“Ich habe nur eine Botschaft: Betet für uns!”

Erneut Tote und Verletzte bei Bombenanschlägen auf Christen in Bagdad

Bombenanschlag auf eine Kirche in Kirkuk / Nordirak im Jahr 2008.

Bombenanschlag auf eine Kirche in Kirkuk / Nordirak im Jahr 2008.

Bei einer Reihe von Bombenanschlägen auf Christen in Bagdad hat es am vergangenen Mittwochmorgen zahlreiche Opfer gegeben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, seien mindestens drei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Das habe man aus irakischen Sicherheitskreisen erfahren.

In der irakischen Hauptstadt seien mindestens 14 Sprengsätze innerhalb von zwei Stunden gezündet und der südwestliche Stadtbezirk Dora sei mit Mörsergranaten unter Beschuss genommen worden, habe das Innenministerium verlauten lassen. Das ist der Stadtbezirk, in dem die meisten Christen leben.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf das Innenministerium von Angriffen mit zwei Mörsergranaten und zehn selbstgebauten Sprengsätzen auf Wohnhäuser von Christen. Bereits am Dienstagabend seien auf drei Häuser in Bagdad, die sich in Besitz von Christen befinden, Bombenanschläge verübt worden. Dabei sei jedoch niemand verletzt worden.

Die Organisation “Islamischer Staat”, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Beziehung steht, hat Medienberichten zufolge inzwischen die Verantwortung für die Anschläge übernommen.

Gegenüber KIRCHE IN NOT sagte der irakische chaldäische Erzbischof Bashar Warda: “Al-Kaida kündigte an, dass Kirchen und Christen ein Ziel sein würden. Dies ist der Beweis, dass sie es ernst meinen.”

Der Erzbischof der Stadt Erbil im Nordirak berichtet, dass er von Familienmitgliedern und Freunden der Betroffenen angerufen wurde. “Die Menschen leiden sehr unter Angst. Sie wissen vor Not und Elend nicht mehr weiter.”

Er appelliert an die Christen der Welt: “Ich habe nur eine Botschaft: Bitte betet für uns! Dies ist eine sehr schwere Zeit, ein furchtbares Durcheinander. Wir haben es hier nicht nur mit Mängeln öffentlicher Sicherheit zu tun, sondern mit vorsätzlichen Angriffen auf Christen.”

In Doura bei Bagdad wurde eine syrisch-orthodoxe Kirche zerstört.

Im Großraum Bagdad wurde 2009 eine syrisch-orthodoxe Kirche zerstört.

Bashar Warda rechnet mit einem weiteren Wegzug der Christen aus Bagdad. Bis 2003 hätten bis zu 40 000 christliche Familien in der Stadt gelebt, inzwischen seien es nur noch knapp fünfzig. Bis zum Blutbad am 31. Oktober hätten die Christen damit begonnen, nach Bagdad zurückzuziehen, besonders in den Distrikt Dora, der wegen der großen Zahl katholischer Kirchen und Häuser als “Vatikan des Irak” bezeichnet worden sei.

Der Bischof schloss: “Wir müssen auf die Regierung Druck ausüben, damit ein angemessener Schutz für die Christen angeboten wird.”

Die katholische Agentur Fides berichtet aus einem Gespräch mit dem syrisch-katholischen Erzbischof von Bagdad, Atanase Matti Shaba Matoka. Er habe sich heute geäußert: “In unserer Gemeinde herrscht tiefe Bestürzung. Die Welle der Gewalt wird immer größer. Vor zehn Tagen wurde ein Attentat auf unsere Kathedrale verübt. Heute sind unsere Wohnungen Zielscheibe. Familien trauern und wollen fliehen. Es ist schrecklich!”

Der Erzbischof habe sich beklagt: “Trotz aller Ankündigungen tut die Regierung nichts, um diese Welle der Gewalt zu stoppen, die über uns hinwegrollt. Vor den Kirchen stehen Polizisten, doch nun sind die Häuser unserer Gläubigen zur Zielscheibe geworden.”

Abschließend habe der Erzbischof appelliert: “Wir bitten um ein rasches Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft und erhoffen uns Hilfe vom Heiligen Vater und von der Weltkirche. Heute bleibt uns nichts anderes als zu hoffen und zu beten und unser Leben in die Hände Gottes zu legen. Unter Tränen sagen die irakischen Christen: In manus tuas, Domine.”

Neun Tage nach dem Blutbad in der syrisch-katholischen Kathedrale in Bagdad hatten sich Dienstag Nachmittag Christen sowie Vertreter der irakischen Regierung und des öffentlichen Lebens zu einer Beisetzungsfeier für 15 der ermordeten Christen in der Kirche St. Josef im Stadtteil Karrada versammelt.

CRTN, eine Einrichtung von KIRCHE IN NOT, hat einen Kurzbeitrag über die Lage der Christen im Irak gedreht. Sie können diesen Film hier anschauen.

So können Sie den verfolgten Christen im Irak helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich.

Veranstaltungstipp:
Pater-Werenfried-Jahresgedenken mit Erzbischof Sako aus Irak

Erzbischof Louis Sako aus dem nordirakischen Kirkuk ist am Samstag, 5. Februar 2011, zu Gast bei unserem traditionellen Pater-Werenfried-Jahresgedenken in Köln. Er nimmt am Podiumsgespräch “Christentum und Islam zehn Jahre nach dem 11. September 2001” teil. Weitere Gesprächsteilnehmer sind Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln) und Pater Josef Herget CM (Institut St. Justinus, Mariazell / Österreich). Zuvor wird er um 11 Uhr im Dom zu Köln mit Kardinal Meisner einen Gottesdienst leiten.

Wir freuen uns auch über seine Teilnahme beim 4. Internationalen Kongress “Treffpunkt Weltkirche” vom 18. bis 20. März in Würzburg. rufen Sie an unter: 089 / 64 24 888-32.

10.Nov 2010 14:15 · aktualisiert: 10.Jun 2014 11:26
KIN / T. Waitzmann