Auf den Spuren der heiligen Gertrud von Helfta

Begegnungswochenende mit Freunden und Wohltätern von KIRCHE IN NOT

Statue der heiligen Gertrud in der Klosterkirche.

Statue der heiligen Gertrud in der Kirche auf dem Klostergelände von Helfta.

Im November 2010 haben wir uns mit etwa 120 Freunden und Wohltätern von KIRCHE IN NOT im Kloster Helfta am Stadtrand von Lutherstadt Eisleben getroffen, um drei Tage lang in die bewegte Geschichte des Klosters und der drei heiligen Frauen von Helfta einzutauchen.

Wir waren zu Gast bei den Zisterzienserinnen von Helfta, die wenige Tage zuvor eine neue Priorin gewählt hatten. Die vom Heiligen Stuhl eingesetzte Äbtissin Mutter Agnes Fabianek ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich zu begrüßen und mit einem Impuls in das Klosterleben mit seinem stetigen Wechsel von Stundengebet und Arbeit einzuführen.

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Im Zisterzienserinnenkloster Helfta lebten und wirkten in der zweiten Häflte des 13. Jahrhunderts die drei berühmten deutschen Mystikerinnen Mechthild von Hackeborn, Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta. Im Jahr 1342 wurde das Kloster bei kriegerischen Auseinandersetzungen zerstört. Der Konvent fand an einem anderen Ort in Helfta Zuflucht in einem neuen Kloster. Im Jahr 1529 kehrten einige Nonnen noch einmal in das ursprüngliche Kloster in Helfta zurück.

Doch im Zuge der Reformation wurde 1546 der Konvent aufgelöst, und das Kloster Helfta verfiel zu einer Ruine. Erst in den späten 1990er-Jahren konnte es wieder aufgebaut werden, nachdem das Klostergelände noch zu DDR-Zeiten für einen landwirtschaftlichen Großbetrieb genutzt worden war. Am 15. August 1999, am Fest Mariä Himmelfahrt, nahm eine neue Gemeinschaft von Zisterzienserinnen unter der Äbtissin Maria Assumpta Schenkl das klösterliche Leben in Helfta wieder auf.

Die Klosteranlage war zu Zeiten der DDR ein landwirtschaftlicher Großbetrieb. Seit 1999 leben wieder Zisterzienserinnen im Kloster Helfta.

Die Klosteranlage war zu Zeiten der DDR ein landwirtschaftlicher Großbetrieb. Seit 1999 leben wieder Zisterzienserinnen im Kloster Helfta.

Maßgeblich an der “Wiederauferstehung” des Klosters beteiligt war der Allgäuer Pfarrer Josef Hochenauer, der uns in seinen Predigten und Vorträgen tiefe Einblicke in die lange Geschichte und die mühsame Wiederbelebung Helftas gab. Fast sieben Jahre habe es gedauert, bis man von einem “Initiativkreis der Freunde des Klosters Helfta” zum Wiederaufbau der Klosterkirche gelangt sei, erzählte er.

Den Kern der Begegnungstage bildeten – neben der Feier der Heiligen Messe -  Gespräche und Vorträge des Zisterzienserpaters Prof. Dr. Bernhard Vosicky aus dem Stift Heiligenkreuz bei Wien. Er führte uns in das Wesen der Mystik und in die Spiritualität der drei heiligen Frauen von Helfta ein.

In seiner Eröffnungspredigt am Freitagabend erklärte Pater Vosicky in Anspielung auf das große Christus-Kreuz in der Helftaer Klosterkirche, das den Heiland mit weit ausgebreiteten Armen zeigt: “Ein Mystiker ist ein Mensch, der eine Antwort gibt auf die Umarmung durch Gott.” Es gehe bei der Mystik um eine Begegnung des Menschen mit Gott “von Geist zu Geist”.

Das besondere Kruzifix in der Klosterkirche in Helfta. “Ein Mystiker ist ein Mensch, der eine Antwort gibt auf die Umarmung durch Gott” (Pater Vosicky).

Das besondere Kruzifix in der Klosterkirche in Helfta. “Ein Mystiker ist ein Mensch, der eine Antwort gibt auf die Umarmung durch Gott” (Pater Vosicky).

Außergewöhnliche Phänomene wie Visionen, Stigmatisierungen oder die Fähigkeit zur Seelenschau, die viele Menschen untrennbar mit der Mystik verbänden, seien eher nebensächliche Erscheinungen. “Jedes Kind, das gläubig betet, ist ein Mystiker”, betonte Pater Vosicky. Es komme nicht auf Gefühle oder Wunder an, sondern auf  die “Begegnung zwischen Mensch und Gott”.

Zur heiligen Gertrud von Helfta habe Christus einmal gesagt: “Ich bin leichter zu erlangen als irgendetwas. Kein Faden und kein Splitter, nichts ist so klein und so gering, dass man es mit einem Willensakt an sich ziehen könnte. Mich aber kann der Mensch mit seinem bloßen Willen an sich ziehen.”

Pater Bernhard Vosicky während des Podiumsgesprächs.

Pater Bernhard Vosicky während des Podiumsgesprächs.

Menschen, die in der Mystik zu sehr nach Wundern und außergewöhnlichen Sinneswahrnehmungen suchten, warnte Pater Vosicky mit den Worten des heiligen Johannes vom Kreuz augenzwinkernd vor einer “religiösen Naschhaftigkeit”. Eine Erlebnis- und Genusssucht stehe einer ernsthaften und wahren Suche nach Gott im Weg.

Deshalb bedürfe eine solche Suche nach Gott auch stets einer Reinigung und Korrektur durch eine intensive Nutzung des Bußsakraments. Nur so könne man sich die “feinen Antennen” für Gott erhalten.

Auf diese Suche begaben wir uns an diesem Wochenende und viele unserer Wohltäter berichteten uns von fruchtbaren Beichtgesprächen mit Pater Bernhard Vosicky, der dazu bis spät in die Nacht zur Verfügung stand.

23.Nov 2010 12:31 · aktualisiert: 11.Aug 2011 13:45
KIN / S. Stein