter den Opfern sind mindestens zwei Priester und laut US-Militär zehn Gottesdienstbesucher.

Neun bewaffnete Männer mit Sprengstoffgürteln hatten während eines Gottesdienstes die Kirche gestürmt und die Gläubigen und die Priester als Geiseln genommen. Sie forderten die Freilassung von Al-Kaida-Mitgliedern, die derzeit im Irak und in Ägypten verhaftet sind. Die Angreifer gehörten einer militanten sunnitischen Vereinigung an, die Al-Kaida nahesteht.

Außerdem wollten sie laut Webseite der Organisation die Freilassung von muslimischen Mädchen erpressen, die in einem koptischen Kloster in Ägypten festgehalten werden sollen. Falls das nicht innerhalb von 48 Stunden geschehe, drohten sie, die Kirche in die Luft zu sprengen.

Nach mehrstündigen Verhandlungen mit der Polizei wurden einige Geiseln freigelassen, darunter 19 Nonnen. Anschließend stürmten Sicherheitskräfte das Gotteshaus. Bei dem Feuergefecht kamen neben Gottesdienstbesuchern auch sieben irakische Sicherheitskräfte ums Leben. Medienberichten zufolge wurden acht Geiselnehmer getötet, der neunte habe sich in die Luft gesprengt. Andere Quellen sprechen von fünf getöteten Geiselnehmern.

Zuvor Überfall auf die Börse von Bagdad

Die Terroristen sollen zuvor versucht haben, die Börse von Bagdad zu überfallen. Doch das dortige Sicherheitspersonal konnte die Angreifer nach einem Schusswechsel zurückschlagen, bei dem zwei Menschen starben. Anschließend zündeten die Terroristen mindestens zwei Sprengkörper direkt vor der Kirche und stürmten das Gotteshaus.

Zahlreiche Gottesdienstbesucher sind schwer verletzt. Ein Polizeisprecher sagte, dass viele Menschen ohne Beine und Hände in Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Augenzeugen berichten, dass Gottesdienstbesucher in einem kleinen Raum am Eingang der Kirche Schutz hinter Bücherregalen gesucht und so überlebt hätten. Offizielle Stellen hatten sich zur Stürmung der Kirche entschieden, nachdem sie Berichte über die gezielte Tötung von Geiseln erhalten hätten.

Papst: “Ich bete für die Opfer dieser absurden Gewalt”

Die syrisch-katholische Kirche “Unsere Liebe Frau der Erlösung”, in der die blutige Geiselnahme geschah, ist eine der größten in der irakischen Hauptstadt. Sie wurde bereits 2004 angegriffen. Immer wieder kommt es im Irak zu Übergriffen auf christliche Einrichtungen und Gläubige im Irak. Viele entschließen sich daher zur Flucht. Derzeit gibt es etwa 300 000 Christen im Land.

Papst Benedikt XVi. äußerte sich im Angelusgebet am Allerheiligentag erschüttert über die Ereignisse in Bagdad. “Ich bete für die Opfer dieser absurden Gewalt, besonders weil sie wehrlose Menschen getroffen hat, die sich in einem Haus Gottes versammelt hatten, einem Haus der Liebe und Versöhnung. Ich drücke ebenfalls meine Nähe zur christlichen Gemeinde aus, die erneut angegriffen wurde, und ich ermutige die Hirten und die Gläubigen, stark und fest in der Hoffnung zu stehen.”

Mit Blick auf die kürzlich zu Ende gegangene Nahost-Synode sagte er weiter: “Angesichts dieser grausamen Episoden der Gewalt, die weiterhin die Bevölkerung des Nahen Ostens zerreißen, möchte ich meinen Aufruf für den Frieden erneuern: er ist ein Geschenk Gottes, aber er ist auch ein Ergebnis der Anstrengungen der Menschen guten Willens, der nationalen und der internationalen Institutionen. Alle mögen ihre Kräfte vereinen, damit alle Gewalt aufhört!”

Auch die Bundesregierung zeigte sich erschüttert über die blutige Geiselnahme in Bagdad. Der Überfall zeige, wie gefährlich die Lage für die Christen im Irak sei, so Regierungssprecher Steffen Seibert.

CRTN, eine Einrichtung von KIRCHE IN NOT, hat einen Kurzbeitrag über die Lage der Christen im Irak gedreht. Sie können diesen Film hier anschauen.

So können Sie den verfolgten Christen im Irak helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

2.Nov 2010 12:49 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:27
KIN / S. Stein